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Opel Astra-Produktion : Umzug von Rüsselsheim nach Polen

  • Aktualisiert am

Die Mitarbeiter- und Produktionszahlen der Opelwerke in Europa Bild: F.A.Z.

Für Opel waren die Osterfeiertage nur eine kurze Verschnaufpause im Ringen um einen neuen Sanierungsplan. Nun will Vorstandschef Stracke ein Drittel der Produktion nach Polen verlagern.

          Gleich am Mittwoch dieser Woche holte ein Brief von Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke die Mitarbeiter zurück in die brutale Wirklichkeit des Überlebenskampfes auf einem schrumpfenden europäischen Markt. So hat sich der Absatz von Opel in Europa im Januar und Februar um 20 Prozent, verringert und der Marktanteil ist von 7 Prozent auf 6 Prozent gesunken. „Hauptgrund dafür ist der enorme Preisdruck, der durch die Überkapazitäten in der gesamten Automobilindustrie und den rückläufigen Gesamtmarkt in Europa ausgelöst wurde“, heißt es in dem Brief, der dieser Zeitung vorliegt. Dies zeige sich auch darin, dass vor allem die Premiummarken sowie besonders preisgünstige Anbieter die Gewinner am Markt gewesen seien. Opel „war zunächst nicht bereit, diesen Preiskampf mitzumachen“, teilte Stracke den Mitarbeitern mit.

          Doch der sinkende Marktanteil zeitigt schon seine Wirkung: Um wieder Gewinn zu machen, muss das Unternehmen die Kapazitäten anpassen. Die Neuverteilung des schwindenden Produktionsvolumens auf die Werke in Europa dürfte zu einem Hauen und Stechen zwischen der Belegschaft und der Unternehmensleitung führen. Der nächste große Konflikt bahnt sich ausgerechnet für das Stammwerk in Rüsselsheim an. Hier will Opel-Chef Stracke auf Geheiß des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors einen Teil der Produktion des für das Unternehmen wichtigsten Kompaktwagenmodells Astra abziehen und nach Polen verlagern. Das wird aus Kreisen von Betriebsrat und Gewerkschaft berichtet. Ein Unternehmenssprecher wollte dies nicht kommentieren.

          Von den 30000 Astras, die derzeit jährlich in Rüsselsheim hergestellt werden, sollen 10000 künftig im Werk in Gliwice (Gleiwitz) vom Band laufen. Für Rüsselsheim wäre das ein harter Schlag: Schon jetzt wird dort in der Produktion nur noch an vier Tagen in der Woche gearbeitet, weil die Bestellungen zurückgegangen sind. Im polnischen Gliwice jedoch müssten vermutlich sogar Beschäftigte entlassen werden, wenn das Werk nicht durch die Verlagerung besser ausgelastet wird. In Rüsselsheim dagegen würde nur die eigentlich angestrebte dritte Schicht nicht eingerichtet.

          Zustimmung des Betriebsrats fehlt

          Um den Plan zur Verlagerung der Astra-Produktion nach Polen umzusetzen, braucht Stracke jedoch die Zustimmung von Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Denn in einem Vertrag zwischen Belegschaft und Unternehmensleitung, der im Jahr 2010 abgeschlossen wurde, ist dem Stammwerk die Hälfte des Produktionsvolumens für den fünftürigen Astra zugesagt worden. Im Gegenzug für diese und andere Zusagen hatten die Beschäftigten auf jährlich 265 Millionen Euro Lohn verzichtet.

          Wird jetzt die Zustimmung zu der Produktionsverlagerung verlangt, dann werden die Betriebsräte ihre Gegenforderungen erheben: Sie werden Sicherheiten für die künftige Produktion am Standort Rüsselsheim fordern. Denn dort wird außer dem Modell Astra derzeit nur die Mittelklasselimousine Insignia produziert. Um den Standort langfristig zu sichern, müsste ein zweites Modell her.

          Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke

          Aus dieser Ausgangssituation könnte schnell eine gefährliche Zwickmühle für die Betriebsräte und die Gewerkschafter der IG Metall werden. Denn die Unternehmensleitung wird vermutlich anbieten, den Familienwagen Zafira künftig in Rüsselsheim herzustellen. Derzeit läuft der Zafira noch in Bochum vom Band. Bekäme Rüsselsheim das Modell, müsste Bochum wohl geschlossen werden. Das aber würde einen Aufstand der IG Metall provozieren. „Bochum würde zum Milliardengrab für GM“, warnte der örtliche Betriebsratschef Rainer Einenkel das Management von GM in Detroit nach einer Belegschaftsversammlung vor einigen Wochen in Bochum.

          Doch wie man es dreht und wendet: Wenn Opel die Kapazitäten an den gesunkenen Marktanteil anpasst, dann müssten wohl ein bis zwei Werke schließen. Ein Geschäftsplan für die Jahre bis 2016, der solche Entscheidungen transparent machen würde, sollte schon zum Jahresende vorliegen, fehlt aber immer noch - weil sich der Markt schneller zum Schlechteren verändert, als die Planer voraussehen konnten.

          Aus Sicht der Betriebsräte gäbe es jedenfalls eine Alternative zu den Werksschließungen: General Motors müsste einen Teil der Autos von der Schwestermarke Chevrolet, die in Europa verkauft werden, in den Werken von Opel produzieren lassen, um diese besser auszulasten. Ein Beispiel dafür wäre etwa das dem Zafira ähnliche Modell Orlando.

          Genug Volumen dafür gäbe es: Während der Absatz von Opel sinkt, hat Chevrolet seine Verkäufe in Europa im Januar und Februar um fast ein Viertel auf 31000 Einheiten gesteigert. Darüber hinaus könnte der neue kompakte Geländewagen Opel Mokka statt in Korea in Deutschland produziert werden. Außerdem - so die stets vorgebrachte Forderung der Betriebsräte - müsste GM seiner Marke Opel den Export in Wachstumsmärkte wie Amerika, China und Brasilien erlauben.

          Opel-Chef Stracke jedenfalls beklagte in seinem Brief an die Mitarbeiter die kritische Wahrnehmung des Unternehmens Opel in den Medien: „Ich bin sicher, dass sich die Wahrnehmung schnell wieder ändern wird, wenn Journalisten und Öffentlichkeit sehen, dass wir die richtigen Schritte unternehmen, um wieder nachhaltig profitabel zu werden. Wir werden diese Schritte schnell, eindeutig und nachvollziehbar kommunizieren, benötigen aber noch etwas Zeit, denn wir werden nur dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn es klare, abgestimmte Fakten gibt.“

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