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Patente : Deutscher Erfindergeist ist hellwach

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Deutsche Erfindungen zum Anfassen und Anmelden Bild: dpa

Deutschland bleibt ein Land der Tüftler. Die meisten Patentanmeldungen gab es 2001 in Zukunftstechnologien.

          Deutschland ist ein Land der Tüftler und wird es wohl auch bleiben. Das Deutsche Patentamt legte am Dienstag erneut Rekordzahlen vor. 127.428 Patente wurden im letzten Jahr in Deutschland angemeldet. Damit wurde die Jahresmarke 2000 um 15 Prozent übersprungen.

          Besonders erfreulich: In zukunftsträchtigen Technologien wie Computer- und Halbleitertechnik sowie Biotechnologie und Gentechnik sind in den letzten Jahren Zuwächse von 100 Prozent zu verzeichnen.

          Deutschland holt auf

          „Im internationalen Wettbewerb wurde hier aufgeholt, und es geht weiter aufwärts“, prognostiziert Patentamtspräsident Jürgen Schade gegenüber FAZ.NET. Er gibt sich optimistisch für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland und nennt ein positives Beispiel aus der Halbleiterbranche: „Infineon und Siemens haben in die Halbleitertechnik intensiv investiert, indem sie unter anderem Werke gebaut haben, in denen sie diese Hochleistungschips herstellen.“ Siemens ist mit knapp 2.000 direkt beim Münchner Patentamt angemeldeten Erfindungen der größte Patentanmelder in Deutschland. Das Unternehmen hat zusätzlich 1.300 Erfindungen beim Europäischen Patentamt angemeldet.

          Anschluss gefunden

          Deutschland braucht sich in Technologiebranchen hinter anderen Ländern nicht mehr zu verstecken. Das Niveau gleicht sich nach Meinung von Patentamtspräsident Schade dem der führenden Ländern an. „Die Schere, die zwischen anderen Ländern und Deutschland in diesen Technologien entstanden war, wird mittlerweile kleiner“, schätzt Schade. Japan und USA sind allerdings nach wie vor die Marktführer in den zukunftsträchtigen Technologien. Beide Länder weisen deutlich höhere Zahlen für Patentanmeldungen vor als Deutschland. Japanische Erfinder meldeten in ihrem Land knapp achtmal so viele Patente an wie deutsche Innovative.

          Anmeldeflut in Japan

          Generell ist ein Vergleich der Patentanmeldungszahlen zwischen den einzelnen Ländern allerdings sehr schwierig. „Die Japaner haben immer gigantische Zahlen. Die stellen sogar die Zahlen der USA in den Schatten.“ Schade macht dafür die „japanische Tradition der Patentanmeldungen“ verantwortlich. In Japan war in früheren Zeiten vorgeschrieben, dass für jede Erfindung eine Patentanmeldung beantragt werden muss. „Heute sind die gesetzlichen Grundlagen in Japan zwar anders, aber sie halten an dieser Tradition fest“, sagt Schade.

          Dadurch kommen diese hohen Zahlen zu Stande. In Japan wurden Arbeitnehmer belohnt, wenn aufgrund ihrer Arbeit ein Patent angemeldet werden konnte. In USA und Deutschland werden mehrere Erfindungen in einer Anmeldung zusammengefasst. Genau dies macht auch ein japanisches Unternehmen, wenn es in Deutschland ein Patent anmelden will.

          Unterschiedliche Patentqualität

          „Daraus kann man vorsichtig den Schluss ziehen, dass zum Beispiel das Patent eines amerikanischen Unternehmen breitere Substanz hat“, analysiert Schade. In den Vereinigten Staaten werden aber wiederum aus anderen Gründen mehr Patente angemeldet als in Deutschland. Die Amerikaner fahren bei vielen Erfindungen eine „Sicherheitsstrategie“. Um vor Patentschutzprozessen verschont zu bleiben, wird prophylaktisch alles patentiert, was möglich ist.

          Die amerikanische Zahl für Patentanmeldungen ist noch aus einem anderen Grund höher als die Deutsche. In den Vereinigten Staaten können Software als solche und Geschäftsmethoden patentiert werden. Nach deutschem Patentrecht sind diese ausgeschlossen. „Das treibt auch die Zahlen der USA hoch“, sagt Schade.

          Unvergleichbar innovativ

          Ein Vergleich zwischen USA, Japan und Deutschland relativiert sich also, wenn diese Faktoren mit einberechnet werden. Deutschland behält aber weiterhin die dritte Position, die USA stehen bei den Patentanmeldungen an der Spitze. Nach Meinung Schades zurecht: „Sie sind das größte und wirtschaftlich stärkste Land und haben deshalb ein riesigen Entwicklungs- und Erfindungsbereich. Die sind uns sicher voraus.“

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