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Paul Volcker : Zentralbanker mit Heldenstatus

Bild: Matthias Lüdecke

Als Paul Volcker 1979 Chef der amerikanischen Zentralbank wurde, lag die Inflationsrate bei 13 Prozent. Seine Schocktherapie half. Ein Nachruf.

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          Wenn jemand den Titel „Sieger über die Inflation“ verdient hat, dann Paul Volcker, der langjährige Chef der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve. Im Jahr 1979 hatte ihn der amerikanische Präsident Jimmy Carter zum Chef der Fed gemacht. Volcker verordnete der amerikanischen Volkswirtschaft eine Schocktherapie. Die Inflationsrate hatte in jenem Jahr 13 Prozent erreicht bei Leitzinsen um die elf Prozent. Volcker und seine Kollegen in der Fed erhöhten die Leitzinsen auf heute unvorstellbare 20 Prozent und nahmen dafür eine schwere Wirtschaftskrise in Kauf. Die Arbeitslosenquote kletterte auf mehr als zehn Prozent. Millionen Amerikaner verloren ihre Arbeitsplätze. Die Geldpolitik führte zu schweren Protesten, weil sich in Folge hoher Zinsen die Kredite verteuerten. Vor allem Bauunternehmen, Immobilienbesitzer und Landwirte litten unter der restriktiven Geldpolitik. Bauern blockierten mit Treckern die Hauptstadt Washington, um gegen Volcker zu demonstrieren. Verzweifelte Hausbesitzer schickten Kanthölzer an die Fed.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Volcker obsiegte an der Inflationsfront. Im Jahr 1982 sank die Inflation auf sechs Prozent, 1983 halbierte sie sich noch einmal. Der hochgewachsene, knorrige Mann hatte sich durchgesetzt. Dabei waren die politische Widerstände auch damals nicht gering. Im Kongress kursierten Überlegungen, die Unabhängigkeit der Zentralbank einzuschränken, um ein vergleichbares „Blutbad“, so die damalige Wortwahl, zu verhindern. Auch aus dem Weißen Haus, in dem damals Ronald Reagan regierte, kam scharfe Kritik. In seinen jüngst erschienenen Memoiren offenbarte Volcker, dass Reagan ihn ins Weiße Haus beorderte, wo ihn Stabschef James Baker in Anwesenheit des Präsidenten davor warnte, vor den Präsidentschaftswahlen 1984 die Leitzinsen anzuheben. Er habe das gar nicht vorgehabt, schreibt Volcker in seiner Biografie. Er sei aber damals sehr verwundert gewesen, über die offenkundige Verletzung der Unabhängigkeit der Zentralbank.

          Konsequenterweise gehörte Volcker auch zu den vier lebenden ehemaligen Chefs der Federal Reserve, die in einem Meinungsbeitrag für das Wall Street Journal vor der Unterminierung der Unabhängigkeit der Zentralbank gewarnt haben. Der Beitrag zielte auf die unaufhörlichen Attacken gegen die Federal Reserve-Führung durch Präsident Donald Trump. Es sei im besten Interesse des Landes, wenn Zentralbanker unabhängig entscheiden könnten. Sie könnten nicht frei unter der Drohung entscheiden, dass sie entlassen oder degradiert würden. Entsprechende Spekulationen hatte das Weiße Haus gegen den aktuellen Fed-Chef Jay Powell lanciert.

          Seine für amerikanische Verhältnisse große Sorge vor den Wirkungen der Inflation hatte er einmal mit einer Anekdote erklärt. Seine älteren Schwestern hatten 25 Dollar Taschengeld im Monat bekommen, er sollte die gleiche Summe bekommen und protestierte vergeblich gegen die Entscheidung seiner Mutter. Als sich Amerikas Wirtschaft unter Reagan von dem Schock erholt hatte, erlangte Volcker Heldenstatus. Reagan verlängerte seinen Vertrag bis 1987.

          In der Krise holte ihn die amerikanische Regierung zurück, um an der Finanzregulierung mitzuwirken. Er schlug vor, dass Investmentbanken nicht mehr auf eigene Kosten spekulieren sollten in Feldern, in denen sie auch für die Kunden handelten. Doch die „Volcker Rule“, die noch Teil der Finanzregulierungs-Gesetzgebung war, ist inzwischen deutlich abgeschwächt. Volcker hat das auf den Einfluss von Lobbyisten in Washington zurückgeführt, deren Millionen niemand auf Dauer widerstehen könne.

          Der langjährige Staatsdiener fürchtete in seinen letzten Lebensjahren, die Vereinigten Staaten würden in eine Plutokratie abgleiten, in der reiche Personen den größten Einfluss hätten. Volcker ist am Sonntag im Alter von 92 Jahren gestorben.

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