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Online-Banking : Die Zukunftsbank hat virtuelle Berater

  • -Aktualisiert am

Einfache Banktransaktionen werden über das Internet laufen Bild: dpa

Den Bankschalter wird es weiterhin geben. Standard-Transaktionen werden aber übers Internet abgewickelt und virtuelle Berater helfen bei der Finanzplanung.

          3 Min.

          Nach dem Telefonbanking Ende der achtziger Jahre, dem Online- und Internet-Banking in den neunziger Jahren werden personalisierte Dienste über Computer und Mobilfunk die nächste Ära einleiten. Gewinner dürften jene Finanzdienstleister sein, die neben einer qualifizierten Online- und Offline-Beratung über einen schlagkräftigen Internet-Vertrieb verfügen.

          Im so genannten One-to-One-Banking wird dem einzelnen Privatkunden auf seine persönliche Belange abgestimmte Leistungen angeboten. Denkbar ist ein Rechenmodul zu Anlageprodukten, das unter Einbeziehung der Risikoneigung und des Steuersatzes beispielsweise individuelle Anlagegrenzen errechnet. Eine Unterscheidung des Leistungsangebots nach Kundengruppen wird voraussichtlich in zwei bis drei Jahren möglich sein.

          Neue Ära: One-to-One-Banking

          Denkbar sind aber auch Allfinanz-Marktplätze für Versicherungen und Investmentfonds beispielsweise, die unabhängige Produktvergleiche mit anschließendem Vertragsabschluss ermöglichen. So wird sich der Wettbewerb gerade in diesem Segment zwischen den etablierten Banken und den Finanzportalen verschärfen.

          Eine Filiale dürfte künftig kaum noch für Standard-Transaktionen aufgesucht werden. Hier wird die Beratung sicherlich im Vordergrund stehen. Allerdings kann das persönliche Beratungsgespräch durch Online-Beratungsmodule vorbereitet werden, was letztlich der Bank wieder Kostenvorteile bringt. Wie hoch diese Einsparungen sind, rechnen die Analysten von Booz, Allen & Hamilton vor: Ein persönlicher Besuch mit Standardtransaktionen kostet in der Bankfiliale noch rund einen Dollar. Hingegen fallen bei Transaktionen übers Internet nur noch 0,01 Dollar an. Mit Mobile Banking ließen sich die Transaktionskosten sogar um mehr als 90 Prozent reduzieren, von bisher 3,40 Mark auf rund 0,25 Mark für eine Standardtransaktion, heißt es bei der Unternehmensberatung Mummert + Partner. Allerdings sind die Investitionen für Mobile Banking gegenüber dem Internet um ein Vielfaches höher.

          Ein Mr. Robert für alle Fälle

          „Multi-Channel-Banking“ lautet die Formel, mit dem Banken den gestiegenen Ansprüchen vor allem ihrer Privatkunden gerecht werden wollen. So zeigt eine Umfrage der Analysten von Booz, Allen & Hamilton, dass 80 Prozent aller Kunden zukünftig verschiedene Wege zu ihrer Bank wünschen. Nur 10 Prozent wollen ausschließlich das Internet nutzen. Insgesamt wird sich auch der Vertriebsweg vom unabhängigen Vermittler und Vermögensberater im Außendienst zum Internet verschieben, wovon gerade die Großbanken profitieren dürften, zumal ihre Markennamen eine Orientierung im Internet darstellen. HSBC Trinkaus & Burkhardt schätzt daher, dass die Zahl der unabhängigen Finanzberater bis 2010 um 10 Prozent sinkt.

          So entsteht ein Zukunftsbild: Der Online-Kunde wickelt seine Bankgeschäfte auf einer für ihn maßgeschneiderten Oberfläche ab. Funktionen, News, Produkte etc., die nicht ins jeweilige Kundenprofil passen, werden ihm erst gar nicht angeboten. Statt dessen kann die moderne Bank über Software-Agenten (SmartBot) gezielt auf persönliche Lebensumstände und den daraus resultierenden Produktbedarf reagieren. Jeder Online-Kunde hätte dann neben seinem leiblichen auch seinen virtuellen Berater.

          Banken wieder Informationsmittler

          Ein Großteil der Investoren und Anleger haben sich vom Know-how der Banken emanzipiert und nutzen diese oft nur noch als Transaktionsbank, entweder online oder offline. Die mitunter vollständige Verfügbarkeit von Geschäftsberichten, Analysen, Rountables und Studien im Internet haben die Bank in ihrer Funktion als „Infomediär“ geschwächt.

          Doch wenn Unternehmen dazu übergehen sollten, in noch kürzeren, monatlichen, Zeitabständen online zu berichten, um den Bedarf des Kapitalmarktes an zeitnahen Informationen gerecht zu werden, dann dürften halbprofessionelle Anleger möglicherweise den Überblick verlieren. Profiteure dieser nächsten Informationslawine wären dann wieder Banken und Finanzportale, die relevante Informationen filtern, Kunden gerecht aufarbeiten und beispielsweise in personalisierten Newsletter verschicken.

          Rechtliche Hemmschuhe

          Ein großer Hemmschuh für die Zukunftsbank mit einer breiten Produktpalette sind rechtliche Rahmenbedingungen. Zwar ist die elektronische Signatur als händische Unterschrift im Zivilrecht anerkannt. Doch Bürgschaftsverträge und Verbraucherkreditverträge in elektronischer Form sind ausgeschlossen. Ein weiteres Problem ist es, im globalisierten Bankgeschäft grenzüberschreitende Angebote rechtssicher zu gestalten.

          Ganz ohne Bankschalter geht es nicht

          Auch könnte der Online-Vertriebskanal (Fernabsatz) gegenüber herkömmlichen Geschäftsformen rechtlich benachteiligt sein, wenn die Europäische Kommission daran festhält, dass online geschlossene Verträge binnen zwei Wochen einseitig vom Kunden gekündigt werden können. Produkte wie kurzfristige Termineinlagen wären dann online nicht möglich. Außerdem wäre der große Vorteil im elektronischen Bankverkehr - Verträge zeitnah über weite Entfernungen zu schließen - durch das Widerrufsrecht der Verbraucher unterwandert, heißt es im Bundesverband deutscher Banken.

          Eines ist jedoch sicher: Gänzlich ohne Bankschalter wird die Bank der Zukunft nicht funktionieren. Die Konvergenz von Online- und Offline-Welt dürfte auch in der Finanzwelt den Zukunftstrend angeben.

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