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Bestechungsvorwürfe : Panama-Papiere erschüttern Pakistan

Beteuert, seine Kinder hätten nichts Illegales getan: der Pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif Bild: AFP

Die wirtschaftliche Lage Pakistans stabilisiert sich gerade, da kommt heraus: Die Kinder von Ministerpräsident Sharif besaßen Millionenvermögen. Handelt es sich um Bestechungsgelder?

          Die Panama-Papiere werden zur ernsten Gefahr für die Regierung in Pakistan. Ministerpräsident Nawaz Sharif wird von der Opposition, aber auch von dem Militär immer stärker unter Druck gesetzt. Damit stehen auch die Befriedung und der Aufschwung, die das Land mit seinen 192 Millionen Einwohnern in den vergangenen Monaten durchlebt hat, in Frage.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Internationale Währungsfonds (IWF) erklärte gerade, Pakistans Wachstumsrate werde in diesem Jahr 4,5 Prozent erreichen. Das Land profitiert von seiner wachsenden Nähe zu China und von dessen Investitionen. Schrittweise verbessert sich die Anbindung an das Öl- und Gasnetz, was der Industrie hilft. Die Inflationsrate liegt nur noch bei 3,9 Prozent, das Pro-Kopf-Einkommen ist in Jahresfrist um fast 200 Dollar auf 1512 Dollar gestiegen. Damit bleibt es zwar weiter hinter den Möglichkeiten und den Vergleichsländern zurück, stabilisiert sich aber. Auch die Schuldenkrise hat die Regierung dank der wiederholten Hilfe aus dem Ausland zunächst abgewendet. Riesige Probleme aber bleiben: Die Menschen zahlen keine Steuern, Schulden und Zinsen lasten auf der Regierung, und die Versorgung mit dem Notwendigsten klemmt.

          Firmenvermögen von mindestens 25 Millionen Dollar

          Damit haben viele Pakistaner zu leben gelernt. Nun aber wurde in den Panama-Unterlagen ersichtlich, dass die Kinder Hassan, Hussain und Tochter Maryam des 2013 zum dritten Mal ins Amt gewählten Sharif, Firmen in der Steueroase British Virgin Islands besaßen, die ihrerseits Luxuswohnungen in London hielten. Diese wurden mit Hypotheken von fast 14 Millionen Dollar belastet. Den Papieren nach soll das Firmenvermögen bei mindestens 25 Millionen Dollar gelegen haben. Die Kinder von Sharif erklärten, ihr Geld stamme aus dem Verkauf von Familienbesitz in Saudi-Arabien. Im Land wird dagegen kolportiert, es handele sich um Bestechungsgelder. Gegen die in Pakistan wütende Korruption aber sprechen sich Sharif, seine Opponenten und auch das Militär vollmundig aus.

          Als ob sie gerade jetzt seine Sauberkeit unter Beweis stellen wollte, hat die Armee sechs Offiziere, einschließlich eines Generalleutnants, unterdessen wegen Bestechlichkeit entlassen. Immer wieder kreidet die Armeeführung die grassierende Korruption in der Politik an, übersieht normalerweise aber die eigenen Probleme. Durch die Entlassung nun erhöht Armeechef Raheel Sharif – nicht verwandt mit dem Ministerpräsidenten – für jeden im Lande erkennbar den Druck auf Nawaz Sharif. Der veröffentlichte seinerseits eine Erklärung, dass der Kampf mit den Extremisten in Pakistan nur gewonnen werden könne, wenn „die Gefahr der Korruption“ besiegt werde.

          Doch auch Oppositionsführer Imran Khan, ein früherer Cricketspieler mit dem Bekanntheitsgrad von Franz Beckenbauer in Deutschland, wittert seine Chance. Er spricht Sharif aufgrund der Nachrichten aus den Panama-Papieren die „moralische Autorität“ ab, das Land noch bis zum Ende seiner Legislatur 2018 zu führen. Am Samstag sprach Khan vor Zehntausenden Anhängern in der Hauptstadt Islamabad. Die Opposition unterstellt Sharif, Gelder aus Bestechung zu verschieben, Steuern zu unterschlagen und im Ausland zu waschen. Sharif hält dagegen, seine Kinder hätten nichts Illegales getan.

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