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Opel-Rettung : Die Brücke ins Nichts

  • -Aktualisiert am

Was haben die Regierenden gestrahlt, nach jener Nachtsitzung Ende Mai, als sie eine angebliche Opel-Rettung gezaubert hatten. Staatsgeld sollte es nur zur Überbrückung geben. Doch bis heute fehlt der Investor. Der vermeintliche Vorvertrag entpuppte sich als ein ziemlich wertloses Stück Papier.

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          Die Krise kennt viele Opfer, die gedankliche Klarheit gehört auch dazu. Schnell bleibt die Logik auf der Strecke, wenn es ans große Retten geht, das lehrten die vergangenen Monate. Und auch mit der Wahrheit ist es so eine Sache - dies zeigt besonders drastisch der Fall Opel, wo besonders viele Eingreiftruppen unterwegs sind. Kaum jemand behält da noch den Überblick: Wer rettet nun? Wer tut nur so? Und wer steht am Ende für das ganze Schlamassel gerade?

          Nun wird in Extremsituationen gerne geblufft, getrickst, gelogen. In Rüsselsheim jedoch sitzt der Steuerzahler als Finanzier des Spiels mit am Tisch. Dummerweise sogar als einziger Geldgeber einer Firma, die jeden Tag Millionen von Euro verbrennt. Gedacht und versprochen war das anders. Wie hatten die Regierenden gestrahlt, nach jener Nachtsitzung Ende Mai, als sie - zum Erfolg verdammt - eine angebliche Opel-Rettung in den Morgenhimmel gezaubert hatten: "Wir haben einen Investor: Magna", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst an jenem Samstag verkündet.

          Noch kein Cent kam bislang von Magna - nur ein Kredit vom Staa t

          Binnen Tagen werde der austro-kanadische Konzern Hunderte Millionen mobilisieren, um Opel in eine sichere Zukunft zu führen, versprachen die einschlägigen Ministerpräsidenten. Hurra, Opel ist gerettet, frohlockten sie. Wir haben einen Käufer gefunden, wer hätte uns das zugetraut?, lobten sie sich selbst. Und das Allerbeste: Die Jobs seien sicher, zumindest zum großen Teil. Und den Steuerzahler treffe praktisch kein Risiko.

          Von wegen! Jetzt sind sechs Wochen vergangen, von Magna ist immer noch kein Cent nach Rüsselsheim geflossen, wohl aber 1,5 Milliarden Euro als Kredit vom Staat. Der vermeintliche Vorvertrag mit den so herzlich willkommenen Partnern aus Österreich/Kanada/Russland entpuppte sich als ein ziemlich wertloses Stück Papier. Die Politik ist blamiert. Nur die Ministerpräsidenten verkünden unerschütterlich und mindestens einmal pro Tag, der Deal mit Magna stehe kurz bevor.

          Im Hauptquartier von General Motors jedenfalls tönt es ganz anders. An einem Tag ist der Verkaufsprozess offen, am nächsten wieder alles ganz anders. Und Opel verliert jeden Tag Geld. Die Mitarbeiter bangen weiter. Das zahlende Publikum ist verwirrt und zunehmend verärgert.

          Ohne den Namen eines Investors hätte das Volk die Staatshilfe nicht akzeptiert

          Selbst die herbeigesehnten russischen Partner Magnas äußern nun öffentlich Zweifel, ob das alles so eine gute Idee war mit der Verbindung zweier malader Autohersteller, einem deutschen und einem russischen, der offenbar noch schlechter dasteht als Opel selbst.

          Jetzt rächt sich, dass die Politik in jener Nacht im Kanzleramt unbedingt einen Erfolg brauchte. Um beinahe jeden Preis. Es musste ein Investor her oder zumindest die Illusion eines Retters, so verwegen der auch sein mochte.

          Denn eines hatten die versammelten Nothelfer versprochen: Geld vom Staat gibt es nur zur Überbrückung, bis ein Privater einsteigt. So ganz sollten die Regeln der Marktwirtschaft nicht ausgehebelt werden. Dazu braucht es den Namen eines Investors. Ohne den hätte das Volk die Staatshilfe nicht akzeptiert, zumal es mit der Treue zur Traditionsmarke nicht so weit her ist, wie allein der stetige Niedergang von Opels Marktanteil beweist.

          Das schöne Bild von der Brücke hatten sie in Berlin deshalb ein ums andere Mal bemüht. Nur: Bis heute führt die Brücke ins Nichts. Auf der anderen Seite steht niemand, zumindest noch niemand, mit dem General Motors einen Vertrag abschließt. Und erst recht niemand, der anständig Geld mitbringt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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