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Panama Papers im Überblick : Lionel Messi, David Cameron und die Commerzbank

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Lionel Messi Bild: AP

Wer taucht in den Enthüllungen über Briefkastenfirmen auf? Ein Überblick über die wichtigsten Personen und Firmen.

          5 Min.

          Putins Vertraute

          Gleich mehrere Geschäftspartner und Freunde des russischen Präsidenten tauchen im Zusammenhang mit Briefkastenfirmen auf:

          Der ehemalige Medienberater Michail Lessin gehört ebenso dazu wie der ehemalige Präsidialverwaltungs-Manager Iwan Maljuschin sowie Ilja Klebanow, den Wladimir Putin nach seiner ersten Berufung zum Ministerpräsidenten zum Stellvertreter machte.

          Aus Putins privatem Umfeld tauchen die Brüder Boris und Arkadij Rotenberg auf, die Putin seit Teenager-Zeiten kennt – und der Cellist Sergej Roldugin, der als Putins bester Freund gilt. Von seinen Briefkastenfirmen sollen Millionen als niedrig verzinstes Darlehen an ein Ski-Resort geflossen sein, das Putin gerne besucht, kurz bevor Putins Tochter dort heiratete.

          Die Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im Parlament nannte die Information „eine von vielen Giftinjektionen in der Hoffnung, dass die Dosis irgendwann anschlägt“.

          Petro Poroschenko

          Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, soll während der Kämpfe in der Ukraine im Sommer 2014 die Gründung einer Briefkastenfirma beauftragt haben. Eine Finanzbehörde kündigte, dies zu überprüfen. Anwälte nehmen den ukrainischen Staatschef aber in Schutz. Es sei für Poroschenko rechtlich die einzige Möglichkeit gewesen, seinen Süßwarenkonzern Roshen einem Treuhänder zu übergeben. Auch in der neuen Firmenstruktur würden weiter Steuern in der Ukraine gezahlt. Die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls schon erklärt, nicht zu ermitteln.

          Banken

          Mehr als 500 Banken beziehungsweise deren Töchter haben laut dem Recherchenetzwerk ICIJ über die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca für ihre Kunden Briefkastenfirmen in Steueroasen registrieren lassen. Allein die HSBC bringt es demnach auf 2300 solcher Briefkastenfirmen, auch die Credit Suisse und die UBS aus der Schweiz, die Société Générale aus Frankreich und die isländische Landsbanki orderten laut ICIJ jeweils hunderte Briefkästen für ihre Kunden.

          Auch eine Reihe von deutschen Banken, die Kunden zu einer Briefkastenfirma verholfen haben. Die Geschäfte fielen auf, als Ermittler die Zentrale der Commerzbank durchsuchten: Mitarbeiter der Luxemburger Tochter standen im Verdacht, Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben – schon damals standen Briefkastenfirmen von Mossack Fonesca im Zentrum. Später zahlte nicht nur die Commerzbank eine Millionenstrafe, sondern auch die HSH Nordbank und die Hypovereinsbank. Die Deutsche Bank und die Hamburger Privatbank Berenberg haben nach Bekanntwerden des Berichts bestätigt, Kunden bei der Vermittlung von Briefkastenfirmen im Ausland geholfen zu haben. Zugleich betonten sie aber die Rechtmäßigkeit der Vorgänge.

          Islands Ministerpräsident

          Schon ein Jahr bevor in Island die Banken verstaatlicht wurden, gründete Sigmundur Gunnlaugsson gemeinsam mit seiner Partnerin und späteren Frau Anna Pálsdóttir eine Briefkastenfirma. Zwei Jahre später wurde er ins Parlament gewählt, gab aber seine Anteile an dieser Firma nicht an – nach eigenen Angaben, weil Firmen, die nicht wirklich Geschäfte machten, nicht meldepflichtig seien. Wenig später verkaufte Gunnlaugsson seine Anteile für einen Dollar an Pálsdóttir. Heute sagen beide: Die Firma habe von Anfang an ihr gehört und sei von ihr versteuert worden. Dass auch Gunnlaugsson eingetragen ist, sei ein Fehler der Bank gewesen. Mittlerweile ist der Ministerpräsident aber so stark unter Druck geraten, dass er Neuwahlen ermöglichen könnte.

          Lionel Messi

          Der Star-Fußballer kommt gerade ohnehin wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung vor Gericht. Auch in den Panama-Papers taucht er auf – wie die „Süddeutsche Zeitung“ meldet, mit einer bislang unbekannten Briefkastenfirma. Die Familie des Fußballers wies im Zusammenhang damit erhobene Vorwürfe als „falsch und beleidigend“ zurück.

          Der Fifa-Ethikkommissar

          Juan Pedro Damiani, Anwalt aus Uruguay, ist Mitglied der Fifa-Ethikkommission, die jetzt eine Voruntersuchung gegen ihn eingeleitet hat. Denn seine Anwaltskanzlei soll rund 400 Briefkastenfirmen betreuen – viele davon in Skandale verwickelt. Wegen laufender Ermittlungen wollte er sich nur begrenzt äußern. Die Briefkastenfirma-Kanzlei Mossack Fonseca erklärt in der „Süddeutschen Zeitung“, sie hätte nicht das geringste Anzeichen dafür, dass die von J. P. Damiani verwalteten Firmen mit irgendwelchen Unregelmäßigkeiten zu tun hätten. Der frühere Uefa-Boss Michel Platini soll sich 2007 mit der Bitte an Mossack Fonseca gewandt haben, eine Briefkastenfirma in Panama zu eröffnen. Er selbst betont nach dem Bericht, alle seine Vermögenswerte seien den Steuerbehörden bekannt. Laut seinem Sprecher zahlt der Franzose seine Steuern seit 2007 in der Schweiz. Dies habe er auch mehrfach den Journalisten mitgeteilt, die in der Sache recherchierten.

          Argentiniens Präsident

          Mauricio Macri war als Verwaltungsrat einer Briefkastenfirma in den Bahamas eingetragen, veröffentlichte das aber nicht. Sein Sprecher verweist gegenüber dem Journalisten-Konsortium ICIJ darauf, dass Macri keine direkten Kapitalanteile am Unternehmen hatte, sie gehöre nur zu seinem Familienunternehmen.

          Saudi-Arabiens König

          Ein Unternehmen auf den britischen Jungferninseln soll eine Yacht gehalten und Kredite für Luxusimmobilien in London aufgenommen haben – alle „in Beziehung zu“ König Salman, wie das Journalisten-Konsortium ICIJ berichtet. Salman nahm dazu nicht Stellung.

          Der Vater von Großbritanniens Premierminister

          Schon länger war bekannt, dass Steueroasen in der Familie des britischen Premierministers David Cameron eine Rolle spielten. Die neuen Papiere zeigen denn auch: Camerons Vater, der Aktienhändler Ian Cameron, hatte mit dem Unternehmen Blairmore Holdings in Panama zu tun, das Investoren mit seiner steuersparenden Konstruktion umwarb. Inzwischen hat Cameron zugegeben, dass auch er Anteile an einem von Mossack Fonseca gegründeten Investmentfonds hatte.

          Angehörige von Chinas Präsident

          Die Spuren führen auch ins familiäre Umfeld eines Staatsmanns, der sich besonders mit der Forderung nach Transparenz und Korruptionsbekämpfung profiliert: Chinas Präsident Xi Jinping soll laut dem Bericht Angehörige haben, die in Verbindung zu einschlägigen Briefkastenfirmen standen. Die chinesische Administration hat mittlerweile Berichterstattung über die Panama Papers verboten.

          Formel-1-Fahrer Nico Rosberg

          Nico Rosberg, der Führende der Formel-1-Weltmeisterschaft, bekommt sein Gehalt vom Mercedes-Rennstall „direkt nach Monaco bezahlt“. Das hat das Team mit Sitz im englischen Ort Brackley an diesem Dienstag gegenüber FAZ.NET klar gestellt. Zuvor hatten verschiedene Medien ausgehend von den „Panama Papers“ berichtet, der Rennstall habe einen Vertrag über Rosbergs „Fahrer-Dienste“ mit der Firma „Ambitious Group Limited“ abgeschlossen. Diese habe ihren Sitz auf den Britischen Jungferninseln, die im Besitz zweier Firmen sei, die auf der Kanalinseln Jersey ansässig seien, und werde von der Kanzlei Mossack Fonseca verwaltet. Das Mercedes-Team teilte mit, es habe bei einer Prüfung der Konstellation durch das interne „Compliance Management System“ keine Auffälligkeiten gegeben. Die „Ambitious Group Ltd.“ gehöre nicht zur Daimler AG und nicht zur Mercedes GP Ltd, dem Unternehmen, das den Rennstall betreibt.

          Frau des EU-Energiekommissars

          Von den Enthüllungen ist auch die Ehefrau von EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete aus Spanien betroffen. Canete hat laut einem Sprecher der Brüsseler Behörde EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker darüber informiert, sobald ihn Journalisten zu dem Fall befragt hätten. Den „Panama Papers“ zufolge hat Canetes Frau Micaela Domecq Solis-Beaumont Vollmacht über die Firma Rinconada Investments in Panama gehabt, die 2005 mit Hilfe der Kanzlei Mossack Fonseca gegründet wurde. Die Kanzlei hat den Angaben zufolge 2010 Rinconada als nicht mehr aktiv deklariert. Canete war von 1986 bis 1999 sowie 2014 Abgeordneter des EU-Parlaments, bevor er im Herbst 2014 zum EU-Kommissar für Klima- und Energiefragen berufen wurde. Zudem war er zweimal Landwirtschaftsminister in Spanien.

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