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Paypal-Chef im Gespräch : Beschleunigt die Krise den Niedergang des Bargelds?

Gezahlt wird am besten kontaktlos: Kundin und Kassierer in einer Ikea-Filiale in Wien. Bild: dpa

In der Corona-Pandemie versuchen viele Menschen, aus Angst vor einer Infektion das Berühren von Dingen zu vermeiden. Das hat immense Konsequenzen – auch beim Bezahlen. Das freut den Paypal-Chef.

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          Dan Schulman öffnete kürzlich bei sich zu Hause eine Schublade, und darin lag ein Zehn-Dollar-Schein. Das wäre eigentlich nicht sonderlich bemerkenswert, aber ihn brachte es zum Nachdenken. Es erinnerte ihn daran, wie selten er noch mit Bargeld in Berührung kommt. Er sagt, er habe üblicherweise keinerlei Scheine oder Münzen bei sich. Und registriere auch in seinem Umfeld eine schwindende Bedeutung von Bargeld. Ein Freund habe ihm erzählt, er habe seinem Kind zur Belohnung zwanzig Dollar gegeben – und Verwunderung geerntet, warum er das bar und nicht auf elektronischem Weg getan habe.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Als Vorstandschef von Paypal, einem Anbieter diverser Bezahldienstleistungen, hat Schulman großes Interesse daran, solche Geschichten zu erzählen. Wenn die Menschen anders als in bar bezahlen, hat sein Unternehmen Chancen, an Einkäufen mitzuverdienen. Bargeld hat sich freilich als recht beständige Bezahlungsform herausgestellt, gerade in Deutschland. Hierzulande werden nach jüngsten Erhebungen der Bundesbank noch immer mehr als 70 Prozent der Transaktionen in bar abgewickelt, wenn auch mit sinkender Tendenz.

          Die Corona-Pandemie hat die Ausgangslage jedoch verändert. Nicht nur wird jetzt mehr im Internet eingekauft. Auch in der Offline-Welt versuchen viele Menschen, aus Angst vor einer Infektion das Berühren von Dingen zu vermeiden, mit denen womöglich andere kurz vorher in Kontakt waren. Das gilt nicht nur für Bargeld, sondern auch für das Kreditkartenterminal an der Kasse, dessen Tastatur und Stift zum Unterschreiben nun auf einmal als Gefahrenquelle wahrgenommen werden.

          „Dies ist ein fundamentaler Wandel“

          Daher sieht Schulman die Zeit gekommen, in der von immer mehr Verbrauchern der Nutzen von kontaktlosem Bezahlen erkannt wird. Zuvor hatten fast nur Unternehmen aus der Finanz- und Technologiebranche davon geschwärmt. Nach seiner Auffassung vollzieht sich nun eine Entwicklung, die ansonsten drei bis fünf Jahre in Anspruch genommen hätte, binnen Monaten, und er hält sie für unumkehrbar.

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          „Dies ist ein fundamentaler Wandel“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z.. Digitale Bezahldienste würden so von einem „Nice-to-have“, also einer netten Sache, zu einem „Must-have“, einer Notwendigkeit. Und Paypal sieht sich dafür bestens aufgestellt: „Unsere Produkte sind relevanter, als sie das jemals waren.“

          Der Anbieter blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, mit der illustre Namen verbunden sind. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und hieß zunächst Confinity, unter den Gründern war Peter Thiel, der deutschstämmige Unternehmer und Investor, der sich auch als einer der ersten Geldgeber des sozialen Netzwerks Facebook einen Namen machte.

          Confinity verschmolz bald mit einem anderen Unternehmen, das von Elon Musk mitgegründet wurde, dem heutigen Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X. Thiel und Musk zählen zur sogenannten „Paypal Mafia“, einem in der Technologiebranche geläufigen Begriff, mit dem die einstigen Führungsfiguren aus den frühen Tagen des Bezahldienstes gemeint sind, die später auch mit anderen Projekten von sich reden machten.

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