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Anti-Korruptions-Gipfel : „Wir wollen unser Vermögen zurück“

Hat offenbar nicht gemerkt, dass Journalisten zuhören: Britanniens Premier Cameron spricht auf dem Empfang zu ihrem 90. Geburtstag mit der Queen. Bild: AFP

Regierungen aus aller Welt beraten in London über den Kampf gegen die Korruption. Kurz vor dem Treffen sieht sich Gastgeber David Cameron mit einer unerwarteten Forderung konfrontiert.

          Ein solches Gipfeltreffen hat es bisher noch nicht gegeben: Auf Einladung der britischen Regierung kommen am Donnerstag in London Regierungsvertreter aus aller Welt zusammen, um gemeinsam den Kampf gegen Korruption voranzutreiben. Mit von der Partie bei der hochkarätigen Zusammenkunft sind unter anderem Bundesjustizminister Heiko Maas, der amerikanische Außenminister John Kerry, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, und Weltbank-Präsident Jim Yong Kim.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch kurz vor dem Gipfel sorgt ausgerechnet der Gastgeber - Großbritanniens Premierminister David Cameron - für einen Eklat: Cameron sagte gegenüber der britischen Königin Elizabeth II, an dem Treffen nähmen „die Regierungschefs einiger sagenhaft korrupter Staaten“ teil. Explizit erwähnte Cameron gegenüber der Monarchin Afghanistan und Nigeria. Die unbedachten Äußerungen fielen auf einem Empfang zum 90. Geburtstag der Königin. Dem Regierungschef war dabei offenbar nicht bewusst, dass Kameras und Mikrofone von Journalisten auf ihn gerichtet waren.

          Am Mittwoch schoss Nigerias Staatspräsident Muhammadu Buhari zurück. Auf einer Konferenz in der britischen Hauptstadt im Vorfeld des Gipfels sagte Buhari an die Adresse seines Gastgebers: „Ich will keine Entschuldigung. Ich will, dass Nigeria Vermögenswerte zurückbekommt.“ Korruptionsexperten weisen schon lange darauf hin, dass die britische Hauptstadt und ihr Finanzplatz ein sicherer Hafen für schmutziges Geld aus aller Welt sei.

          Auch José Ugaz, der Chef der Organisation Transparency International (TI), kritisierte indirekt die Äußerungen Camerons: Die Komplizenschaft westlicher Staaten sei Teil des globalen Korruptionsproblems, sagte Ugaz in London. Nach Schätzungen von TI wurden in Nigeria Gelder in dreistelliger Milliardenhöhe illegal abgezweigt. „Wohin floss dieses Geld? Es floss in die Vereinigten Staaten oder nach Großbritannien“, sagte Ugaz.

          Vor allem der Markt für Londoner Luxusimmobilien gilt als Magnet für schmutziges Geld aus dem Ausland. Einer Studie zufolge sind in der britischen Hauptstadt 36.000 Immobilien auf intransparente Briefkastenfirmen in Offshore-Finanzzentren eingetragen, deren wahre Eigentümer häufig unbekannt sind. Zugleich zählen wichtige Offshore-Zentren wie die Britischen Jungferninseln, die Kaimaninseln und Jersey zum britischen Einflussbereich.

          Mit dem Gipfeltreffen am Donnerstag wollen die Briten nun im Kampf gegen Korruption und Geldwäsche in die Offensive gehen. Die kürzlich in die Öffentlichkeit gelangten Panama-Papiere über dubiose Geschäfte mit Briefkastenfirmen in Offshore-Zentren unterstreichen die Brisanz des Problems. Nach einer Untersuchung der Weltbank nutzen Kriminelle in 70 Prozent der Korruptionsfälle anonyme Briefkastenfirmen um ihre Machenschaften zu verschleiern.

          „Die Kriminellen gehen längst global vor“

          Die amerikanische Regierung könnte in London unter Druck geraten: „Ich bin sehr überrascht, wie wenig Führung die Vereinigten Staaten zeigen“, kritisierte der britisch-afrikanische Unternehmer und Mo Ibrahim am Mittwoch in der britischen Hauptstadt. Der Milliardär hat eine Stiftung gegründet, die dabei helfen will, die Regierungsführung in afrikanischen Ländern zu verbessern.

          Amerikanische Bundesstaaten wie Delaware, Nevada und Wyoming zählen wegen ihrer laxen Transparenz-Standards zu den beliebtesten Adressen auf der Welt für die Gründung von Briefkastenfirmen. Kritiker werfen der Regierung in Washington vor, wichtige internationale Initiativen zur Bekämpfung von Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu blockieren.

          Doch ohne eine länderübergreifende Zusammenarbeit - wie sie der Londoner Gipfel anstrebt -  seien die Politiker chancenlos, mahnte Ibrahim: „Die Kriminellen gehen längst global vor, während die Regierungen noch immer in ihren kleinen Silos sitzen.“

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