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Panama Papers : Das Geschäft mit den Briefkastenfirmen

Vor der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama City Bild: AP

Im Mittelpunkt des Panama-Papers-Skandals steht die Kanzlei Mossack Fonseca. In wenigen Jahren soll die Kanzlei rund 140.000 Firmen gegründet haben. Die Übergänge zwischen legal und illegal sind fließend.

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          Die Kanzlei Mossack Fonseca steht unweigerlich im Rampenlicht. Sie ist zentrale Schaltstelle des anrollenden Skandals um kreative Steuergestaltung, nach und nach enthüllt durch die “Panama-Papers”. Doch wie so oft im Wirtschaftsstrafrecht sind die Übergänge zwischen legal und illegal fließend.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          Mossack und Fonseca präsentieren sich als umfassender Rechtsdienstleister für Geistiges Eigentum, Unternehmensrecht, Migrationsrecht, Telekommunikationsrecht und sie hilft ausweislich ihrer Website auch beim Registrieren von Yachten - und natürlich Steuerrecht. Tatsächlich taucht die Kanzlei mit Niederlassungen in 33 Ländern wiederholt im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung auf. Als Finanzbehörden aus Nordrhein-Westfalen etwa kürzlich in der Luxemburg-Affäre einen Datensatz kauften und die Commerzbank durchforsteten, stammten die Daten von der Mossack Fonseca Group. 140.000 Gesellschaften soll die Kanzlei laut “Panama-Papers” zwischen 2000 und 2014 gegründet haben.

          Gründer und Namensgeber der Kanzlei sind zwei Anwälte: Jürgen Mossack und Ramón Fonseca. Mossack wurde 1948 in Deutschland geboren. Schon in jungen Jahren wanderte er mit seiner Familie nach Panama aus, wo er ein Jura-Diplom erwarb.

          Mossacks Kanzleipartner Fonseca ist in Panama durchaus eine öffentliche Figur. Er trat in den vergangenen Jahren unter anderem als Berater des panamaischen Präsidenten Juan Carlos Varela in Erscheinung. Fonseca wurde 1952 geboren und studierte in Panama und an der renommierten London School of Economics. In einem Interview erzählte Fonseca einmal, dass er ursprünglich Priester werden wollte. Es kam dann aber anders: Mit Mossack gründete er vor mehr als drei Jahrzehnten die Finanzkanzlei, die sich dann in aller Diskretion einem Namen als kreativer Anbieter von Steuersparmodellen erwarb.

          Zunächst nutzte die Kanzlei die britischen Jungferninseln als Operationsbasis - eine britische Kolonie in der Karibik, die lange Zeit ein Steuerparadies war. Die Auswertung der "Panama Papers" ergab nach Angaben des ICIJ, dass mehr als die Hälfte der Briefkastenfirmen von Mossack Fonseca auf diesen Inseln gemeldet war. Als die Jungferninseln ihre Steuergesetzgebung verschärften, verlagerte sich der Schwerpunkt nach Panama.

          Im Zentrum der Vorwürfe steht die Gründung von Offshore-Gesellschaften - mutmaßlich mit dem Zweck der Steuerhinterziehung. “An der Gründung selbst ist nichts illegales”, stellt eine erfahrene Steueranwältin klar, die zur Schonung der Reputation ungenannt bleiben möchte. Dafür mag es alle möglichen, auch legalen Gründe geben. Große Konzerne verwenden Briefkastenfirmen und Gesellschaften auch auf transparente Art und ohne gegen Steuergesetze zu verstoßen. So haben etliche Gesellschaften ihren Sitz in Großkanzleien in Frankfurt am Main. Sie werden “auf Vorrat” gegründet - für den Fall, dass ein international handelndes Unternehmen eine Gesellschaft in Deutschland braucht, aber keine Zeit für die Gründungsbürokratie mitbringt. Das Panama-Modell sei in Deutschland freilich nicht möglich. Da stünde das deutsche Geldwäschegesetz vor.

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