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Paul Achleitner, Finanzvorstand der Allianz : „Vorhandene Garantien so effektiv wie möglich einsetzen“

  • Aktualisiert am

Paul Achleitner Bild: Roeder, Jan

Eine Versicherungslösung verwendet in der Schuldenkrise nur die 780 Milliarden Euro, die für die EFSF bewilligt sind. Weiteres Geld soll von Privatinvestoren kommen und nicht vom Steuerzahler.

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          Herr Achleitner, vergangene Woche hat die Slowakei die Erweiterung des Rettungsfonds EFSF beschlossen. Ein gutes Signal für die Kapitalmärkte?

          Ja. Hier kann man nur den Hut ziehen vor der slowakischen Regierungschefin, die auf ihr Amt zugunsten der europäischen Sache verzichtet. Es wäre ein extrem schlimmes Signal gewesen, wenn es nicht gelungen wäre, den Fonds aufzubauen. Jetzt haben wir ihn, und die Frage stellt sich, wie wir ihn am effektivsten einsetzen können.

          Welche Gefahr hätte bestanden, wenn er nicht gekommen wäre?

          Ein Wegbrechen des Marktes für Euro-Staatsanleihen. Sehr viele Staats-Refinanzierungen erfolgen heute nur mit Unterstützung der Europäischen Zentralbank. Das können wir nicht durchhalten. Deshalb müssen wir alle ein Interesse daran haben, dass Märkte - also Privatinvestoren - wieder in Staatsanleihen investieren. Wenn der Fonds richtig eingesetzt wird, ermöglicht er den betroffenen Ländern wieder Zugang zum Kapitalmarkt.

          Finanzminister Schäuble hat eine Banklizenz für die EFSF ausgeschlossen. Sind Sie darüber erleichtert?

          Ja. Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie man die EFSF einsetzt. Eine Gelddruckmaschine erscheint mir nicht optimal.

           Warum warnen Sie davor, mit einem Hebel das Volumen auszudehnen?

          Wir müssen die vorhandenen Garantien so effektiv wie möglich einsetzen. Aktuell muss man für jeden Euro, den man als Kredit vergibt, 1,70 Euro Garantien einsetzen. Verwendet man die 780 Milliarden Euro des Fonds für Kredite, kann man also nur 440 Milliarden Euro ausgeben. Das reicht nicht aus, wenn alle betroffenen Staaten bedient werden sollen. Einige Vorschläge sehen vor, dieses Kapital mit Fremdkapital zu hebeln. Das halte ich nicht für klug.

          Wo sollte die rote Linie sein?

          Wir dürfen den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben. Es wäre schon ironisch, wenn wir zwar einen übermäßigen Kredithebel (Leverage) als Ursache des Problems erkannt haben, jetzt aber genau diesen Kredithebel einsetzen wollen, um das Problem zu beheben. Wir sollten den bestehenden Fonds vernünftig einsetzen und nicht durch strukturierte Produkte die Mittel ausweiten.

          Warum ist der Vorschlag der Allianz, eine Versicherung für Anleihen zu schaffen, solchen Ideen überlegen?

          Die Versicherungslösung hat den Vorteil, dass sie nur das Geld verwendet, das bereits bewilligt ist. Politisch ist entschieden, dass nicht mehr als 780 Milliarden Euro eingesetzt werden können. Gibt man die Garantie als Versicherung aus, kann man theoretisch volle 780 Milliarden einsetzen. Wenn es dazu dann gelingt, die Anleiheversicherung passend auf die jeweiligen Länderrisiken zu dosieren, kann je EFSF-Euro bis zu 5 Euro als normale private Finanzierung aufgenommen werden - ohne zusätzlichen Leverage.

          Wie funktioniert das Modell?

          Die EFSF würde als Anleiheversicherer bei der Ausgabe von neuen Anleihen aus Problemländern fungieren. Sie versichert aber nur eine Risikotranche - also nicht 100 Prozent der Anleihe, sondern je nach Risiko zum Beispiel 20 Prozent. Dazu käme zunächst ein Selbstbehalt der privaten Investoren von beispielsweise 10 Prozent, die bei einer Zahlungsunfähigkeit ebenfalls Geld verlieren würden. Über die versicherten 20 Prozent hinaus kämen wieder die Privaten ins Spiel. Mit der Anleiheversicherung könnte man zum Beispiel für Spanien eine Finanzierung zu 4,5 statt 6 Prozent Zinsen sicherstellen. Die Versicherung müsste in der Anleihe integriert und nicht separat handelbar sein.

          Käme der Investor mit seinem Selbstbehalt nicht zu billig davon?

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