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Panama Papers : Die Steueroasen Ihrer Majestät

Die Kanzlei Mossack Fonseca in Panama soll hunderttausende Gesellschaften gegründet haben – noch bedeutender als Panama sind aber britische Überseegebiete als Steueroasen. Bild: Reuters

Die brisanten neuen Offshore-Dokumente stammen aus Panama. Doch sie zeigen: Weltmarktführer in Sachen Steueroasen ist jemand ganz anderes.

          7 Min.

          Das Hauptstädtchen namens Road Town zählt rund 9000 Einwohner, die Landfläche der Inselgruppe ist kleiner als das Stadtgebiet von Frankfurt, und das Netz an befestigten Straßen umfasst überschaubare 110 Kilometer: Die Britischen Jungferninseln mit ihren palmenbestandenen Sandstränden sind nur winzige Fleckchen Erde in der Karibik. Aber auf der Weltkarte des großen Geldes ist der Archipel ein Riese - die diskrete Steueroase ist Weltmarktführer im Geschäft mit Briefkastenfirmen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese seltsamen Unternehmen bestehen meist aus nicht viel mehr als einem Handelsregistereintrag und einer Postadresse. Konzerne zum Beispiel pumpen mit ihrer Hilfe Gewinne durch die Schlupflöcher des internationalen Steuerrechts - umstritten, aber häufig völlig legal. Viele Briefkastengesellschaften sind zudem so aufgebaut, dass ihre wahren Eigentümer anonym bleiben. Wer reich ist und sein Vermögen vor neugierigen Blicken oder dem Finanzamt verbergen will, weiß das zu schätzen. Kriminelle aus aller Herren Länder nutzen Briefkastenfirmen als Geldwaschanlagen für Korruptionsgelder und andere illegale Zahlungsströme.

          2 Millionen Briefkastenfirmen auf der Welt

          Wie wichtig die Britischen Jungferninseln im globalen Geschäft mit Briefkastenfirmen sind, haben zu Wochenbeginn die Enthüllungen eines internationalen Journalisten-Rechercheverbunds bestätigt: Den Medien wurden Dokumente von rund 214.000 Briefkastenfirmen zugespielt - und mehr als die Hälfte dieser Gesellschaften haben ihren Sitz auf den Jungferninseln. Die Dokumente stammen von der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, welche die Briefkastenfirmen im Kundenauftrag gegründet haben soll. Der Vorwurf: Die Kanzlei aus Panama habe ihren Klienten dadurch Steuerhinterziehung und Geldwäsche ermöglicht.

          Mossack Fonseca ist nur einer von vielen Dienstleistern der Offshore-Branche. In den veröffentlichten Dokumenten sollen die Namen von Politikern, Sportlern, reichen Privatleuten, Sportstars, Waffenhändlern und Betrügern auftauchen - darunter etwa Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin und international geächtete Geschäftsleute wie der Vetter des syrischen Diktators Baschar al Assad, der Fußballstar Lionel Messi und Funktionäre des von einem Korruptionsskandal erschütterten Weltfußballverbands Fifa.

          Zu unserer Themenseite Steuervermeidung geht es hier entlang.

          „Auf der Welt gibt es rund zwei Millionen Briefkastenfirmen, die aktiv genutzt werden“, sagt der Wirtschaftsanwalt Martin Kenney. „Eine halbe Million davon sind auf den Britischen Jungferninseln eingetragen.“ Deshalb ist auch Kenney mit seiner Kanzlei dort, denn er verdient sein Geld als eine Art Finanzdetektiv. Der Jurist ist ein Mann für die ganz großen Fälle: Im Auftrag der Gläubiger spürt er beispielsweise den verschwundenen Milliarden der amerikanischen Mega-Finanzgauner Allen Stanford und Bernard Madoff nach.

          Orte wie die Britischen Jungferninseln werden „Offshore-Finanzzentren“ genannt. Ihr gemeinsames Merkmal: Sie haben einen im Verhältnis zur eigenen Größe extrem überdimensionierten Finanzsektor, dessen Kunden ganz überwiegend keine Einheimischen sind. Eine Briefkastengesellschaft zu gründen ist nicht verboten. Es gibt legitime Gründe dafür, sie zu nutzen, das räumen auch die Gegner der Offshore-Branche ein.

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