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Paypal-Chef im Gespräch : Beschleunigt die Krise den Niedergang des Bargelds?

Wandel zum Finanzdienstleister

Das in Paypal umbenannte Unternehmen ging 2002 an die Börse und wurde noch im gleichen Jahr für 1,5 Milliarden Dollar an das Online-Auktionshaus Ebay verkauft. Paypal war dann lange als Anhängsel von Ebay bekannt, über das die dortigen Transaktionen abgewickelt wurden. Allmählich wurde der Bezahldienst aber zu einer wichtigen Säule im Konzern. 2015 spaltete sich Ebay auf, Paypal wurde zu einer separaten börsennotierten Gesellschaft, und Schulman, der vom Kreditkartenanbieter American Express angeheuert wurde, übernahm dort den Chefsessel. Die beiden Unternehmen haben sich seither auseinanderentwickelt. Laut Schulman entfallen heute nur noch sieben bis acht Prozent von Paypals Zahlungsvolumen auf Ebay-Transaktionen. Nach der Abspaltung seien es noch mehr als 20 Prozent gewesen. Und der Bezahldienst wird heute an der Börse mit fast 170 Milliarden Dollar bewertet, während der frühere Mutterkonzern nur auf rund 30 Milliarden Dollar kommt.

Paypal ist heute viel mehr als ein Vehikel, um Online-Einkäufe auf Ebay oder anderswo zu bezahlen. Das Unternehmen hat auch eine Reihe von Diensten für den Offline-Handel in stationären Geschäften, zum Beispiel für kontaktloses Bezahlen über einen sogenannten QR-Code auf dem Smartphone. Es hat verschiedene Plattformen, über die sich Menschen untereinander Geld schicken können, zum Beispiel um eine gemeinsame Rechnung im Restaurant zu begleichen.

Paypal vergibt sogar Kredite und hat gerade auch beim Verteilen von Corona-Finanzhilfen der amerikanischen Regierung an Verbraucher und kleine Unternehmen geholfen. Um den Aktionsradius auszuweiten, hat Schulman in den vergangenen Jahren viel auf Bündnisse mit anderen Finanzdienstleistern wie Mastercard oder JP Morgan gesetzt und damit potentielle Rivalitäten hintangestellt. Er hat auch rege zugekauft und beispielsweise vier Milliarden Dollar für Honey bezahlt, einen Spezialisten für Online-Rabatte. Schulman sieht Paypals Größe und die breite Aufstellung als erheblichen Wettbewerbsvorteil. Allein schon deshalb, weil Paypal so über große Mengen an Daten verfüge, die es erleichterten, betrügerische Transaktionen zu erkennen. „Die Leute haben viel Vertrauen in unsere Marke“, sagt er.

Paypal-Chef Dan Schulman.
Paypal-Chef Dan Schulman. : Bild: AFP

Die Corona-Krise hat gegenläufige Effekte. Einerseits leidet das Geschäft von Paypal, weil Partner wie der Fahrdienst Uber, der Zimmervermittler Airbnb oder der Konzertveranstalter Live Nation drastische Umsatzrückgänge verzeichnen und somit Paypal weniger an deren Transaktionen mitverdienen kann. Dem steht aber ein rasanter Anstieg der Nutzerzahlen gegenüber. Das Unternehmen sagt, es habe im April so viele neue Nutzer gewonnen wie noch nie, und am 1. Mai habe es die meisten Transaktionen in seiner Geschichte abgewickelt. Gerade viele ältere Menschen verwendeten in diesen Tagen zum ersten Mal digitale Paypal-Dienste. Und Plattformen zum gegenseitigen Versenden von Geld wie Venmo würden für immer mehr Dinge genutzt. Etwa um Online-Yogakurse zu bezahlen oder um an wohltätige Einrichtungen zu spenden.

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