https://www.faz.net/-gqe-8fifm

Panama Papers : Zehntausende fordern Rücktritt von isländischem Regierungschef

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Islands Regierungschef soll eine Briefkastenfirma in einem Steuerparadies mitbesessen haben. Die Opposition hat einen Misstrauensantrag gestellt. Gunnlaugsson lehnt einen Rücktritt bisher ab.

          2 Min.

          Die isländische Opposition hat nach Enthüllungen über eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln einen Misstrauensantrag gegen den Regierungschef des Landes gestellt. Zuvor war der Name des liberalen Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson in Verbindung mit den Unterlagen aufgetaucht, über die unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte. Aus den „Panama Papers“ soll hervorgehen, dass etliche Prominente ihr Geld in Offshore-Firmen versteckt haben.

          Zehntausende Menschen zogen am Abend vor das Parlament in Reykjavik und forderten seinen Rücktritt. "Übernehmen Sie ihre Verantwortung", stand auf vielen Plakaten. Nach Angaben der Polizei protestierten am Montag mehr Menschen als nach dem Bekanntwerden der massiven Aufsichtspannen bei der schweren Bankenkrise 2009, die das Land kurz vor den Ruin getrieben hatte.

          Gunnlaugsson soll demnach im Herbst 2007 gemeinsam mit seiner späteren Frau Anteilseigner einer Firma namens Wintris Inc. auf den Britischen Jungferninseln geworden sein. Dorthin sollen Millionen Dollar geflossen sein, die Gunnlaugssons Partnerin von ihrem Vater geerbt hatte.

          Als er 2009 Parlamentsabgeordneter in Island wurde, hatte Gunnlaugsson die Firmenanteile nicht erwähnt. Ende des selben Jahres soll er seine 50 Prozent Anteile an der Firma für einen Dollar an seine Partnerin verkauft haben. Auf das Thema angesprochen, verließ der liberale Politiker eine am Sonntagabend im isländischen Fernsehen ausgestrahlte Sendung, die bereits am 11. März aufgenommen worden war.

          Ministerpräsident Sigmundur Gunnlaugsson am Montag im Parlament

          Am Montag entschuldigte er sich im Fernsehen dafür, sich bei dem Interview „furchtbar“ verhalten zu haben. „Natürlich wünschte ich, meiner Frau würde diese ausländische Firma nicht gehören.“  Er habe das Vermögen damals verheimlicht, damit der Reichtum seiner Frau im Wahlkampf nicht zum Thema werde, beteuerte er im Parlament.

          Die frühere isländische Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir erklärte, Gunnlaugsson sei es seinem Volk schuldig, sofort zurückzutreten. Eine Online-Petition für den Abgang des Regierungschefs in dem Land mit rund 330.000 Einwohnern sammelte Zehntausende Unterschriften. „Ich habe es nicht in Betracht gezogen, wegen dieser Sache zurückzutreten, und ich werde wegen dieser Sache nicht zurücktreten", sagte Gunnlaugsson am Montag dem isländischen TV-Sender Channel 2.

          Die globale Finanzkrise hatte das kleine Land ab 2008 hart getroffen. Die drei größten Banken waren zusammengebrochen. Auf die Sozialdemokratin Sigurdardottir war Gunnlaugsson 2013 als Chef einer Mitte-Rechts-Regierung gefolgt und hatte Einigungen zwischen den kollabierten Banken und ihren Gläubigern erreicht. Laut „SZ“ steht Wintris selbst auf der Gläubigerliste der Banken.

          Die Justiz ermittelt bislang nicht gegen Gunnlaugsson. Wann über den Misstrauensantrag der Opposition entschieden werden sollte, war zunächst nicht klar.

          Weitere Themen

          Lufthansa solle aufhören zu „zocken“ Video-Seite öffnen

          UFO stellt Ultimatum : Lufthansa solle aufhören zu „zocken“

          Die Kabinengewerkschaft UFO will den Arbeitskampf bei der Lufthansa wieder aufnehmen, sollte die Fluggesellschaft nicht zu Kompromissen bereit sein. Sollte Lufthansa weiter „zocken“, werde man sich schon in naher Zukunft auf erneute Streiks einstellen müssen.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.