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Opel-Krise : Ratlos in Rüsselsheim?

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Für Opel schlägt die Stunde der Wahrheit. Der Aufsichtsrat tagt, schon am Nachmittag könnten erste Details eines Rettungsplans verkündet werden. 25.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs, die Politik debattiert über Staatshilfen und einen Ausweg, damit sich der Autobauer von dem von Insolvenz bedrohten Mutterkonzerns General Motors lösen kann.

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          Für Opel schlägt an diesem Freitag die Stunde der Wahrheit. Seit 11 Uhr tagt der Aufsichtsrat des angeschlagenen Autobauers und sucht einen Plan für die Zukunft. Ein Schlüsselelement des Konzepts, das das Management dem Gremium vorstellt, dürfte die Trennung von dem von Insolvenz bedrohten amerikanischen Mutterkonzerns General Motors (GM) werden.

          Anschließend soll der Plan der Bundesregierung vorgelegt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU ) hat wiederholt ein tragfähiges Unternehmenskonzept als Voraussetzung für staatliche Hilfen gefordert. Im Gespräch sind Bürgschaften, aber auch eine direkte Beteiligung von Bund und Ländern an Opel. Der Autobauer hat allein in Deutschland an vier Standorten insgesamt rund 25.000 Beschäftigte. Mehrere tausend von ihnen hatten am Donnerstag für die Erhaltung ihrer Jobs demonstriert, viele am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. (Siehe auch: Opel: Wer die Augen schließt, hört ein bisschen Schröder)

          Bis zu acht Milliarden Kapitalbedarf?

          Von dem Sanierungsplan werden auch offizielle Angaben dazu erwartet, wie viel Hilfe Opel benötigt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde von GM- und Opel-Managern in den Verhandlungen mit Bund und Ländern ein langfristiger Kapitalbedarf von acht bis neun Milliarden Euro genannt. Opel-Chef Hans Demant wies diese Größenordnung jedoch als „völlig aus der Luft gegriffen“ und „absurd hoch“ zurück. Bisher war von Krediten oder Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro die Rede gewesen.

          Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erwartet , „dass wir heute mehr zu hören bekommen als in den vergangenen Wochen und uns da auch entsprechend der Tiefgang endlich ereilt, den wir seit langem gefordert haben.“ Für eine Rettung von Opel werde „sehr, sehr viel davon abhängen, wie der Verflechtungsgrad mit dem Mutterkonzern de facto gegeben ist“, sagte Guttenberg. „Wir müssen Klarheit haben: Kann es sein, daß man einzelne Teile herausbrechen kann, ja oder nein, ohne dass man andere damit beschädigt“, sagte Guttenberg. Der Minister hat vor der Gewährung von Bundeshilfen ein „Zukunftskonzept“ des Unternehmens verlangt.

          Patentrechte an Opel-Entwicklungen nach Amerika ausgegliedert

          Nach Informationen der F.A.Z. hält Opel nicht mehr die Patente oder Rechte an den Fahrzeugentwicklungen, die vor allem das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rüsselsheim mit seinen mehreren tausend Mitarbeitern erbringt oder erbracht hat. Diese wurden vor vier Jahren an eine Gesellschaft von General Motors im amerikanischen Bundesstaat Delaware mit dem Namen GM GTO abgetreten.

          Deshalb ist Opel jetzt zur Entwicklung von Fahrzeugen auf - möglicherweise ausbleibende - Überweisungen von GM angewiesen und muss im Gegenzug für jedes verkaufte Auto eine Lizenzgebühr an den Mutterkonzern entrichten (siehe auch: Opel besitzt die eigenen Patente nicht mehr).

          GM-Chef Wagoner fordert weitere 16 Milliarden Dollar

          In Washington hatte sich am Donnerstag die GM-Führung zu einem Krisengespräch mit der Regierung in Washington getroffen. Nach Angaben informierter Kreise bekräftigte GM-Chef Rick Wagoner bei dem sechs Stunden langen Treffen am Donnerstagabend (Ortszeit) seine Forderung nach weiteren Staatshilfen in Höhe von 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro). Es war das erste Treffen von General Motors mit der sogenannten Auto-Task-Force der Regierung Obama.

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