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Purdue : Opioidkonzern erreicht vorläufigen Vergleich

Oxycontin-Tabletten Bild: AP

Der Pharmakonzern gilt als einer der Hauptschuldigen für die Opioid-Krise in Amerika. Nun beantragt das Unternehmen Konkurs und verteilt Gewinne auf die Kläger. Doch einige Staatsanwälte wollen deutlich mehr Geld von der Eigentümerfamilie Sackler

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          Purdue Pharma hat einen vorläufigen Vergleich mit wichtigen Klägergruppen erreicht: Der Produzent des Schmerzmedikaments Oxycontin, das eine zentrale Rolle in der tödlichen Opioidkrise in den Vereinigten Staaten spielt, beantragt dafür den Konkurs und lebt als Unternehmen im Eigentum einer öffentlichen Stiftung wieder auf. Die neue Gesellschaft verteilt die Gewinne ihrer fortlaufenden Geschäftstätigkeit auf die Kläger. Die Sackler-Familie verliert im Rahmen dieses Kompromisses sämtliche Anteile am Unternehmen und steuert überdies noch rund drei Milliarden Dollar über sieben Jahre zur Entschädigung der Opfer bei.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Familie verkauft dafür ihre internationalen Unternehmen, darunter die auch in Deutschland aktive Mundipharma. Zu den Klägern gegen Purdue Pharma gehören Bundesstaaten, Landkreise, Kommunen und Indianerstämme aus ganz Amerika, in der Summe mehr als 2000. Nicht alle haben dem Kompromiss allerdings zugestimmt: Der Fernsehsender NBC berichtete, dass von 45 klagenden Bundesstaaten 16 den Vergleich zurückgewiesen hätten. Der Generalstaatsanwalt von North-Carolina, Josh Stein, teilte mit, er sei mit dem Vorschlag der Sackler-Familie nicht einverstanden. „Eine größere Anzahl von Bundesstaaten vertritt die Auffassung, dass die Sacklers mehr Geld garantieren müssen.“ Sie hätten den Schaden angerichtet und müssten nun helfen, ihn zu bereinigen. Er bereite weitere Klagen gegen die Familie vor, die seit 2007 Milliarden mit Purdue Pharma und Übersee-Aktivitäten verdient habe. Die größte Fabrik von Purdue Pharma steht in North-Carolina. Auch Connecticut hat den Vergleich abgelehnt. Schmerz, Tod und Zerstörung, die Purdue und die Sackler-Familie angerichtet hätten, übertreffe sämtliche Vergleichsangebote bei weitem, teilte Generalstaatsanwalt William Tong mit.

          Tatsächlich hängt die Bewertung des Vergleichs stark vom Unternehmenswert von Purdue Pharma und den offenbar zum Verkauf stehenden internationalen Pharmabeteiligungen der Familie ab. Das Volumen der Entschädigung wird auf 10 bis 12 Milliarden Dollar beziffert, unter der Voraussetzung, dass Purdue Pharma im Besitz einer öffentlichen Stiftung weiter Gewinne erwirtschaftet. Dafür müsste das Unternehmen weiterhin Oxycontin und weitere Opioide verkaufen. Andere Produktgruppen von Purdue wie Mittel gegen Verstopfung oder Nahrungsergänzungsmittel spielen bisher nur eine kleine wirtschaftliche Rolle im Vergleich zu den Schmerzmitteln. Seit 2017 entwickelt das Unternehmen zudem Medikamente gegen Schlafstörungen und Krebs.

          Purdue Pharma hat öffentlich mit der Möglichkeit gespielt, auch ohne Vergleich einen Konkursantrag zu stellen. Das hat einige Anwälte offenbar zum Einlenken bewogen. Bei erfolgreichem Konkurs würde ein Teil der alten Ansprüche gegen die Firma erlöschen, allerdings müssten ein Konkursrichter und Gläubiger dem Verfahren zustimmen. Im Juni hatte der Opioid-Produzent Insys Konkurs beantragt – wenige Woche nach einem Vergleich, der eine Entschädigung im Wert von 225 Millionen Dollar vorsah.

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