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F.A.Z. exklusiv : Förderkosten für Erneuerbare noch jahrelang beträchtlich

LEDs und neue Heiztechnik sind wichtig, aber der schnelle Ausstieg aus der Kohleverstromung würde größere Einsparungen bringen. Muss die neue Regierung den Kohle-Ausstieg forcieren?

Ich bin ein Anhänger der Sozialen Marktwirtschaft und überzeugt, dass man mit Verboten und Regulierungen ...

... wie sie die Grünen beim Ausstieg aus dem Verbrenner oder der Kohleverstromung bis 2025 oder 2030 verlangen ...

... nicht wirklich vorankommt. Am Ende kommt es nur zu Marktverzerrungen. Deshalb sollten wir auf freiwillige Anreize setzen, so wie wir das 2016 mit der Kaufprämie für die Elektroautos gemacht haben. Die hat leider nicht so gewirkt, wie wir das gehofft hatten. Doch das ist kein Argument gegen Anreize.

Braucht es für den Ausstieg aus dem schmutzigen Diesel auch staatliche Anreize, wie CSU-Parteichef Horst Seehofer sie vorgeschlagen hat?

Den Diesel brauchen wir wegen der CO2-Reduzierung noch viele Jahre und auf absehbare Zeit. Aber wir müssen besser werden bei alternativen Antrieben und Elektromobilität. Darüber spricht die Bundeskanzlerin mit den Städten, die Überschreitungen der Stickoxid-Werte haben.

Welche Anreize setzen Sie für den beschleunigten Kohleausstieg?

Langsam. Im Klimaschutzplan 2050 aus dem letzten Jahr haben wir die Sektoren mit dem größten Einsparpotential analysiert. Das sind Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude- und Landwirtschaft. Das wird man sich genau anschauen, um mit Industrie und Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden zu diskutieren, ob und wo etwas im Verhältnis der Sektoren untereinander korrigiert werden muss. Dem Energiesektor haben wir einen Ausbaupfad vorgegeben, der Anteil aus erneuerbaren Quellen wächst, der aus konventioneller Erzeugung sinkt. Das wird den Wettbewerb unter Konventionellen erhöhen, unwirtschaftliche oder schmutzige Anlagen zu ersetzen. Wir werden dabei strukturelle Effekte nicht aus dem Blick verlieren. In Ostdeutschland hängen ganze Regionen an der Braunkohle. Da brauchen wir schnellstmöglich neue, zukunftssichere Arbeitsplätze. Es gibt jetzt keinen Anlass, einseitig nur über Kohlekraftwerke zu reden, wie das beispielsweise die Grünen tun. Es gibt ja auch noch andere, große Projekte.

Nämlich?

Wir werden die energetische Gebäudesanierung steuerlich fördern.

Das ist schon zweimal im Bundesrat gescheitert.

Nach den Regierungswechseln in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und hoffentlich bald in Niedersachsen sehen wir hier aber eine große Chance für einen erfolgreichen Anlauf. Wir werden uns in der Elektromobilität mehr auf Innenstädte und Verdichtungsräume konzentrieren. Da kommt man mit einer Tankladung Strom locker über den Tag.

Die Regierung plant den Umbau zu einer „all-electric-society“, in der nicht nur der heutige Elektrizitätsbedarf, sondern auch andere Sektoren wie der Verkehr und die Gebäudeheizung an Ökostrom „gekoppelt“ werden. Wir brauchen dafür vielleicht sechs- oder siebenmal mehr Ökostrom als heute. Können Sie sich vorstellen, die Zahl der Windräder bis 2040 auch nur zu verfünffachen?

Das ist nicht zwangsläufig die Folge. Zum einen dürften auf hoher See viele neue Windparks entstehen, die niemanden stören. Im Übrigen wird es nicht zu einer Verfünffachung der Zahl der Windkraftwerke kommen, weil die einzelnen Anlagen leistungsfähiger werden. Es wird keine „Verspargelung der Landschaft“ geben. Es gibt nach wie vor Regionen, in denen die Leute den Ausbau der Windenergie wollen. Wir können alle diese Fragen im Konsens lösen und die Energiewende günstiger machen, als wir das vor einigen Jahren noch befürchten mussten.

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