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Opec plus : Washington: Ölländer haben sich mit Russland verbündet

  • Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Joe Biden Bild: AP

Die Ölländer-Allianz um Saudi-Arabien hat gerade beschlossen, die Förderung deutlich zu kürzen. Die Reaktion aus dem Weißen Haus folgt prompt – und deutlich.

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          Die amerikanische Regierung hat die Entscheidung der Öl-Allianz Opec plus, die Ölproduktion zurückzufahren, als „kurzsichtig“ und einen „Fehler“ bezeichnet. Präsident Joe Biden sei darüber enttäuscht, erklärten Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan und der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates im Weißen Haus, Brian Deese. In einer Zeit, in der die Aufrechterhaltung der weltweiten Energieversorgung von größter Bedeutung sei, werde sich diese Entscheidung besonders negativ auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen auswirken.

          Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, nannte das Zurückfahren der Ölproduktion „fehlgeleitet“ und einen „Fehler“. Die Öl-Allianz habe eine Entscheidung getroffen, die nur dem eigenen Interesse diene. „Es ist klar, dass sich OPEC+ mit der heutigen Ankündigung mit Russland verbündet“, sagte Jean-Pierre.

          Kurz vor den Kongresswahlen

          Angesichts der geplanten Verknappung des Angebots wolle Biden auch mit dem Kongress über zusätzliche Instrumente und Befugnisse beraten, um die Kontrolle der OPEC über die Energiepreise zu verringern, hieß es weiter. Zuletzt waren die Benzinpreise in den Vereinigten Staaten wieder etwas gesunken.

          Für Bidens Demokraten war das kurz vor den Kongresswahlen im November besonders wichtig. Die hohe Inflation im Land hat der Partei des US-Präsidenten in Umfragen besonders zugesetzt.

          Russland war beim Treffen dabei

          Vertreter wiederum der Opec hatten sich am Mittwoch zum ersten Mal seit der Pandemie wieder physisch und nicht nur virtuell in Wien getroffen. Mit dabei war auch Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak. Heraus kam eine Kürzung der Ölproduktion für den Monat November um zwei Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) am Tag. Das ist die stärkste Förderkürzung seit dem Frühjahr 2020, als die Ölländer mit einer Kürzung um 10 Millionen Barrel je Tag auf die Coronapandemie reagiert hatten.

          Etwas unklar blieb, inwieweit die Tatsache, dass viele Ölstaaten derzeit weniger fördern, als die abgesprochenen Quoten ihnen eigentlich erlauben würden, die Wirkung des beschlossenen Schrittes beeinträchtigt. Es hieß, Russland müsse keine Kürzungen vornehmen, hauptsächlich reduzieren sollten die Förderung Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Irak. Nach Einschätzung von Ölanalyst Giovanni Staunovo dürften die „effektiven Kürzungen“ damit um die 800.000 bis 900.000 Barrel je Tag liegen.

          Schon Anfang September hatten die Ölstaaten für Oktober eine Kürzung der Ölproduktion um 100.000 Barrel am Tag beschlossen. Der Effekt auf den Ölpreis verpuffte angesichts von Rezessionssorgen allerdings relativ schnell wieder. „Der Warnschuss im letzten Monat stieß auf taube Ohren“, kommentierte Craig Erlam von der Handelsplattform Oanda. Jetzt aber machen die Ölstaaten offenbar Ernst. Die Analysten der Commerzbank sprachen von einer „Reaktion auf den kräftigen Preisrückgang der vergangenen Monate“. Von der Aufforderung der Vereinigten Staaten, den Ölhahn aufzudrehen, ließen sich die Ölstaaten offenbar nicht beeindrucken.

          Der Ölpreis war zu Wochenbeginn spürbar gestiegen, als Spekulationen über die Pläne der Ölstaaten die Runde machten. Am Mittwoch schwankte er und erreichte nach dem OPEC-Plus-Treffen zeitweise 93,80 Dollar – ungefähr 6 Dollar mehr als am Freitag.

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