https://www.faz.net/-gqe-pn44

Opel : Arbeiter drohen mit Streiks bis Dienstag

  • Aktualisiert am

Wieder keine Nachtschicht bei Opel Bild: dpa/dpaweb

Verhärtete Fronten bei Opel in Bochum: Die Streikenden wollen nur dann die Arbeit wieder aufnehmen, wenn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird. Das aber gilt als unwahrscheinlich.

          2 Min.

          Der Bochumer Opel-Betriebsrat hat den Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen gefordert. Erst wenn es eine entsprechende Zusage gebe, werde die Schicht am Montag um sechs Uhr die Arbeit aufnehmen, sagte Franco Biagotti vom Betriebsrat am Samstag der AP. Unterdessen schloß der Europa-Chef des Mutterkonzerns General Motors, Fritz Henderson, die Schließung eines Opel-Werkes langfristig nicht aus. Bis 2006 werde aber kein deutsches Werk dichtgemacht. Sein Stellvertreter Carl-Peter Forster sagte, Opel plane die Gründung einer Auffanggesellschaft.

          Biagotti hielt es für nicht wahrscheinlich, daß die Arbeit am Montag weitergeht. Der Betriebsrat werde mit den Beschäftigten sprechen und ihnen die Arbeitsniederlegung empfehlen, sagte er. Die Tore blieben weiter besetzt - auch am Sonntag, an dem in dem Werk normalerweise nur im Komponentenbereich gearbeitet wird.

          „Es geht um Geld, nicht um Köpfe“

          Der Opel-Betriebsrat hatte am Samstag mehrere Stunden lang über das weitere Vorgehen beraten nach der Ankündigung des Mutterkonzerns General Motors, daß in Bochum rund 4.000 von derzeit 10.000 Stellen wegfallen sollen. Ein Treffen mit der Unternehmensleitung am Freitag abend bewertete Biagotti mit den Worten: „Wir sind nicht unzufrieden. Mein Eindruck war, daß es General Motors darum geht, Geld einzusparen. Es müssen wohl nicht unbedingt Köpfe sein.“

          Kinder bemalen die Einfahrt zum Opel-Werk

          Forster hatte nach einer Sitzung des Opel-Aufsichtsrats in Rüsselsheim angedeutet, die angekündigte Forderung nach Streichung von 10.000 Jobs sei kein Dogma. GM-Europa-Chef Henderson kritisierte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Arbeitsniederlegungen: „In diesem frühen Stadium der Verhandlungen helfen Streiks nicht.“ In mehreren Medien schloß er die Schließung eines Opel-Werks ab dem Jahr 2008 nicht aus: „Wenn es um die Planung neuer Modelle wie der nächsten Mittelklasse geht, müssen wir klären, wo deren Produktion sinnvoll konzentriert werden kann“, wird er im „Spiegel“ zitiert. Der „Welt am Sonntag“ sagte er, das Bochumer Werk stehe von allen deutschen Opel-Werken am schlechtesten da.

          Zwei Jahre Garantie für Arbeitsplätze?

          Hendersons Stellvertreter Forster sprach in der „Welt am Sonntag“ über Pläne, eine Auffanggesellschaft für die entlassenen Mitarbeiter zu gründen. „Wenn es uns gelingt, die betreffenden Mitarbeiter in Beschäftigungsgesellschaften zu überführen, können wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden“, wird er zitiert. In den Auffanggesellschaften sollten die Arbeitsplätze für zwei Jahre garantiert werden, berichtete die Zeitung. Die Beschäftigten müßten dafür Lohneinbußen akzeptieren; bei GM werde mit Löhnen gerechnet, die um zehn Prozent unter dem Metall-Tarifvertrag lägen. Derzeit verdienen die Opel-Beschäftigten 20 Prozent über Tarif. GM würde sich durch die Auffanggesellschaft einen teuren Sozialplan ersparen.

          Managementfehler eingeräumt

          Forster und Henderson räumten Versäumnisse des früheren Opel-Managements ein. „In der Vergangenheit wurden große Fehler gemacht. Es wurde nicht rechtzeitig gegengelenkt“, sagte Forster der „Welt am Sonntag“. „Wenn Sie wollen, nennen Sie es Mißmanagement“, wird Henderson in der „Bild am Sonntag“ zitiert. Von Management-Fehlern sprach auch der Branchenexperte der Deutschen Bank, Hans-Joachim Frank, im Norddeutschen Rundfunk. Zum Beispiel habe man bei Opel den Trend zu Dieselfahrzeugen „etwas verschlafen“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.