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Palm : Die Konkurrenz schläft nicht

  • -Aktualisiert am

Auch andere Modelle liegen gut in der Hand Bild: AP GraphicsBank

Früher hatte Palm leichtes Spiel und beherrschte unangefochten den Markt. Mittlerweile wimmelt es von Konkurrenz.

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          Konkurrenz belebt das Geschäft. Sie macht es aber auch schwieriger, zumal dann, wenn man lange Zeit keine oder kaum Mitbewerber hatte. Das ist der Fall beim amerikanischen Kleincomputer-Hersteller Palm. Lange Zeit galt das kalifornische Unternehmen als unangefochtener Markt- und Technologieführer für den Bereich so genannter Handhelds, kleine tragbare Computer im Westentaschenformat.

          Das war einmal. Mittlerweile tummeln sich viele Anbieter auf dem Markt und beleben das Geschäft - zum Wohle der Käufer. Sharp, Handspring, Research in Motion, Compaq, Casio, Psion, HP sie alle bieten kleine digitale Assistenten und graben Palm Marktanteile ab, mit Erfolg.

          Umsatzeinbruch fast Prozent

          Der Umsatzeinbruch von Palm muss daher nicht grundsätzlich verwundern, bemerkenswert ist allerdings das Ausmaß der Diskrepanz zwischen den ursprünglichen Erwartungen von 300 bis 315 Millionen Dollar Umsatz für das vierte Geschäftsquartal und den jetzt reduzierten Zahlen von gerade mal 140 bis 160 Milionen Dollar. Denn die Konkurrenz entstand schließlich nicht über Nacht.

          Andre Köttner, Fondsmanager im Bereich Technologie für Union Investment, sieht das Palm-Problem überwiegend auf der Produktseite. „Die Konkurrenten haben häufig die interessanter Modelle“, meint Köttner. Während Palm den Markt anfangs sehr stark beherrschte, müssen sie ihn sich jetzt mit vielen anderen teilen. „Da entsteht natürlich auch ein erheblicher Preisdruck, der sich auch in den Umsatzzahlen niederschlägt.“

          Mittleres Preissegment leidet mehr

          Einen weiteren Grund für den Niedergang des Marktführers sieht Ioannis Papassavvas, Technologie-Fondsmanager bei der Dresdner Bank Tochter DIT, in dem Umstand, dass Palm seine größten Umsätze im mittleren Preissegment generiert, ganz im Gegensatz etwa zu Compaq, die ihre Produkte vorwiegend im Hochpreissegment absetzen. In Zeiten schwacher Konjunktur und bröckelnden Verbrauchervertrauens trifft die einsetzende Kaufzurückhaltung die Hersteller billigerer Produkte am härtesten.

          „Palm gelingt es nicht, sich stark genug im High-End-Bereich zu positionieren“, sagt Papassavvas. Erschwerend kommt hinzu, dass das Unternehmen die Anbindung an die verbreiteten Microsoft-Anwendungen noch immer nicht wirklich befriedigend gelöst hat - wiederum im Gegensatz zu Compaq, die mit ihrem Betriebssystem auf Microsoft gesetzt haben. Die Unannehmlichkeiten, die der Nutzer auf sich nehmen muss, sein Handheld mit seinem PC in Einklang zu bringen, mindert dessen Zufriedenheit oder hält ihn gar vom Kauf ab und lässt ihn zu einem anderen Angebot greifen, denn die gibt es jetzt.

          Selbst schuld

          Die enorme Zurücknahme der Umsatzzahlen hat noch einen weiteren rein hausgemachten Grund. „Das Unternehmen setzte noch sehr spät, als bereits deutlich absehbar war, dass die US-Konjunktur stark nachlassen würde, seine Planzahlen hoch“, erläutert Papassavvas. „Erreicht hat man nun nicht mal die alte Zielvorgabe und jetzt wirkt die Lücke riesig.“

          Ein solcher Lapsus hat auch marktpsychologische Folgen, die allerdings mehr dem Wert der Aktie schaden als dem Umsatz: Anleger verlieren das Vertrauen in ein Unternehmen, insbesondere in dessen Management, wenn es mit seiner Selbsteinschätzung derart daneben liegt.

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