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Alternative Energie : Ohne Öl wird es noch lange nicht gehen

Rosarote Welten: in einem Öllager in Indonesien Bild: dpa

Die Opec will weniger fördern. Wird der Ölpreis steigen? Fest steht nur: Die Nachfrage wird so schnell nicht abreißen. Denn der weltweite Energieverbrauch ist größer denn je.

          Es ist weder besonders viel noch besonders wenig. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent entspricht derzeit mit Werten um die 52 Dollar je Fass (159 Liter) dem Durchschnitt des laufenden Jahres. Zur gleichen Zeit in 2015 war er ungefähr gleich hoch. Nur im Januar und Februar fiel er für einige Tage unter die Marke von 30 Dollar je Fass, um dann wieder zu steigen. Auch mehrere Tage nachdem sich die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) auf eine Begrenzung der Ölfördermenge verständigten, bleibt die Preisentwicklung unklar.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Opec steht nur für 40 Prozent der Ölförderung auf der Welt. Länder wie die Vereinigten Staaten sowie Russland gehören der Organisation nicht an und spielen mit ihren Interessen eine wichtige Rolle. Auch mit der vorgesehenen leichten Drosselung von 33,2 Millionen Barrel am Tag auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel würde das aktuelle Überangebot nicht unter die Nachfrage fallen. Noch sind die Lager so voll wie nie. Zudem hielten sich die Opec-Produzenten in der Vergangenheit nicht immer an die verabredeten Förderquoten. Wie schwierig Preisvorhersagen sind, zeigen Extrembeispiele: Nach der Finanzkrise 2008 stieg der Ölpreis innerhalb von 113 Tagen um 81 Prozent.

          Im Januar zum Tiefstand prognostizierten Bankanalysten, dass sich der Ölpreis bis 2018 wieder bei 80 bis 85 Dollar je Barrel einpendeln würde. Doch für eine quantitative Einschätzung gibt es zu viele Einflussfaktoren, sagen Experten unisono. Eines steht fest: Die Nachfrage für Öl nimmt Jahr für Jahr zu – nach Informationen der Internationalen Energieagentur (IEA) zuletzt um 1,8 Prozent. „Der Motor der Weltwirtschaft braucht Treibstoff. Und der Sprit ist das Öl. Die Opec-Länder müssen noch keine Angst davor haben, dass ihnen die Ölnachfrage wegbricht. Viele Technologien in der Mobilität, Chemie und Industrie hängen daran“, sagt Götz Wehberg vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte.

          Starker Anstieg des Energieverbrauchs

          Die Produktion von immer mehr Gütern und die enorme Steigerung des Handels auf der Welt haben zu einem starken Anstieg des Energieverbrauchs geführt. Nach dem „Energy Outlook 2016“ des Energiekonzerns BP soll sich das weltweite BIP aufgrund des starken Bevölkerungswachstums in Asien und Afrika bis 2035 mehr als verdoppeln, was eine 34 Prozent stärkere Nachfrage nach Energie mit sich zieht. Die Anzahl der Kraftfahrzeuge würde sich innerhalb der nächsten 20 Jahre von aktuell 1,2 Milliarden auf 2,4 erhöhen. Pro Jahr könnte der Energiebedarf um 1,4 Prozent wachsen. Nach den IEA-Zahlen hat sich der globale Energieverbrauch in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als verdoppelt.

          Der absolute Verbrauch nahm bei allen Energieträgern zu, während sich der Energiemix stetig veränderte. Die weltweite Primärenergieversorgung basierte 2015 auf 4,33 Milliarden Tonnen Öl (29 Prozent). Weitere 26 Prozent fallen auf Erdgas und 24 Prozent auf Kohle. Der Rest verteilt sich auf Wasserkraft, Atomkraft und Erneuerbare Energien. 1973 lag der Anteil des Öls an der Primärenergieversorgung mit mehr als 46 Prozent noch wesentlich höher. Allerdings sagt der relative Rückgang nichts über die Entwicklung der absolut nachgefragten Ölmenge aus – diese nahm in 40 Jahren um rund 50 Prozent zu. Die absolut bereitgestellte Menge an Kohle und Erdgas stieg im gleichen Zeitraum um rund 162 Prozent beziehungsweise 197 Prozent. Besonders abhängig vom Öl ist der Transportsektor – zu 90 Prozent. Zugleich fallen von der gesamten Ölnachfrage derzeit knapp 64 Prozent auf das Transportwesen. Nur etwa 16 Prozent verbrauchen der Nicht-Energie-Sektor wie die Petrochemie und knapp 9 Prozent die globale Industrie.

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