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Pädagogisch wertvoll : Das gute Spielzeug

  • -Aktualisiert am

Was für Mädchen: Kita „Sonnenschein“ von Playmobil Bild: dpa

Vor Weihnachten befinden sich Eltern regelmäßig in einem Dilemma. Den Kindern soll das Geschenk gefallen – aber wie steht es um seinen erzieherischen Wert? Und was ist mit der Umwelt? Doch das Wichtigste wird dabei oft vergessen.

          3 Min.

          Vor der Feier von Jesu Geburt schlägt die Stunde der Hobbypädagogen. Jedes Jahr sind sie in der Adventszeit in Spielzeugfachgeschäften und Kaufhäusern unterwegs – Mütter und Väter, Großeltern, Onkel und Tanten, die umso hektischer werden, je näher das christliche und kommerzielle Hochfest kommt. Ihre Sehnsucht: Unter dem Weihnachtsbaum soll nicht nur „O du fröhliche“ erklingen, sondern auch selige Stimmung herrschen. Ihre Sorge: An den Spielzeuggeschenken könnte diese Hoffnung zerbrechen, wenn das klassische Brettspiel den Nachwuchs nicht mehr begeistert oder wenn der bei Kindern begehrten innovativen Puppe mit Internetanbindung von Erwachsenen der pädagogische Wert abgesprochen wird.

          Die Adventszeit ist die Suchzeit nach dem guten Spielzeug. Mütter und Väter sind hierzulande in lobenswerter Mission unterwegs. Sie setzen sich viel intensiver mit den Wunschzetteln der Kinder und dem Angebot der Spielwarenhändler auseinander, als es anderswo üblich ist. Aber sie stellen auch Fragen zu den Produkten, auf die ein Kind nie kommen würde. Warum sind manche Puppen so hässlich? Mädchen finden die Barbie-Nachfolger im Schauder-Look jedoch augenscheinlich schön. Warum müssen mit Lego-Steinen Kampfraumschiffe nachgebaut werden? Ginge es allein nach den Jungen von heute, wäre das Spielzeug zur „Star Wars“-Filmreihe wohl noch erfolgreicher.

          Ist nun Holz oder Plastik böse?

          Plüschtiere blicken besonders entrückt, Mädchenpuppen sind besonders dünn, Kämpferfiguren für Jungen besonders martialisch, neue Spielzeugkörper mit besonders viel Elektronik vollgestopft. Die sprechende Puppe grüßt aus dem Regal. Muss das alles auf dem Gabentisch liegen? Nein, muss es nicht, aber von vornherein zu verteufeln ist es auch nicht.

          Im Spielwarengeschäft prallen Moral und Ökonomie aufeinander. Vor Weihnachten bekommen Händler Hunderte Fragen zum pädagogischen Wert ihrer Produkte gestellt. Und sie bekommen an einem durchschnittlichen Dezembertag ein Prozent ihrer Jahreseinnahmen von insgesamt 2,7Milliarden Euro in die Kassen. Das Verkennen der Hobbypädagogen-Bedenken kann also – ebenso wie ein Tag mit unwirtlichem Wetter – dazu führen, dass der Weihnachtssegen in der Branche schief hängt.

          Zur Spielentscheidung gehören erbitterte wie abstruse Glaubenskriege, die Eltern untereinander und mit Herstellern ausfechten. Holz oder Plastik ist ein Konfliktklassiker: Soll der Nachwuchs mit Figuren spielen, deren Inhaltsstoffe ausnahmslos zu Raffinerien zurückzuverfolgen sind, oder mit Stücken zersägter Bäume, auf die im Wald Regen mit allerlei Umweltstoffen niederging? Eine Unterscheidung, der zufolge Holz gut und Plastik böse ist oder andersherum, ist müßig. Es geht um persönliche Vorlieben. Gesetzliche Schadstoffgrenzwerte erfüllen in der Regel beide Produkte. Debattiert wird trotzdem.

          Keine Hilfsmittel, Kinder in die Spielecke abzuschieben

          Nicht minder beliebt ist die Kontroverse, wie rosarot die Welt der Püppchen aussehen darf. Barbies kurze Röcke bringen Branchenmanagern regelmäßig den Vorwurf ein, die ältesten Klischees und Geschlechterstereotype zu konservieren. Als Gegenwehr bleiben ihnen Absatzstatistiken und Markttests mit eindeutiger Aussage: Je pointierter ein Produkt auf eine Nutzergruppe ausgerichtet ist, desto erfolgreicher ist es. Prominentes Beispiel ist Lego. Der Bausteinkonzern kassierte im Buhlen um Mädchen Rückschlag um Rückschlag, bis seine „Friends“-Figuren in eine Pastellwelt mit Reiterhof und Einkaufszentrum einzogen. Den Hobbypädagogen wird diese Botschaft nicht gefallen. Gleichwohl sind es Erwachsene, die für die Absatzerfolge sorgen.

          Seit Spielwarengeschäfte in Teilen zu Elektromärkten für robuste Tabletcomputer-Nachbildungen mutieren, tobt die Debatte, wie viel Zeit vor einem berührungsempfindlichen Bildschirm einem Kind zu erlauben ist. Mit dem Babygreifring, in den sich ein iPhone einhängen lässt, ist die Branche vielleicht doch zu weit gegangen. Debatten über Lerncomputer jedoch erinnern an alte Diskussionen, ob der Doppelpack aus Sendung mit der Maus und Sandmännchen womöglich schon zu viel des Fernsehkonsums ist.

          Auf der Suche nach dem guten Spielzeug helfen Glaubenskriege nicht. Das ökologischste Produkt zieht keine Weltverbesserer heran, das technisch-innovativste macht aus keinem Kind einen Super-Programmierer. Das gute Spielzeug bringt Kinder und Eltern zusammen. Alle Neuheiten, mit denen Hersteller auf Zusatzgeschäft hoffen, haben an einer Erkenntnis nichts geändert: Spielwaren sind keine Hilfsmittel, um Kinder in die Spielecke abzuschieben. Die plappernde Puppe ist fehl am Platz, wenn sie zur einzigen Spielgefährtin wird. Der Computer kann sich aber bezahlt machen, wenn der Nachwuchs nicht immer allein davor sitzen muss. Wie der Hersteller VTech herausfinden ließ, wünschen sich 82 Prozent aller berufstätigen Mütter und Väter mehr Zeit mit ihren Kindern. Diesen Plan umzusetzen lohnt mehr, als hohe moralische Ansprüche zu formulieren. Nebenbei steigt dann ohne Zusatzkosten der Nutzen eines Spielzeugs.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

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