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Parkplatzmangel für Flugzeuge : Lufthansa-Flugbegleiter beenden ersten Streiktag

  • Aktualisiert am
Abgelegt: Nach der Streik-Abschlusskundgebung haben die Flugbegleiter ihre  Streikwesten auf einen Haufen geworfen.
          2 Min.

          Die Stewardessen und Stewards der Lufthansa hatten von 5 bis 13 Uhr am Frankfurter Flughafen die Arbeit niedergelegt und für zahlreiche Flugausfälle gesorgt. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO hat den Ausstand inzwischen wie angekündigt beendet. Ein UFO-Sprecher sagte: „Das war ein Riesenerfolg, auch wenn es uns für die Passagiere und die Kollegen am Boden leidtut. Aber das muss jetzt sein.“

          Bei der Lufthansa fielen nach Unternehmensangaben ein Großteil der Kurz- und Mittelstrecken sowie vereinzelt Langstreckenflüge aus. Der Flughafenbetreiber musste auf die Bremse treten und für gut 90 Minuten alle Starts von einem deutschen oder einem europäischen Flughafen mit Zielort Frankfurt stoppen. Wegen des Ausstands seien die Parkpositionen auf dem Flughafen knapp geworden, sagte ein Sprecher des Flughafens.

          Am Mittag entspannte sich die Lage wieder etwas. Seit kurz vor 12 Uhr seien Starts Richtung Frankfurt wieder erlaubt, wenn auch in reduziertem Umfang, sagte der Fraport-Sprecher.

          Nach Ende des Streiks bei der Lufthansa um 13 Uhr dürfte sich die Lage weiter normalisieren. Die Lufthansa hat ihre Gäste gebeten, sich über die Website www.lufthansa.com über den Status der eigenen Verbindung zu informieren. Der Ausstand war für die Lufthansa besonders schmerzhaft, weil er mit Frankfurt ihre Heimatbasis trifft.

          Am Vormittag: streikende Flugbegleiter auf dem Frankfurter Flughafen
          Am Vormittag: streikende Flugbegleiter auf dem Frankfurter Flughafen : Bild: dpa

          Gestreikt wurde am Freitag ausschließlich in Frankfurt. Aber durch den „Kaskaden-Effekt“ des verwobenen Flugplans würden nicht nur in Frankfurt, sondern auch an anderen Flughäfen manche Flüge ausfallen, betonte der Vorsitzende der UFO-Gewerkschaft Nicoley Baublies im Vorfeld. Ob auch am Wochenende gestreikt werde, sei noch offen.

          Bahn setzt wegen des Streiks mehr Züge ein

          Die Deutsche Bahn setzt wegen des Streiks am Freitagvormittag mehr Züge als sonst ein. Damit soll Passagieren, deren Flüge ausfallen, geholfen werden. Die Bahn habe mit der Lufthansa ein entsprechendes Kooperationsangebot „Good for Train“ abgeschlossen, teilte das Unternehmen in Berlin mit. Auf den Bahnhöfen werde zusätzliches Personal Fahrgäste informieren.

          Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO organisiert nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen, dem die Mitglieder schon vorab zugestimmt hatten. UFO hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt.

          Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken. Das Unternehmen wies die Darstellung der Gewerkschaft zurück, dass rund 2000 Flugbegleiter in die geplante interne Billigfluglinie mit schlechteren Tarifbedingungen verlagert werden sollten. Mindestens 800 der vorgesehenen Kräfte kämen von der Tochtergesellschaft Germanwings, in der vergleichbare Tarifbedingungen bereits gelten.

          Hintergrund: Die Flugbegleiter bei der Lufthansa

          Bei der Lufthansa Passage betreuen nach Gewerkschaftsangaben rund 19.000 Flugbegleiter die Passagiere. Das Unternehmen selbst spricht von 18.000 Flugbegleitern. Ihr Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage. Im Laufe eines Berufslebens steigen die Grundgehälter nach einer vielstufigen Tariftabelle auf bis zu 4000 Euro, für die zusätzlich mit Sicherheitsverantwortung ausgestatteten Purser (sind für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig) in der Endstufe auf bis zu 7000 Euro.

          Für verschiedene Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten abweichende Tarifbedingungen. Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt. Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein „angemessenes Körpergewicht“, wie Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt.
           

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