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Unternehmensberater : McKinsey zahlt fast 600 Millionen Dollar in Opioid-Krise

Oxycontin-Pillen des Schmerzmittelherstellers Purdue Pharma Bild: AP

Die weltgrößte Strategieberatung hat eine dubiose Rolle in der amerikanischen Opiod-Krise gespielt. Jetzt legt McKinsey überraschend viel Geld auf den Tisch, um zivilrechtliche Klagen abzuwehren.

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          Um Zivilklagen amerikanischer Generalstaatsanwälte abzuwenden, ist McKinsey bereit, sehr viel Geld in die Hand zu nehmen: Das Beratungsunternehmen hat einem Vergleich über fast 600 Millionen Dollar zur Beilegung von Klagen wegen seiner Rolle in der amerikanischen Opioid-Krise zugestimmt, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. So viel Geld hat McKinsey bislang noch nie für eine außergerichtliche Einigung bezahlt. Zwei Mitarbeiter müssen zudem gehen, nachdem herausgekommen ist, dass sie sich über die Löschung von Dokumenten unterhalten haben. 

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als 40 amerikanische Bundesstaaten hatten gegen McKinsey wegen der Beratung des Schmerzmittelherstellers Purdue Pharma geklagt. Dem Vergleich schlossen sich 49 Bundesstaaten an, mit Nevada wird noch verhandelt. McKinsey-Chef Kevin Sneader schreibt in einer Mail an seine Mitarbeiter, die Einigung sei ein „wichtiger Schritt“ für das Unternehmen in einer Angelegenheit auf die er „nicht stolz“ sei. McKinsey habe die schrecklichen Auswirkungen des Opioid-Missbrauch „nicht angemessen anerkannt“, schreibt Sneader in der Mail, die das Unternehmen auf einer eigens eingerichteten Internetseite veröffentlicht hat. McKinsey erwirtschaftet im Jahr einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Dollar.

          Unternehmensberater von McKinsey hatten unter anderem dem amerikanischen Pharmahersteller Purdue viele Jahre bei der Vermarktung des süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin geholfen. Vorgeworfen wird Purdue und seinen Helfern dabei eine gezielte Verharmlosung der Suchtgefahren des Opioids, einer Substanz derselben Wirkstoffklasse wie das Rauschgift Heroin. Das Unternehmen Purdue – das im Zentrum der amerikanischen Opioid-Krise steht – hatte sich schon im Herbst bereit erklärt, 8,3 Milliarden Dollar zu zahlen, allerdings ist das Unternehmen insolvent, weshalb unklar ist, wie viel Geld tatsächlich fließen wird.

          Die McKinsey-Berater waren bislang mit Rügen für ihre Arbeit davon gekommen. Vorwürfe gegen McKinsey standen aber schon länger im Raum. In einer Klageschrift der Generalstaatsanwältin von Massachusetts gegen Purdue vor zwei Jahren tauchte der Name McKinsey schon mehrere Dutzend Mal auf. Das Pharmaunternehmen habe McKinsey angeheuert, um herauszufinden, wie man Ärzte dazu bringt, mehr Oxycontin zu verschreiben, hieß es schon damals in der Klageschrift gegen Purdue. Laut Schätzungen sind 4 von 5 amerikanischen Heroin-Konsumenten über ärztlich verschriebene Schmerzmittel an ihre Sucht geraten.

          Seit 1999 sind in den Vereinigten Staaten mehr als 450.000 Menschen an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben. Das umfasst verschriebene Schmerzmittel wie auch illegale Drogen wie Heroin. Nachdem im Herbst auch mehrere Politiker in den Vereinigten Staaten – Demokraten und Republikaner – die Rolle von McKinsey stark kritisiert hatten, veröffentlichte McKinsey im Dezember überraschend eine Art Entschuldigungsschreiben. Die Zusammenarbeit mit Purdue und anderen Opioid-Herstellern hatte McKinsey schon im Frühjahr 2019 eingestellt.

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