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Ost-Libyen : Warum eine Zentralbank ihren eigenen Tresor knacken will

  • Aktualisiert am

Bargeldengpass: Anstehen für Geld in Libyen Bild: AFP

Im Osten Libyens gibt es einen Bargeldengpass. Gold- und Silbermünzen, die der Zentralbank gehören, könnten Abhilfe schaffen. Doch leider: Der oberste Notenbanker kennt den Zugangscode für den Tresor nicht.

          In der Stadt Beyda im Osten Libyens gibt es derzeit viel Aufregung um Zentralbankgeld. Wie das Wall Street Journal berichtet, liegt dort in einer Kammer unter einer Bank ein wahrer Schatz begraben: Gold- und Silbermünzen im Wert von rund 184 Millionen Dollar.

          Das Geld gehört der Zentralbank - die es dringend gebrauchen könnte, weil gerade ein ziemlicher Bargeldengpass herrscht. Denn die Notenbank in Ost-Libyen wartet zwar auf eine Lieferung frischen Bargelds aus einer ausländischen Gelddruckerei, doch könnte es noch mehrere Monate dauern, bis es ankommt, wie es in dem Bericht weiter heißt.

          Das Geld in der unterirdischen Schatzkammer käme also wie gerufen. Doch leider - so einfach ist es offenbar nicht! Die Münzen liegen in einem Tresor, der sich nur mit einem fünfstelligen Code öffnen lässt. Und den Code haben die Zentralbanker in diesem Teil des Landes nicht.

          Zentralbanker im anderen Landesteil rücken den Code nicht raus

          Libyen ist in zwei Landesteile geteilt und hat außerdem mit islamistischen Aufständischen zu kämpfen. Den Code für den umstrittenen Tresor haben die Notenbanker im anderen Teil Libyens. Dort, in Tripoli, ist die Zentrale der Notenbank, wo drei der sieben Vorstandsmitglieder sitzen. Sie sind Vertraute der dortigen, rivalisierenden Lokalregierung. Sie halten die Füße still und wollen den Code nicht herausrücken. Angeblich gibt es Sorge, dass mit dem Geld oppositionelle Militärs unterstützt werden könnten.

          Um das Ganze noch komplizierter zu machen: Die Münzen sind zu allem Unglück auch noch mit dem Konterfei des ehemaligen Diktators Gaddafi bedruckt, der im Jahr 2011 abgesetzt, gefangen genommen und getötet worden war. Selbst wenn er an das Geld herankäme, er könne die Münzen „nicht so verkaufen, wie sie jetzt sind“, so lässt sich Ali El Hibri, der Zentralbankgouverneur von Ost-Libyen vom Wall Street Journal zitieren. „Ich möchte ja auf der Straße keinen Aufruhr starten indem ich das Gesicht von Gaddafi zur Schau stelle.“

          Trotzdem habe Hibri angeblich schon eine Einigung mit Gold- und Silberhändlern erzielt, die die Münzen ankaufen und den Gaddafi-Aufdruck entfernen wollen. Doch bevor das passieren kann, muss Hibri erst einmal dafür sorgen, dass der Tresor geknackt wird. Auch da ist er dem Bericht zufolge schon auf gutem Wege und hat zwei Panzerknacker aufgetan, die schon im Jahr 2011 mehrere Tresore des damaligen Regimes geknackt haben sollen, um die damalige Rebellion zu finanzieren.

          Ali El Hibri ist vom IWF als Zentralbankchef anerkannt, doch seine Macht ist aufgrund der Rivalitäten zwischen den beiden Landesteilen Libyiens sehr begrenzt. Tripoli schickt dem Bericht zufolge 23,5 Millionen Dollar nach Ost-Libyen, um die öffentlichen Angestellten und Beamten zu bezahlen. Doch das, so Hibri, sei nur ein Bruchteil der 257 Millionen Dollar, die er brauchen würde, um die Gehälter abzudecken.

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