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Corona-Pandemie : Viele Intensivpflegekräfte schmeißen hin

Stark gefordert: Pflegekräfte auf einer Intensivstation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein im Dezember 2020 Bild: dpa

Der Personalmangel auf den Intensivstationen hat sich durch die Corona-Pandemie noch einmal verschärft. Eine Umfrage zeigt erstmals, wie viele Pflegekräfte den Kliniken verloren gegangen sind.

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          Ohne sie wäre das Land in der Corona-Pandemie aufgeschmissen – doch viele Pflegekräfte auf den Intensivstationen der Krankenhäuser sind nach eineinhalb Jahren Dauerbelastung nur noch müde und erschöpft. Zum Teil ziehen sie daraus nun offenbar auch Konsequenzen, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ergeben hat: Die Personalnot auf den Intensivstationen hat sich demnach in der Pandemie noch einmal verschärft.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In fast drei Viertel der Krankenhäuser mit Intensivbetten stehen der Umfrage unter 233 Krankenhäusern zufolge aktuell weniger Intensivpflegekräfte zur Verfügung als noch Ende 2020. Hauptgründe sind Kündigungen, interne Stellenwechsel und reduzierte Arbeitszeiten. Erstmals lässt sich anhand der Daten auch beziffern, wie viele Intensivpflegekräfte den Krankenhäusern durch die schwierigen Bedingungen in der Corona-Pandemie verloren gegangen sind.

          Die Abwanderung hat zugenommen

          In gut einem Drittel der Kliniken fehlen demnach – in Vollzeitkräften gerechnet – bis zu 5 Prozent des Pflegepersonals, in einem knappen weiteren Drittel zwischen 5 und 10 Prozent. Jede elfte Klinik hat sogar mehr als 10 Prozent der Intensivpflegekräfte verloren. Die Hälfte der Krankenhäuser berichtet, dass die Abwanderung aus der Intensivpflege im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen habe.

          Die Zahlen bestätigen, was Fachleute schon länger befürchten: Dass viele Intensivpflegekräfte aus Pflichtgefühl gegenüber Patienten und Kollegen in der Pandemie eine Zeit lang durchgehalten haben, irgendwann aber hinschmeißen könnten. Insbesondere in der zweiten, schweren Corona-Welle im vergangenen Winter litten sie nicht nur unter der psychisch und körperlich sehr anstrengenden Arbeit, dazu in voller Schutzmontur. Es machte sich auch zunehmend Frust breit, dass sich an den schon vor Corona schwierigen Arbeitsbedingungen selbst durch die große Aufmerksamkeit in der Pandemie nichts geändert hat. Zum Teil haben sie nun offenbar das Vertrauen verloren, dass das jemals passiert.

          Die Folge: Fast neun von zehn Krankenhäusern konnten seit Jahresanfang einen Teil ihrer Intensivbetten nicht belegen. Gut die Hälfte der befragten Kliniken gab an, dass das oft oder sehr oft der Fall war, wobei große Häuser mit mehr als 600 Betten besonders stark betroffen sind. Auch aktuell ist die Lage angespannt: Mehr als jedes zweite Krankenhaus kann derzeit wegen fehlenden Personals in Pflege oder Medizin Intensivbetten nicht betreiben. Vor kurzem hatte schon die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) gewarnt, dass momentan in jedem dritten Intensivbett kein Patient mehr behandelt werden kann.

          „Spätestens in der Pandemie musste jeder verstehen, dass eine der höchsten Bettendichten der Welt und modernste Medizintechnik allein keine Kranken versorgen können“, sagte am Mittwoch der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß. Politik und Krankenhäuser müssten jetzt alles dafür tun, dass der Pflegeberuf wieder attraktiver wird. „Das funktioniert nur mit besseren Arbeitsbedingungen und natürlich guten Gehältern, die der hohen Verantwortung und Qualifikation angemessen sind.“

          Gaß betonte zudem, dass die aktuell hohe Belastung der Intensivstationen vor allem durch ungeimpfte Patienten sowie durch Impfdurchbrüche bei Älteren verursacht werde. Nötig sei daher nun eine Kampagne für mehr Auffrischungsimpfungen und wirksame Schritte, um die Impfquote zu steigern.

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