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Organspende : Spahn bekommt Gegenwind aus seiner eigenen Partei

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Auch, wenn er nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: Das ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Bild: Reuters

Jens Spahns Vorstoß für eine Widerspruchslösung bei der Organspende spaltet die Union: Die gesundheitspolitische Sprecherin widerspricht dem Minister. Der wiederholt bekanntes.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt mit seiner Initiative zur Organspende auf Widerspruch in den eigenen Reihen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, reagierte im Gespräch mit Stuttgarter Nachrichten und Stuttgarter Zeitung vom Dienstag verärgert: „So geht es nicht. Wir machen unseren eigenen Gesetzentwurf mit einer Debatte kaputt, die viel zu früh kommt“, sagte sie. Die CDU-Politikerin warnte, so könnten noch mehr Ängste geweckt und das Vertrauen in die Organspende gemindert werden.

          Nach Spahns Vorstoß soll automatisch jeder als Spender gelten, der zu Lebzeiten nicht widerspricht. Auch nach dem Tod sollen aber die Angehörigen noch widersprechen können. Bisher gilt das umgekehrte Prinzip, wonach Organentnahmen nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt sind, zum Beispiel per Ausfüllen eines Organspendeausweises.

          „Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“

          Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger kritisierte Spahn ebenfalls. „Man sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“, sagte er den Zeitungen. Die Widerspruchsregelung treffe auf „enorme Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung, löst aber kein Problem“. Dagegen lobte Fraktionsvize Georg Nüßlein Spahns Vorstoß. Er sehe „diesmal die Chance, dafür eine Mehrheit im Parlament zu finden“.

          Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, unterstützte die Widerspruchslösung im Gespräch mit FAZ.NET. Es sei „höchste Zeit“, „endlich an die strukturellen Ursachen für die geringen Organspendezahlen zu gehen und diese zu beseitigen“, sagte er. „Die Ärzteschaft fordert schon lange, dass die Organentnahme ausreichend finanziert wird und die Transplantationsbeauftragten genug Zeit für ihre Arbeit haben.“

          Spahn begegnete der Kritik im ARD-Morgenmagazin, wiederholte dabei jedoch hauptsächlich nur seine Position vom Montag. Die von ihm vorgeschlagene Widerspruchslösung sei zwar „ein starker Eingriff in die Freiheit“, sagte er. Alle bisherigen Versuche, die Zahl der Organspender zu erhöhen, seien aber erfolglos geblieben. „Drei Menschen sterben jeden Tag, weil das Organ, das sie sehnsüchtig erwartet haben, nicht kam“, sagte Spahn.

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