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Ärger um Verbrenner-Aus : Opel-Mutterkonzern Stellantis verlässt europäischen Autoverband

Die Fahnen von Opel und Stellantis vor der Unternehmenszentrale von Opel in Rüsselsheim am 23.05.2022. Bild: Frank Röth

In der europäischen Autoindustrie brodelt es. Nachdem das geplante Verbrenner-Aus die Hersteller entzweit hat, verlässt mit Stellantis nun ein großer Hersteller den gemeinsamen Lobbyverband.

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          Stellantis will sich aus dem europäischen Lobbyverband Acea zurückziehen. Das kündigte der Opel-Mutterkonzern am Montagabend an. Stellantis, der zweitgrößte Autohersteller Europas hinter Volkswagen und Anfang 2021 hervorgegangen aus der Fusion von Peugeot-Citroën mit Fiat-Chrysler, teilte seinen Entschluss eher beiläufig in einer schriftlichen Konzernmitteilung mit. Bis Ende dieses Jahres soll der Austritt demnach über die Bühne gehen.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Acea hat sich deutlich gegen das Votum des Europaparlaments von voriger Woche ausgesprochen, Autos mit Verbrennungsmotoren in der EU vom Jahr 2035 an zu verbieten. Die einzelnen Hersteller hatten sich indes unterschiedlich positioniert. „Angesichts der Volatilität und Unsicherheit ist jede langfristige Regelung, die über dieses Jahrzehnt hinausgeht, verfrüht“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse, der dem Acea-Verband derzeit vorsitzt. Das Europaparlament habe ein „ambitioniertes, aber erreichbares Ziel“ gesetzt, hieß es dagegen von Volkswagen. Auch Mercedes begrüßte die Entscheidung „im Prinzip“.

          Stellantis wiederum hatte schon vor längerem erklärt, zwar nicht in Märkten wie Nordamerika, wohl aber in Europa vom Jahr 2030 an nur noch Elektrofahrzeuge verkaufen zu wollen. Für Konzernmarken wie Fiat und Opel soll das sogar schon Ende der 2020er Jahre gelten. Die Entscheidung aus Brüssel tangiert das Unternehmen insofern weniger als andere europäische Wettbewerber.

          „Forum für Bewegungsfreiheit“

          Ob die Positionierung von Acea in puncto Verbrenner-Aus tatsächlich der (alleinige) Grund für den erklärten Rückzug sind, ließ Stellantis offen. Der vor 30 Jahren gegründete Verband vereint die 16 größten europäischen Hersteller von Autos, Lastwagen, Lieferwagen und Bussen und hatte sich in den vergangenen Jahren für außereuropäische Hersteller „mit bedeutenden Produktions- und Forschungseinrichtungen“ in der EU geöffnet. So ist beispielsweise auch Toyota aus Japan Mitglied.

          Wie Stellantis in der erwähnten Konzernmitteilung weiter mitteilte, soll der Acea-Austritt auch als „Übergang vom Lobbyismus zu einer direkteren Interaktion mit Bürgern und Interessenvertretern“ verstanden werden. Zu diesem Zweck will der Konzern ein „Forum für Mobilitätsfreiheit“ gründen. Jährlich stattfindend, soll dort debattiert werden, wie „saubere, sichere und erschwingliche Mobilität für die Gesellschaft bereitgestellt und die Herausforderungen der globalen Erwärmung bewältigt werden können“.

          Das „Forum für Bewegungsfreiheit“ soll von einem „Expertenbeirat“ geplant und koordiniert werden, der verschiedene Interessengruppen aus dem Autogeschäft vertritt, darunter Mobilitäts- und Technologieanbieter, Akademiker, Politiker und Wissenschaftler. „Diese Initiativen verdeutlichen die Absicht von Stellantis, in einer sich verändernden Welt eine Vorreiterrolle zu übernehmen“, rühmt sich der Konzern. „Im weiteren Jahresverlauf“ werde man weitere Details zu dem Forum bekanntgegeben, sagte eine Stellantis-Sprecherin der F.A.Z.

          „Der Zugang zu sauberer, sicherer und erschwinglicher Mobilität für die Bürger der ganzen Welt steht auf dem Spiel“, wird in der Mitteilung von Montag Stellantis-Vorstandschef Carlos Tavares zitiert. Der Portugiese hatte zuletzt wiederholt öffentlich gemahnt, dass die Kosten für Elektrofahrzeuge sinken müssten, damit sich die Menschen aus der Mittelschicht auch in Zukunft Autos leisten können. Die derzeitigen Mehrkosten von Elektrofahrzeugen gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor bezifferte Tavares auf 40 Prozent.

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