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Rücktritt nach Iranreise : Verhängnisvolle Liebe eines Ministers

Per Sandberg mit seiner Freundin Bahareh Letnes bei einem Spaziergang in Mandal, Norwegen Bild: AP

Ein norwegischer Politiker macht mit einer iranischen Schönheitskönigin Turtelferien in Iran. Eine schlechte Idee.

          Ach, die Liebe. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand, schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther, einem Klassiker der Liebesliteratur. Die Liebe macht blind, fügt der vermaledeite Volksmund besserwisserisch dazu.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den jüngsten Beleg dafür hat in der vergangenen Woche der norwegische Politiker Per Sandberg geliefert. Sandberg ist 58 Jahre alt und, was das Privatleben angeht, gerade in seinem zweiten Frühling, nämlich frisch verliebt in Bahareh Letnes, eine dreißig Jahre jüngere Ex-Schönheitskönigin. Beruflich sieht es schlechter aus für Per Sandberg. Als Fischereiminister seines Landes war er bis zum vergangenen Montag noch eine große Nummer, für Norwegen sind Fische und Meerestiere gleich nach Öl und Gas die wichtigsten Exportgüter. Jetzt ist er zurückgetreten. Man kann sagen: der Liebe wegen. Oder: aus Dummheit.

          Ohne Abmeldung, mit Diensttelefon

          Hier die Kurzfassung. Letnes ist gebürtige Iranerin, sie floh als Teenagerin nach Norwegen, weil ihr nach eigener Auskunft in der Heimat eine Zwangsheirat drohte. Dem Land ihrer Vorväter fühlt sie sich aber offensichtlich weiterhin verbunden. Vor fünf Jahren ließ sie sich zur „Miss Iran“ wählen, Auszeichnungen als „Miss Globe Iran“ und „Miss Grand International Iran“ folgten. Abseits der Showbühne machte sie, die zuvor als Zahnarzthelferin gearbeitet hatte, sich als Unternehmerin im norwegisch-iranischen Import- und Exportgeschäft selbständig.

          Das ist ein heikles Pflaster, schließlich besteht die Regierung in Teheran nach verbreiteter Meinung nicht nur aus lupenreinen Demokraten. Außerdem wedelt Donald Trump, der amerikanische Präsident, mit Wirtschaftssanktionen gegen das Land, an die sich auch alle halten sollen, die es sich mit den Vereinigten Staaten nicht verscherzen wollen. Da geht es um Atomwaffen, nicht um Herzensangelegenheiten.

          Als Sandberg und Letnes ihren Sommerurlaub planten, war ihnen das politische Gemenge offensichtlich schnuppe. Als Reiseziel zum Turteln und Sightseeing wählten sie kurz entschlossen Iran, und Letnes beglückte ihre Freunde auf Instagram mit hübschen Fotos vom gemeinsamen Ferienglück vor malerischer Kulisse. Dafür gab es – aus amouröser Perspektive verdientermaßen – Herzchen und „Likes“. Doch dann fiel der Staatskanzlei und dem Geheimdienst in Oslo auf: Sandberg hatte sich vor der Auslandsreise erstens nicht abgemeldet, wie es Kabinettsmitglieder tun sollten – angeblich, weil er nicht wollte, dass seine Ex-Frau von der Sache Wind bekommt, die ihres Zeichens Staatssekretärin bei der amtierenden norwegischen Seniorenministerin ist. Und er hatte, ganz ohne zusätzliche Absicherung, sein Diensttelefon mitgenommen, auf dem alle möglichen vertraulichen Dateien, Passwörter und Adressen gespeichert sind.

          Dass er bei den Ajatollahs aus- und eingeht, war zu viel

          „Er hat zwei wichtige Regeln gebrochen“, stellte die norwegische Ministerpräsidentin daraufhin kaltherzig fest. Die Opposition rief: Ein Sicherheitsrisiko im Kabinett! Iran sei ein Paradies für Touristen, hielt Sandberg anfangs noch dagegen, er sei sich keiner Schuld bewusst. Aber dann gingen ihm scharenweise die eigenen Parteifreunde von der Fahne. Dazu muss man wissen: Sandberg gehört der rechtspopulistischen Fortschrittspartei an, die in Norwegen als Juniorpartner der Konservativen die Regierung bildet und schon seit langem mit schrillen Tönen vor der „schleichenden Islamisierung“ des Landes warnt. Dass einer ihrer bekanntesten Politiker, zugleich der stellvertretende Vorsitzende, mit einer hübschen Muslima Händchen hält, deren Asylgesuch seinerzeit erst im vierten Anlauf bewilligt wurde, hätte noch wahlkampftauglich als die unwahrscheinlichste Liebesgeschichte des Jahres ausgeschlachtet werden können. Aber die Vorstellung, dass er bei den Ajatollahs aus- und eingeht, war zu viel.

          Sandberg trat, kaum waren die Ferien vorüber, als Minister und Parteivize zurück. Jetzt wollen er und Letnes ein Buch zusammen schreiben, über die Liebe und die Reise ihres Lebens.

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