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Sind Sie ein ESTP? : Persönlichkeitstests erobern die Arbeitswelt

Die vier Typen v.l.n.r.: Das Energiebündel – perfektionistisch und sehr stressresistent, das Gewohnheitstier – introvertiert, organisiert und sehr sensibel, der Souveräne – hat die Ruhe weg und kann Experimente nicht leiden, der Freigeist – arbeitet und denkt kreativ Bild: Re/Flect

Persönlichkeitstests sortieren Angestellte und Bewerber in Kategorien mit kuriosen Abkürzungen ein. Das entscheidet über Karrieren. Dabei sind die Tests höchst unzuverlässig.

          Wenn etwas neu ist, gehören Sie zu den ersten, die es ausprobieren oder sind Sie nicht daran interessiert? Beteiligen Sie sich an Gesprächen, wenn Sie mit Menschen zusammenkommen, oder bleiben Sie für sich? Bevor Sie diese Fragen beantworten, sollte Ihnen bewusst sein, dass die Antworten viel über Sie aussagen können. Die Fragen sind Teil eines Persönlichkeitstests. Mithilfe der Auswertung wird nicht etwa Ihr Horoskop erstellt oder ein geeigneter Partner gesucht. Viele Unternehmen nutzen solche Tests, um neue Mitarbeiter zu finden oder um über Karrieren zu entscheiden.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Betriebe tun sich in Zeiten des Fachkräftemangels schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Auf offene Stellen kommen immer weniger Interessenten. Umso ärgerlicher ist es für die Personalchefs, wenn ein Angestellter nach wenigen Monaten die Segel streicht und die mühsame Suche nach einem Nachfolger von vorn losgeht. Daher lassen sich die Unternehmen einiges einfallen, um die Bewerber zu prüfen.

          Auch wenn große Unternehmen einen Überblick gewinnen müssen, wer von ihren Nachwuchskräften für eine Führungsposition in Frage kommt und entsprechend gefördert werden soll, greifen sie gern zu standardisierten Verfahren– und oft spielen darin Persönlichkeitstests eine Rolle.

          Natürlich genießen Zeugnisse und Lebensläufe immer noch hohes Ansehen. Noten sind aufgrund ihrer weitgehenden Objektivität gut vergleichbar. Aus einem Lebenslauf lässt sich vieles herauslesen: Wie oft wurde der Arbeitsplatz gewechselt? Wie mobil und flexibel war der Bewerber in der Vergangenheit? Doch für die Personaler spielen weiche Merkmale eine immer größere Rolle. Sie interessieren sich dafür, ob der Bewerber nicht nur fachlich Bescheid weiß, sondern auch als Person zur Stelle passt.

          Dahinter steckt die Annahme, dass fachliche Kompetenz und Wissen erlernbar sind. Die Persönlichkeit hingegen ist nur schwer veränderbar. Tests der Persönlichkeit sollen Aufschluss darüber geben, welche Charaktereigenschaften einen neuen Mitarbeiter besonders auszeichnen. Ist er kreativ? Mutig? Organisiert? Oder unsicher, introvertiert und chaotisch?

          Umfrage der F.A.S.: Dax-Unternehmen nutzen Tests

          Eine Umfrage der F.A.S. unter den dreißig Dax-Unternehmen ergab, dass nur knapp ein Drittel von ihnen Persönlichkeitstests ablehnt. Knapp ein Drittel bekennt sich ganz offen zum Einsatz, nicht nur für die Bewerberauswahl, sondern auch dann, wenn Mitarbeiter befördert werden.

          Der bekannteste und am weitesten verbreitete Test heißt „Myers-Briggs-Typen-Indikator“. Er teilt die Probanden in sechzehn Persönlichkeiten ein, die auf vier Eigenschaften basieren. Viele Angestellte in internationalen Unternehmen kennen ihre Typenkombination, zum Beispiel ESTP oder INFJ. Während das eine für „extroverted, sensing, thinking, perceiving“ steht und der Persönlichkeit „Förderer“ zugeordnet wird, bedeutet das andere „introverted, intuiting, feeling, judging“ und wird als der „Berater“-Typ klassifiziert. Mehr als 2,5Millionen Menschen machen den Test im Jahr. Der Myers-Briggs-Test ist der am besten erforschte Persönlichkeitstest – und zugleich auch der umstrittenste.

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