https://www.faz.net/-gqe-aajo2

Partnerland der Hannover Messe : Indonesiens große Pläne

Indonesiens Präsident Joko Widodo besucht ein Hilfszentrum nach einem Zyklon. Bild: AFP

Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt und die drittgrößte Demokratie. Das Land schiebt sich immer stärker in den Vordergrund und setzt auf solide Finanzen und Rohstoffe für begehrte Batterien.

          4 Min.

          Indonesien auf allen Kanälen. Ob als Vermittler im Myanmar-Konflikt, als Reformer der eigenen Wirtschaft, als Lieferant begehrter Batterierohstoffe oder Partner der Hannover Messe in diesem Jahr und noch einmal 2023: in den vergangenen Wochen hat sich die drittgrößte Demokratie der Erde in den Vordergrund geschoben. Zwar wird Indonesien, obwohl einziges G-20-Land Südostasiens, als ausgleichender Faktor im geostrategischen Ringen mit Peking weiterhin unterschätzt. Die wirtschaftlichen Chancen, die es bietet, aber erscheinen allmählich klarer. „Wir reformieren uns wirklich tiefgehend, wir ändern den Weg, wie wir Geschäfte machen, von Grund auf“, verspricht Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati.

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Die frühere Weltbankerin ist das Gesicht eines besseren Indonesiens. Das soll durch einen Staatsfonds, die Verarbeitung eigener Bodenschätze und eine effizientere Verwaltung vorangebracht werden. Um die 5 Prozent Wachstum erwartet die größte Volkswirtschaft Südostasiens in diesem Jahr. Der Wert hört sich besser an, als er ist: Trotz des Nachholbedarfs nach Corona wächst das mit gut 270 Millionen Menschen viertgrößte Land der Erde nur in etwa so schnell, wie es seinem Potential entspricht. „Wir sind vorsichtig optimistisch. Jetzt reformieren wir den Ausbildungssektor und das soziale Netzwerk und verbessern das Investitionsklima“, verspricht Sri Mulyani.

          Präsident Joko Widodo, der die digitale Hannover Messe gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Siegfried Russwurm, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), eröffnet, schwebt mehr vor: Bis zum Jahr 2045 soll das Land der 17.000 Inseln zur fünftgrößten Wirtschaftsnation der Welt heranwachsen. Neu sind solche Versprechen aus Jakarta nicht. Bislang aber haperte es immer an deren Umsetzung.

          Staatsfonds mit arabischer Hilfe

          Allerdings hat die Regierung in den vergangenen Monaten Flagge gezeigt. Das „Omnibusgesetz“, ein Paket von Reformen, insbesondere des Arbeitsrechts und der Genehmigungsverfahren, wurde im Oktober gegen Proteste durchgedrückt. Sektoren wie Bau, Telekommunikation, Transport und Energie wurden für Auslandsinvestoren geöffnet.

          Auch zeigt sich Sri Mulyani als gute Haushälterin: Zwar riss sie während Corona die Defizitobergrenze von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung – nach 6,2 Prozent 2020 soll es in diesem Jahr aber auf 5,7 Prozent fallen. „Wir werden die Einnahme- und die Ausgabenseite sehr genau beobachten, um glaubhaft zu bleiben und 2023 wieder bei unserer Obergrenze von 3 Prozent zu sein“, verspricht die Ökonomin.

          In dieses Bild einer verantwortungsvollen Politik passt ein Staatsfonds, die Indonesia Investment Authority (INA). Angeschoben wurde er mit 15 Billionen Rupiah (861,6 Millionen Euro), die Ende dieses Jahres um weitere 60 Billionen Rupiah aufgestockt werden sollen. Wichtiger aber: Mit einer Summe von 10 Milliarden Dollar wollen die Vereinigten Arabischen Emirate den Staatsfonds des größten muslimischen Landes der Erde anfeuern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat von CDU/CSU, im Interview mit der F.A.Z.

          F.A.Z. exklusiv : Laschet stellt klar: Mein Platz ist in Berlin

          Der Unions-Kanzlerkandidat besteht nicht auf einer „Rückfahrkarte nach Düsseldorf“. Im Interview mit der F.A.Z. legt sich Armin Laschet fest: Nach der Bundestagswahl geht es nach Berlin – ob als Kanzler oder nicht.
          Der deutsche Export boomt.

          Deutsche Industrie : Auf dem Weg in den Post-Corona-Boom

          Deutsche Autos und Maschinen sind wieder gefragt. Die Produktionserwartungen sind so gut wie seit 30 Jahren nicht. Doch Lieferengpässe bleiben ein Problem – vielleicht sogar länger als gedacht.

          Schwerpunktviertel Chorweiler : Wenn der Impfbus kommt

          Metin Yilmaz und seine Nachbarn im Hochhausviertel Chorweiler sind stärker gefährdet, sich mit Corona anzustecken. Die Stadt Köln hat deshalb die Impfreihenfolge aufgehoben. Ein Besuch bei der einmaligen Impfaktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.