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Zulieferung in Gefahr? : Paketbomben im Weihnachtsgeschäft

Absperrung auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt, nachdem ein verdächtiges Paket gefunden wurde. Bild: Imago

Die deutsche Versandbranche rechnet bis Heiligabend mit einem Aufkommen von bis zu 15 Millionen Päckchen und Paketen - am Tag. Hat die Erpressung der DHL Folgen?

          Die Erpressung des Paket-Dienstleisters DHL platzt mitten in das wichtige Weihnachtsgeschäft, das dank der wachsenden Online-Einkäufe so stark ausfallen kann wie nie zuvor. Die Versandbranche rechnet bis Heiligabend mit einem Aufkommen von bis zu 15 Millionen Päckchen und Paketen - am Tag. Ungefähr die Hälfte davon befördert allein die Deutsche Post, wie deren Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kürzlich sagte: 8,5 Millionen Zustellungen am Tag wären ein neuer Rekord. Im vergangenen Jahr stellte DHL insgesamt rund 1,2 Milliarden Sendungen zu.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Martin Gropp

          Welche Auswirkungen die Erpressung und der Bombenfund auf das laufende Geschäft haben werden, vermochte der Post-Sprecher an diesem Sonntag gegenüber FAZ.NET nicht abzuschätzen. „Wir versuchen alles Mögliche zu tun, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten.“

          Die aktuellen Vorgänge in Potsdam sind kein Einzelfall, wenn auch die Gefahrenlage durchaus nicht stets dieselbe ist. Immer wieder werden Unternehmen erpresst. Häufig gelangen diese Verbrechen jedoch nie an die Öffentlichkeit – auch weil die Betroffenen keine Nachahmer animieren und ihre Kunden nicht verunsichern wollen.

          Die Erpressung der DHL erinnert nach den Worten des brandenburgischen Innenministers Karl-Heinz Schröter (SPD) an den Fall „Dagobert“. Der Kaufhauserpresser hatte vor allem Anfang der neunziger Jahre ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei betrieben, bevor er gefasst wurde. „Ich hoffe, wir sind schneller erfolgreich“, sagte Schröter. Der Fall „Dagobert“ gilt als einer der aufwendigsten Erpressungsfälle in der deutschen Kriminalgeschichte.

          Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der direkt am Potsdamer Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Darin befanden sich Hunderte Nägel und ein Polenböller. So werden umgangssprachlich Feuerwerkskörper bezeichnet, die wegen Sicherheitsmängeln in Deutschland illegal sind. Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe „Luise“ ein – benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten rund 25 Kriminalisten.

          Der oder die Täter verlangten eine Millionensumme von der Tochtergesellschaft der Deutschen Post. Wie viel genau und wann, dazu wollte sich die Post gegenüber FAZ.NET nicht äußern. „Die Ermittlungen laufen, die Kommunikation läuft über die Polizei“, sagte der Sprecher.

          Der Potsdamer Sendung lag eine Nachricht bei. Diese sei als sogenannter QR-Code im Internet verschlüsselt, aber eindeutig rekonstruiert worden, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Eine ähnliche Lieferung ist nach Angaben der Ermittler auch schon vor einiger Zeit in Frankfurt (Oder) bei einem Online-Händler aufgetaucht. Der oder die Täter nähmen schwerste Verletzungen der Adressaten oder sogar deren Tötung billigend in Kauf, sagte wiederum Innenminister Schröter.

          Es scheine sich nach bisherigen Erkenntnissen um regional agierende Täter aus Berlin oder Brandenburg zu handeln. Das Paket mit dem Sprengsatz sei in einer Potsdamer Packstation aufgegeben worden. Diese Tat sei besonders verwerflich. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe die Zustellung der „Briefbombe“ aber nicht dem Weihnachtsmarkt gegolten, sagte Schröter weiter. Die Sicherheitsbehörden halten weitere Sendungen für möglich oder sogar wahrscheinlich, wie Mörke sagte. Die Post gab deshalb eine eindringliche Warnung heraus: „Wir appellieren an unsere Kunden, nur Bestellungen zu öffnen, wenn ihnen der Absender bekannt ist oder wenn sie die Bestellungen selbst ausgelöst haben und im Zweifelsfall im Internet nachverfolgt haben. Bei unbekannten Absendern sollten sie Vorsicht walten lassen.“

          Betroffen von den Erpressungsversuchen seien bislang vor allem kleine Unternehmen. Auch die Sendung an Privatpersonen sei aber nicht auszuschließen, hieß es. Die Polizei habe ein Hinweistelefon geschaltet. Ermittelt werde wegen versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und versuchter schwerer räuberischer Erpressung, sagte der Leitende Potsdamer Oberstaatsanwalt Heinrich Junker.

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