https://www.faz.net/-gqe-9wk98

Penny Goldberg : Mysteriöser Abschied von der Weltbank

Pinelopi Koujianou „Penny“ Goldberg. Bild: Picture-Alliance

Die Weltbank soll Entwicklungsländern helfen, doch das Geld landet teils in Steueroasen. Darf man das laut sagen? Der Abgang einer Ökonomin weckt Zweifel.

          2 Min.

          Im Reigen der internationalen Wirtschaftsorganisationen gehört die Weltbank quasi zu den Guten: Sie hat sich der Armutsbekämpfung verschrieben und vergibt Kredite an Entwicklungsländer. Umso ärgerlicher für die Bank, wenn es Streit über ihre Methoden gibt – und wenn darüber vielleicht die Chefökonomin stolpert. Es geht um Pinelopi Koujianou „Penny“ Goldberg, eine angesehene griechisch-amerikanische Forscherin, die erste Frau an der Spitze der prestigeträchtigen Fachzeitschrift American Economic Review.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auslöser der Diskussion ist eine bemerkenswerte Studie aus ihrem Team, die bisher nicht veröffentlicht worden ist: Wenn die Weltbank in Geld an ein Entwicklungsland ausgezahlt hat, wird noch im gleichen Monat aus diesem Land oft besonders viel Geld in Steueroasen transferiert: Fünf Prozent der ausgezahlten Summe werden überwiesen, so haben es Ökonomen aus Goldbergs Team ermittelt.

          Da stellen sich viele Fragen: Ist dieser zeitliche Zusammenhang purer Zufall? Hat er vielleicht legitime Gründe: Werden mit dem Weltbank-Geld Unternehmer für erbrachte Leistungen bezahlt, die ihr Geld hinterher vollkommen legal ins Ausland überweisen? Öffentlich diskutiert werden kann all das allerdings derzeit nicht, jedenfalls nicht mit Substanz, denn das Management der Weltbank hat die Veröffentlichung der Studie bislang unterbunden. Dabei steht auf jeder Studie aus Goldbergs Team sowieso, dass die Studie nicht die Meinung des Weltbank-Managements widerspiegelt.

          Pinelopi Goldberg verlässt die Weltbank

          Nun gibt es noch einen zeitlichen Zusammenhang, der vielleicht purer Zufall ist – vielleicht aber auch nicht: Vergangene Woche hat Goldberg ihren Kollegen ihren vorzeitigen Abschied aus der Weltbank mitgeteilt, Anfang März will sie wieder an der Universität Yale forschen. „Es war eine schwierige Entscheidung, aber ich fand, dass jetzt die richtige Zeit für meine Rückkehr ist“, schreibt sie in der Mail, die der F.A.S. vorliegt. Das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ spekuliert, die beiden Vorgänge könnten zusammenhängen.

          Davon ist in der Weltbank nicht jeder überzeugt: Dass ein Chefökonom wegen einer einzelnen Studie gehe, sei eine steile These. Vielleicht hänge alles auch mit internen Neuorganisationen zusammen. Sicher ist nach F.A.S.-Informationen aber, dass der Streit um die Studie innerhalb der Bank größere Kreise gezogen hat. Sicher ist auch, dass Weltbank-Chef David Malpass sie mit den Worten verabschiedet: „Ich habe Pennys intellektuelle Strenge und Neugier geschätzt.“

          Warum genau sie sich zum Abschied entschlossen hat, weiß nur Penny Goldberg selbst – und sie verweist darauf, dass sie als Mitarbeiterin der Weltbank zum Schweigen verpflichtet sei.

          Schon Paul Romer hatte Probleme

          Jedenfalls ist Goldberg nicht die erste Chefökonomin, die Probleme mit der Weltbank-Kultur bekommt. Ihr direkter Vorgänger Paul Romer hatte die Weltbank ebenfalls nach nur 15 Monaten verlassen.

          Er hatte versucht, den Berichten der Weltbank mehr Relevanz einzuhauchen: Dazu verwies er auf Zählungen, dass kaum jemand das Wort „und“ so oft benutzte wie die Weltbank, und sah das als Symptom einer mangelnden Priorisierung: Viel zu oft beschränkten sich die Entwicklungshelfer darauf, dass es eben viele Gründe gebe oder dass eben vieles wichtig sei. Bald wurde Romer vorgeworfen, er sei nicht diplomatisch genug. Nur wenige Monate nach seinem Abgang bekam Romer 2018 den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.

          Weitere Themen

          Trockenheit bedroht die Ernten Video-Seite öffnen

          Landwirtschaft in Belgien : Trockenheit bedroht die Ernten

          Die Trockenheit macht derzeit den Landwirten in Belgien zu schaffen. Noch nie in den letzten 120 Jahren hat es dort im Mai so wenig geregnet, wie in diesem Jahr. Viele Bauern fürchten um ihre Ernten, Joel van Coppenolle ist einer von ihnen.

          Topmeldungen

          Corona und Polizeigewalt : Die Schwarzen fallen weiter zurück

          Die Pandemie und die Polizei-Gewalt werfen ein Schlaglicht auf die oft prekäre Lage der Minderheit. Afroamerikaner sind in Amerika finanziell und gesundheitlich schlechter gestellt. Und die Unruhen könnten den Trend zur Stadtflucht verstärken.
          Das Iduna-Zentrum im Zentrum Göttingens

          Hotspots im Norden : „Ein katastrophales Verhalten“

          Die Göttinger Behörden bemühen sich um eine Eindämmung des Infektionsgeschehens und drohen mit „geschlossenen Einrichtungen“. Von den „Evangeliums-Christen“ in Bremerhaven scheinen Spuren derweil nach Frankfurt zu führen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.