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Opel & Co. : Ein Horrorjahr auf Europas Automarkt

  • -Aktualisiert am

Auslaufmodelle: Noch machen Mitarbeiter im Bochumer Opelwerk neue Autos fertig. Bild: dpa

In einem desaströsen Marktumfeld beschließt Opel wie erwartet das Aus für die Autoproduktion in Bochum am Ende des Jahres 2014. In Europa haben aber nahezu alle Hersteller große Sorgen.

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          Der Abschwung auf dem europäischen Automarkt setzt sich fort - und gewiss auch im Lichte dieser Entwicklung ist im Aufsichtsrat von Opel die Entscheidung gefallen, dass vom Jahr 2015 an definitiv keine Autos mehr im Bochumer Werk gebaut werden. Denn in der Europäischen Union, dem Hauptabsatzmarkt von Opel, ist die Zahl der Neuzulassungen im März zum 18. Mal in Folge gefallen. Wie es in einer Mitteilung des Herstellerverbandes ACEA heißt, wurden im vergangenen Monat 1,3 Millionen Autos neu zugelassen, und das sind 10,2 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Ein Ende der Abwärtsspirale ist Fachleuten zufolge nicht in Sicht: „2013 droht einen neuen Negativrekord aufzustellen und sich zu einem Horrorjahr zu entwickeln“, schreibt Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young in einer Analyse der jüngsten Zahlen. Die Reaktion des seit Jahren angeschlagenen Autoherstellers Opel auf diese Entwicklung fällt jedenfalls eindeutig aus: Die Produktion in Bochum werde zum Jahresende 2014 eingestellt, beschloss der Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns General Motors (GM) am Mittwoch in Rüsselsheim. Der von der Bochumer Belegschaft abgelehnte Sanierungsplan für das Gesamtunternehmen hätte die Produktion des Familienautos „Zafira“ in dem 1962 gegründeten Werk bis ins Jahr 2016 verlängert. Nun bleibt Opel hart. Bisher geht der Poker des Bochumer Betriebsrats um neue Verhandlungen damit nicht auf.

          Und so begann alles: Das erste Auto - ein Opel Kadett Modell „A“ - rollt 1962 vom Band in Bochum Bilderstrecke
          Das Ende von Opel in Bochum : Tradition, Blech und Tränen

          Wo das Modell „Zafira“ nach dem Jahr 2014 gefertigt werden soll, ist in Rüsselsheim noch nicht entschieden worden. Man habe mehrere Optionen; der Bochumer Betriebsrat hat die anderen deutschen Werke schon dazu aufgerufen, die Produktion nicht zu übernehmen. Die Belegschaften an den anderen deutschen Standorten hatten dem von der IG Metall ausgehandelten Sanierungsplan zuvor zugestimmt und sich in dieser Hinsicht kooperativer gezeigt als die Bochumer Kollegen. Aber auch andere Autohersteller verringern ihre Produktionskapazitäten - so hat Ford jüngst mit den Arbeitnehmern die Schließung seines Werks im belgischen Genk vereinbart, worüber es zuvor ebenfalls erbitterte Auseinandersetzungen gegeben hatte. Und der französische PSA-Konzern hat in seiner Heimat sogar mit radikalisierten Belegschaften zu tun, die vor Werksblockaden nicht zurückschrecken (F.A.Z. vom 17. April).

          Der Hintergrund dieser Entwicklung: Auch in einer etwas längeren Zeitspanne zwischen Januar und März 2013 wurden dem ACEA zufolge nur knapp 3 Millionen Neuwagen in der EU verkauft; das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Minus von 9,8 Prozent. Einziger Lichtblick für die Autobauer war zuletzt Großbritannien. Dort stiegen die Neuzulassungen im März um 5,9 Prozent auf fast 395.000 Stück. In den anderen großen Märkten, also in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, wurden hingegen jeweils zweistellige Absatzrückgänge verbucht. Auch Deutschland kann sich der Krise damit nicht mehr entziehen, hierzulande fielen die Verkaufszahlen sogar um 17,1 Prozent auf gut 280.000 Autos.

          Und nach der Ansicht von Fuß ist die Wirklichkeit sogar noch viel dramatischer: „In vielen Absatzmärkten, allen voran in Deutschland, werden die Verkäufe durch Eigenzulassungen künstlich aufgebläht.“ Zudem drückten hohe Preisnachlässe die Margen der Autokonzerne, und vorerst gehe diese Rabattschlacht beim Autohändler weiter.

          Der Schrumpfkurs auf Europas Automärkten trifft fast alle Hersteller: Die Marke Volkswagen, mit einem Marktanteil von 23,7 Prozent unangefochtener europäischer Marktführer, verbuchte im März ein Minus von 9 Prozent. Die Kernmarke des Wolfsburger Volkswagen- Konzerns musste zuletzt den ersten Absatzrückgang seit dem Dezember des Jahres 2009 verbuchen. Bei PSA Peugeot Citroën, mit 10,4 Prozent Marktanteil abgeschlagen auf Platz 2, betrug der Rückgang im März 16 Prozent.

          Die Franzosen sind wie ihre Konkurrenten Renault, Fiat oder eben auch Opel besonders von der Krise betroffen, weil sie in europäischen Werken für den europäischen Markt produzieren und das Wachstum in anderen Ländern der Welt fast völlig an ihnen vorbeigeht. Vor allem die deutschen Oberklasse-Hersteller hingegen profitieren davon, dass ihre Fahrzeuge in China oder den Vereinigten Staaten weiter beliebt sind. Westeuropa ist also zwar ein Bremsklotz, dank ihrer Stärke auf wichtigen außereuropäischen Märkten, wozu neben China auch Amerika zählt, können die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW aber insgesamt immer noch zulegen.

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