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Gastbeitrag : OMV-Chef: Wir brauchen eine Wasserstoff-Allianz mit Russland

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Wird gerade fertiggestellt: Rohre für die Gasleitung Nord Stream 2 im Hafen Mukran auf Rügen. Bild: dpa

Europa kann sich keine ideologische Ablehnung von Wasserstoff aus Erdgas leisten. An einer Allianz mit Gasländern wie Russland führt kein Weg vorbei. Die Sanktionen müssen nach und nach fallen, fordert Rainer Seele.

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          Der wirtschaftliche Aufschwung in Europa ist ein zartes Pflänzchen. Damit der Erholung nicht die Energie ausgeht, brauchen wir sichere Lieferketten. Das gilt insbesondere bei der Versorgung mit Rohstoffen. Denn die schnell steigende Nachfrage nach Rohstoffen führt derzeit zu einem Engpass und damit zu Preissteigerungen.

          Neben der schwer vorhersehbaren Entwicklung der Covid-Pandemie gefährden vor allem drei Faktoren den Aufschwung: Inflation, Steuererhöhungen und angekündigte CO2-Abgaben. Ich sehe umgekehrt drei strategische Antworten, um die Konjunkturerholung abzusichern: erstens eine weitere Marktöffnung, zweitens eine größere Versorgungssicherheit und drittens mehr Nachhaltigkeit im Energiesektor.

          Sanktionen hinterfragen

          Deutschland als Europas größte Exportnation sollte die Wachstumspotenziale erkennen, die sich aus einer Zusammenarbeit mit Russland ergeben. Als Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), dem mit mehr als 1000 Mitgliedern größten ausländischen Wirtschaftsverband in Russland, setze ich mich dafür ein, die Sanktionen gegenüber Russland zu hinterfragen.

          Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein. Dafür plädieren auch 92 Prozent der Mitgliedsunternehmen der AHK. Die Sanktionen sollten daher Schritt für Schritt oder am besten vollständig zurückgenommen werden. Für Wiederannäherung braucht es aber zwei Partner. Russland muss sehr deutlich zeigen, dass es eine Entspannung im Konflikt in der Ostukraine einleitet. Erst dann kann endlich die Sanktionsschraube zurückgedreht werden.

          Industrie auf Öl und Gas angewiesen

          In der Frage der Versorgungssicherheit plädiere ich vor dem Hintergrund der klimapolitischen Ziele der EU dafür, sich auf die eigene Kraft in Europa zu konzentrieren. Auch wenn von der EU-Kommission Investitionen in die Öl- und Gasförderung ständig benachteiligt werden, sind Unternehmen und Bürger in den nächsten Jahren weiter stark auf fossile Rohstoffe angewiesen. Die bestehende Fahrzeugflotte in Europa fährt nun mal zum großen Teil mit Benzin und Diesel. Auch die europäische Industrie ist auf eine sichere Energieversorgung mit Öl und Gas angewiesen.

          Die Fertigstellung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland ist daher ein Meilenstein für die Versorgungssicherheit in Europa. Es geht keineswegs darum, künftige Transitmonopole zu schaffen. Im Gegenteil, Nord Stream 2 trägt zur Diversifizierung der Energieversorgung bei. Selbstverständlich muss auch die Pipeline durch die Ukraine nach Westeuropa erhalten und erneuert werden.

          Derzeit sehen wir im Gasmarkt hohe Preise und leere Speicher. Die niedrigen Speichermengen kommen nicht allein durch den strengen Winter zustande. Dafür sind vielmehr die geringeren Mengen von Flüssiggas (LNG) verantwortlich und reduzierte Importmengen aus Russland, da es technische Schwierigkeiten in einer Kondensat-Anlage in Nordsibirien gab. Wäre Nord Stream 2 schon in Betrieb und nicht aus politischen Gründen verzögert worden, hätte es diese Lieferprobleme nicht gegeben.

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