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Delaware : Amerikas eigene Steueroase

Der Trick ist bekannt

„Steueroase“ ist ein Begriff, der in den vergangenen Tagen recht freihändig eingesetzt wurde. Delaware wehrt sich dagegen mit der Argumentation, dass Unternehmen hier Steuern zahlen müssen, auf dem Papier sogar mehr als in einigen anderen Bundesstaaten. Die Lage schien unübersichtlich, als sich 2012 die drei Wissenschaftler Scott Dyreng, Bradley Lindsey und Jacob Thornock darangemacht haben, die Frage abschließend zu klären mit einer Untersuchung, die den Titel trägt: „Exploring the Role Delaware Plays as a Domestic Tax Haven“. Welche Rolle spielt Delaware als heimische Steueroase? Eine ziemlich eindeutige, ist das Resultat. Die Verlagerung von rechtlichen Hauptsitzen nach Delaware mag der besonders wirtschaftsfreundlichen Rechtskultur des Bundesstaates geschuldet sein, die Ansiedlung von Tochtergesellschaften dagegen hat demzufolge steuerliche Gründe. Sie sparen nach Schätzung der Wissenschaftler bis 9,5 Milliarden Dollar, weil sie eine besondere Lücke nutzen.

Der Trick ist bekannt. Delaware verlangt zwar Unternehmensteuern, aber nicht auf alle Einkommensklassen: Erträge aus Patenten, Markenrechten oder anderen immateriellen Vermögenswerten sind steuerfrei. Das hat zahllose Firmen veranlasst, eine Tochtergesellschaft in Delaware zu gründen und ihr Markenrechte oder Patente zu übertragen. Für die Nutzung dieser immateriellen Rechte zahlt die Firma eine Lizenzgebühr, die ihren Gewinn und damit ihre Gewinnsteuern in einem anderen Bundesstaat schmälert.

Nachbar-Bundesstaaten wie Pennsylvania sind deshalb höchst verstimmt über Delawares Aktivitäten. Viele Ölförder-Unternehmen aus Pennsylvania scheinen die Möglichkeit zu nutzen. Die Form der Steuerreduzierung ist ärgerlich für Nachbarn, die ihrerseits mit Steuerrechtsänderungen dagegen arbeiten. Doch es handelt sich um eine ziemlich transparente Angelegenheit.

Keine Reaktion auf Klingeln

Die Panama-Papiere aber werfen das Schlaglicht auf ein anderes Phänomen, das der Briefkastenfirmen. Und hier spielen Delaware und speziell sein staatlicher Dienstleister eine wichtige Rolle. An kaum einem Ort der Welt ist es so einfach, ein Unternehmen rechtlich zu gründen. Die Regierungsabteilung für Firmengründungen, die 15 Stunden am Tag geöffnet hat, kennt mehrere Klassen: Es gibt den Ein-Stunden-Service, den Zwei-Stunden-Service oder den 24-Stunden-Service. Man muss nicht in Delaware wohnen, um dort eine Firma zu haben, ein Business-Agent kann damit betraut werden. Dieser Business Agent muss kein Mensch aus Fleisch und Blut sein, er kann ein Dienstleistungsunternehmen wie CT Wolter-Kluwer sein, das in Wilmington unter der berüchtigten Adresse 1209 North Orange Street zu finden ist und als Marktführer im Metier gilt. Hinter der Adresse verbirgt sich ein etwas heruntergekommenes ockerfarbenes Gebäude.

Auf das Klingeln des Reporters wird nicht reagiert, später taucht ein privater Sicherheitsmann auf, der aber kein Gespräch vermitteln kann. Die „New York Times“ berichtet, dass 285.000 Firmen 1209 North Orange Street als Adresse angeben. Wer hinter diesen Unternehmen steckt, ist nicht immer transparent. Die Namen der Eigentümer müssen nicht angegeben werden. Delawares Regierung sagt, dass aber die Direktoren des Unternehmens namentlich und mit Adresse genannt sein müssen. Das sind oft Rechtsanwälte, welche die Rolle des Direktors in zahllosen Firmen wahrnehmen. Viele bekannte Unternehmen nutzen die Adresse, aber auch echte Schurken wie ein gesuchter Waffenhändler und ein Betrüger haben sie verwendet für ihre Geschäfte.

Das Weiße Haus arbeitet jetzt an einer Regelung, die Banken und andere Finanzinstitutionen zwingt, die natürliche Person hinter jedem Konto zu identifizieren. Das könnte je nach Ausgestaltung Delawares Geschäfte trüben oder die anderer Steueroasen in den Vereinigten Staaten. Doch bisher sind vergleichbare Transparenzregeln stets am politischen Widerstand gescheitert.

Was heißt das für Diskretion suchende Unternehmer?

So muss es doch ein Hedgefonds-Unternehmer richten. Paul Singer, der Gründer von Elliott Management und Gläubiger von Argentinien-Anleihen, vermutete, dass Argentinien Millionen-Beträge in 123 Firmen versteckt, welche die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca in der aufstrebenden Steueroase Nevada gegründet hatte. Er erzwang vor einem Gericht in Nevada Informationen von den verdächtigen Firmen, wenn auch noch kein Geld. Doch er will weiter kämpfen.

Was heißt das für Diskretion suchende Unternehmer? Wenn Nevada nicht mehr sicher ist, dann kommt noch Wyoming in Frage, sagt Gründungs-Expertin Jennifer Reuting, der „versteckte Diamant“ unter Amerikas Steueroasen.

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