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Panama Papers im Überblick : Lionel Messi, David Cameron und die Commerzbank

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Der Fifa-Ethikkommissar

Juan Pedro Damiani, Anwalt aus Uruguay, ist Mitglied der Fifa-Ethikkommission, die jetzt eine Voruntersuchung gegen ihn eingeleitet hat. Denn seine Anwaltskanzlei soll rund 400 Briefkastenfirmen betreuen – viele davon in Skandale verwickelt. Wegen laufender Ermittlungen wollte er sich nur begrenzt äußern. Die Briefkastenfirma-Kanzlei Mossack Fonseca erklärt in der „Süddeutschen Zeitung“, sie hätte nicht das geringste Anzeichen dafür, dass die von J. P. Damiani verwalteten Firmen mit irgendwelchen Unregelmäßigkeiten zu tun hätten. Der frühere Uefa-Boss Michel Platini soll sich 2007 mit der Bitte an Mossack Fonseca gewandt haben, eine Briefkastenfirma in Panama zu eröffnen. Er selbst betont nach dem Bericht, alle seine Vermögenswerte seien den Steuerbehörden bekannt. Laut seinem Sprecher zahlt der Franzose seine Steuern seit 2007 in der Schweiz. Dies habe er auch mehrfach den Journalisten mitgeteilt, die in der Sache recherchierten.

Argentiniens Präsident

Mauricio Macri war als Verwaltungsrat einer Briefkastenfirma in den Bahamas eingetragen, veröffentlichte das aber nicht. Sein Sprecher verweist gegenüber dem Journalisten-Konsortium ICIJ darauf, dass Macri keine direkten Kapitalanteile am Unternehmen hatte, sie gehöre nur zu seinem Familienunternehmen.

Saudi-Arabiens König

Ein Unternehmen auf den britischen Jungferninseln soll eine Yacht gehalten und Kredite für Luxusimmobilien in London aufgenommen haben – alle „in Beziehung zu“ König Salman, wie das Journalisten-Konsortium ICIJ berichtet. Salman nahm dazu nicht Stellung.

Der Vater von Großbritanniens Premierminister

Schon länger war bekannt, dass Steueroasen in der Familie des britischen Premierministers David Cameron eine Rolle spielten. Die neuen Papiere zeigen denn auch: Camerons Vater, der Aktienhändler Ian Cameron, hatte mit dem Unternehmen Blairmore Holdings in Panama zu tun, das Investoren mit seiner steuersparenden Konstruktion umwarb. Inzwischen hat Cameron zugegeben, dass auch er Anteile an einem von Mossack Fonseca gegründeten Investmentfonds hatte.

Angehörige von Chinas Präsident

Die Spuren führen auch ins familiäre Umfeld eines Staatsmanns, der sich besonders mit der Forderung nach Transparenz und Korruptionsbekämpfung profiliert: Chinas Präsident Xi Jinping soll laut dem Bericht Angehörige haben, die in Verbindung zu einschlägigen Briefkastenfirmen standen. Die chinesische Administration hat mittlerweile Berichterstattung über die Panama Papers verboten.

Formel-1-Fahrer Nico Rosberg

Nico Rosberg, der Führende der Formel-1-Weltmeisterschaft, bekommt sein Gehalt vom Mercedes-Rennstall „direkt nach Monaco bezahlt“. Das hat das Team mit Sitz im englischen Ort Brackley an diesem Dienstag gegenüber FAZ.NET klar gestellt. Zuvor hatten verschiedene Medien ausgehend von den „Panama Papers“ berichtet, der Rennstall habe einen Vertrag über Rosbergs „Fahrer-Dienste“ mit der Firma „Ambitious Group Limited“ abgeschlossen. Diese habe ihren Sitz auf den Britischen Jungferninseln, die im Besitz zweier Firmen sei, die auf der Kanalinseln Jersey ansässig seien, und werde von der Kanzlei Mossack Fonseca verwaltet. Das Mercedes-Team teilte mit, es habe bei einer Prüfung der Konstellation durch das interne „Compliance Management System“ keine Auffälligkeiten gegeben. Die „Ambitious Group Ltd.“ gehöre nicht zur Daimler AG und nicht zur Mercedes GP Ltd, dem Unternehmen, das den Rennstall betreibt.

Frau des EU-Energiekommissars

Von den Enthüllungen ist auch die Ehefrau von EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete aus Spanien betroffen. Canete hat laut einem Sprecher der Brüsseler Behörde EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker darüber informiert, sobald ihn Journalisten zu dem Fall befragt hätten. Den „Panama Papers“ zufolge hat Canetes Frau Micaela Domecq Solis-Beaumont Vollmacht über die Firma Rinconada Investments in Panama gehabt, die 2005 mit Hilfe der Kanzlei Mossack Fonseca gegründet wurde. Die Kanzlei hat den Angaben zufolge 2010 Rinconada als nicht mehr aktiv deklariert. Canete war von 1986 bis 1999 sowie 2014 Abgeordneter des EU-Parlaments, bevor er im Herbst 2014 zum EU-Kommissar für Klima- und Energiefragen berufen wurde. Zudem war er zweimal Landwirtschaftsminister in Spanien.

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