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Studie : Oxfam findet die 15 „schlimmsten“ Steueroasen

Zu den „schlimmsten“ Steueroasen der Welt gehören laut der Hilfsorganisation Oxfam angeblich Bermuda (Bild) und die Cayman-Inseln. Bild: dpa

Vier EU-Staaten stehen auf der Rangliste der Organisation. Die Methoden, die zu diesem Ergebnis führen, bleiben jedoch unklar.

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          Vier EU-Staaten sowie die Schweiz gehören zu den 15 „schlimmsten“ Steueroasen der Welt. Das behauptet die Hilfsorganisation Oxfam in einer am Montag in Oxford veröffentlichten Studie. Die darin enthaltene „Rangliste“ weist Bermuda und die Cayman-Inseln an der Spitze von 15 Ländern aus, gefolgt von den Niederlanden, der Schweiz, Singapur, Irland und Luxemburg. Auf Rang 10 folgt Zypern. Als „klassisch“ geltende Steuerparadiese wie die Bahamas (11), Jersey (12), Barbados (13) und die britischen Jungferninseln (15) tauchen erst danach auf, andere wie Monaco oder Panama gar nicht.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Studie bezieht sich ausschließlich auf die Unternehmensbesteuerung. Das mag erklären, dass einige „traditionelle“ Steueroasen nicht auftauchen. Das überraschend starke Gewicht der EU-Staaten dürfte sich vor allem daraus erklären, dass in den vergangenen Jahren relativ viele Einzelinformationen über die Steuerpraxis dieser Länder ans Licht gekommen sind und diese entsprechend hoch gewichtet werden. Ein hohes Gewicht für die Beurteilung hat etwa die Frage, ob ein Land internationalen Konzernen die sogenannte aggressive Steuerplanung erleichtert. Gemeint ist damit in der Regel, dass sich die Steuerbehörden auf Einzelabsprachen mit einzelnen Unternehmen über deren Steuerbelastung einlassen („tax rulings“). Die EU-Kommission hat bisher wegen solcher Deals Beihilfeverfahren gegen die Niederlande, Irland, Luxemburg und Belgien eingeleitet und teilweise schon abgeschlossen.

          Als besonders „schlimm“ stuft Oxfam ferner jene Länder ein, das Unternehmen steuerliche Anreize zur Ansiedlung bietet, etwa mithilfe der sogenannten „Patentboxen“. Diese ermöglichen es Unternehmen, Einnahmen aus der Vergabe von Lizenzen oder Nutzung von Patenten zu einem deutlich geringeren als dem regulären Satz zu versteuern. Solche Regelungen gibt es in etwa der Hälfte aller EU-Staaten.

          Körperschaftsteuersätze von null, wie sie Bermuda und die diversen Steuerparadiese in der Karibik aufweisen, haben offenbar weniger Gewicht – Oxfam rügt lediglich die „niedrigen“ Sätze (sie betragen 12,5 Prozent) in Irland. In fast allen angeprangerten Ländern werden ferner Dividenden und andere Kapitalerträge ungenügend besteuert.

          Wenig Gewicht hat in der Studie offenbar ferner die Steuertransparenz in den betreffenden Ländern. Zwar veröffentlicht Oxfam auch eine Rangliste der Staaten mit dem „vollkommensten“ Steuergeheimnis. Sie wird von Vanuatu angeführt, gefolgt von Samoa, St. Lucia, Liberia und Brunei. In der eigentlichen Rangliste der „schlimmen“ Steueroasen tauchen diese Länder aber nicht auf, möglicherweise weil der Organisation keine Informationen über sie zur Verfügung stehen.

          Laut Oxfam haben 90 Prozent der 200 weltgrößten Konzerne Ableger in den von der Organisation definierten Steueroasen. Nach nicht weiter konkretisierten Berechnungen bringen diese arme Staaten jährlich um Einnahmen von mindestens 100 Milliarden Dollar. Das sei genug, um den 124 Millionen Mädchen und Jungen, die nicht zur Schule gingen, den Besuch einer Schule zu ermöglichen und mit verbesserter Gesundheitsvorsorge weiteren sechs Millionen Kindern das Leben zu retten, schreibt die Organisation.

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