https://www.faz.net/-gqe-6m6i1

Online-Einkaufsdienste : Social Shopping

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Besitzer eines Smartphones nutzen ihr Telefon, um über Online-Dienste unterwegs einzukaufen Bild: picture alliance / dpa

Im Internet etablieren sich Einkaufsdienste für unterwegs: Smartphones und soziale Netzwerke verbinden Online-Handel und stationäre Geschäfte. Sie geben dem Nutzer das Gefühl, Teil einer Einkaufsgemeinschaft zu sein.

          Mancher Pendler mag sich schon einmal gewundert haben, weil der Sitznachbar in der U-Bahn plötzlich sein Smartphone zückte und auffällig unauffällig ein Foto von den neuen Turnschuhen oder dem T-Shirt eines anderen Fahrgastes schoss – um danach eifrig auf seinem mobilen Mini-Computer für unterwegs herumzutippen. Des Rätsels Lösung: Womöglich nutzt der Besitzer des Smartphones einen neuen Online-Einkaufsdienst, wie ihn zum Beispiel der Sportfachhändler Sport-Scheck anbietet. Wer unterwegs ein Kleidungsstück sieht, das ihm gefällt, knipst mit dem Mobiltelefon ein Foto des begehrten Produktes: Eine spezielle Software zeigt dann automatisch verfügbare ähnliche Modelle im Online-Shop des Händlers an. Noch ein Klick, und das Kleidungsstück ist gekauft – ein weiterer Klick, und alle Freunde im sozialen Netzwerk Facebook oder beim Nachrichtendienst Twitter erfahren, was und wo der Nutzer gerade eingekauft hat.

          Einkaufen mit dem Smartphone wird immer beliebter: Laut einer Erhebung des IT-Branchenverbandes Bitkom nutzt bereits jeder fünfte Handybesitzer in Deutschland ein Smartphone. Schon 2014 sollen etwa 33 Millionen Deutsche ein Smartphone ihr Eigen nennen, prognostizieren Marktforscher. „Von dieser Entwicklung wird nicht nur der Online-Handel profitieren, sondern vor allem auch der stationäre Handel“, sagt Kai Hudetz, Handelsexperte des E-Commerce-Center Handel in Köln.

          Eine aktuelle Studie des Kölner Instituts zeigt, dass sich knapp ein Viertel der Nutzer von Smartphones vor oder während eines Kaufs im stationären Handel per mobilem Internet über den Anbieter und das Produkt informieren. Das widerlegt das weitverbreitete Vorurteil, dass der wachsende Online-Handel den klassischen Einzelhandel kannibalisiert: „Der klassische Handel hat ja lange befürchtet, dass Kunden sich nur noch im Laden informieren, um dann anschließend günstiger im Internet zu kaufen“, sagt Hudetz. „Tatsächlich gehen Kunden aber fast ebenso häufig den umgekehrten Weg und informieren sich online vor dem Kauf im Laden um die Ecke.“ Die verschiedenen Vertriebswege würden stärker miteinander verschmelzen, sagt Hudetz. Denn durch Smartphones schaffen soziale Netzwerke und Online-Shops den Sprung in die reale Welt – und viele stationäre Händler wollen diese Chance nutzen, um Kunden über das mobile Internet in ihre Läden zu locken.

          Online-Dienste geben Nutzer das Gefühl, Teil einer Einkaufsgemeinschaft zu sein

          Dabei kommen ihnen vor allem lokal basierte Internetdienste wie Foursquare oder Facebook Places zugute. Über das Satellitensystem GPS wird der aktuelle Standpunkt eines Smartphone-Nutzers geortet. Dann werden ihm Geschäfte und Gebäude in der Nähe angezeigt, in die er „einchecken“ kann – Online-Freunde in den sozialen Netzwerken bekommen dann automatisch eine Meldung darüber, wer sich gerade wo aufhält und wo er einkauft. Händler können diese Dienste nutzen, indem sie zum Beispiel Kunden, die besonders häufig in ihrem Laden einchecken oder die Freunde mitbringen, mit Gutscheinen oder Rabatten belohnen. „Der nächste Schritt wäre es dann, diese Systeme auf die Produktebene herunterzubrechen“, sagt Handelsexperte Hudetz. Kunden könnten dann etwa Produkte im Laden oder im Schaufenster fotografieren und zum Beispiel auf ihrer Facebook-Seite Freunde nach ihrer Meinung zu dem Produkt fragen. Bei durchschnittlich über 100 Freunden, die jeder Nutzer in sozialen Netzwerken hat, ist das eine wirksame virtuelle Mund-zu-Mund-Propaganda für Händler. „Gerade bei Lifestyle- und Modeprodukten ist es wichtig, dass Händler den Sprung in die sozialen Netzwerke schaffen“, sagt Peter Wippermann, Trendforscher und Kommunikationsdesigner aus Hamburg. Denn: „Soziale Beziehungen in den digitalen Netzen werden Auslöser für Kaufentscheidungen.“

          Weitere Themen

          Facebook sperrte Zehntausende Apps

          Radikaler Schritt : Facebook sperrte Zehntausende Apps

          Nach der Affäre um Datenschnüffelei durch Cambridge Analytica hat das soziale Netzwerk App-Entwickler unter die Lupe genommen. Und viel härter durchgegriffen als bisher bekannt war.

          Topmeldungen

          Boris Johnsons Wahlkreis : „Der beste Premierminister seit Churchill“

          Boris Johnson gerät wegen der Suspendierung des Parlaments immer stärker unter Druck. Seine Anhänger wollen davon jedoch nichts wissen und stehen weiter hinter ihm. Doch wie lange noch? Beobachtungen aus dem Wahlkreis des Premierministers.

          Kretschmann zu Klimapaket : „Das ist doch ein Treppenwitz“

          Die Grünen in Baden-Württemberg lassen kein gutes Haar am Klimapaket der Bundesregierung, auf das die Koalition so stolz ist. So könne man nicht Politik machen, findet Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

          Bundesliga im Liveticker : 4:0 für Bayern – Freiburg nur 1:1

          Bayern schießt sich an die Spitze: Der Kölner Keller war aktiver als die Kölner Fußballer. Allerorten annullierte Tore, wiederholte Elfmeter, nachträgliche Platzverweise. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.