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F.A.Z. exklusiv : Krankenstand unter Klinikpersonal steigt rasant an

Pflegekräfte kümmern sich um einen Corona-Patienten. Doch in immer mehr Kliniken muss sich das Personal selbst krank melden. Bild: dpa

Wegen der Omikron-Welle fehlen den meisten Kliniken in Deutschland Krankenschwestern und Pflegekräfte. Der Krankenstand ist deutlich höher als zu der Jahreszeit üblich. Betten müssen frei bleiben – und das hat Folgen.

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          Die starke Ausbreitung der Omikron-Variante verschärft die Personalnot in den Krankenhäusern in Deutschland. In einer aktuellen Blitzumfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die der F.A.Z. vorab vorliegt, berichten fast drei Viertel der Kliniken von höheren Personalausfällen als um diese Jahreszeit üblich. In mehr als jedem zehnten Krankenhaus sind die Personalausfälle sogar deutlich höher. In Zahlen bedeutet das:  Hier sind mehr als 20 Prozent mehr Mitarbeiter erkrankt als normalerweise im Winter.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Besonders hoch ist der Krankenstand unter den in der Corona-Pandemie ohnehin stark belasteten Pflegekräften. Jedes fünfte Krankenhaus gab an, es seien deutlich, also mehr als 20 Prozent,  mehr Mitarbeiter in der Pflege erkrankt als üblicherweise um diese Jahreszeit. In mehr als der Hälfte der Krankenhäuser waren es immerhin zwischen 5 und 20 Prozent mehr (siehe Grafik). Weniger angespannt sieht die Lage unter Ärzten und in patientenfernen Bereichen wie der Verwaltung und der Hauswirtschaft aus. Für die Umfrage hat das Deutsche Krankenhausinstitut im Auftrag der DKG Mitte der Woche eine nach eigenen Angaben repräsentative Stichprobe von 246 Krankenhäusern in Deutschland mit mindestens 50 Betten  befragt. 
          Die Personalausfälle seien „aktuell ein deutlich größeres Problem als in normalen Jahren“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß.

          Versorgung wohl noch nicht gefährdet

          „Das zeigt, dass wir die verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Patientenbehandlung bestmöglich entlasten müssen, um die Versorgung aufrechterhalten zu können.“ In der Umfrage gab jedes zweite Krankenhaus an, wegen des Personalmangels derzeit seine Betten auf den Allgemeinstationen nicht vollumfänglich betreiben zu können, ein ähnliches Bild zeigt sich auf den Intensivstationen. Für Patienten kann das bedeuten, dass – wie schon in früheren Corona-Wellen – planbare Eingriffe wie Knie- oder Hüft-, schlimmstenfalls auch Krebsoperationen verschoben werden müssen.

          Wie viele Betten wegen der Engpässe nicht belegt werden können, geht aus der Erhebung nicht hervor. Grundsätzlich scheint die Versorgung  noch nicht gefährdet, auch weil sich die Schwere der Erkrankungen in der Omikron-Welle bisher in Grenzen hält: Seit Mitte Dezember sinkt die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Wie ebenfalls aus Zahlen der DKG hervorgeht, wurde in dieser Woche in Deutschland aber erstmals seit Anfang Dezember  wieder ein Anstieg auf den Normalstationen verzeichnet. Besonders starke Zuwächse an Corona-Patienten gab es in  Bundesländern mit hohen Inzidenzen wie Schleswig-Holstein, NRW, Hessen und Hamburg, in anderen Regionen sind die Zahlen derzeit noch rückläufig.

          „Bürokratie-Lockdown“

          Das könnte sich allerdings bald ändern, wenn die Infektionszahlen weiter zunehmen und auch wieder mehr ältere Menschen an Covid-19 erkranken. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)  rechnet damit, dass es in Deutschland Mitte Februar  mindestens 400 000 Corona-Neuinfektionen am Tag geben wird, und auch die Krankenhäuser wappnen sich für eine deutlich steigende Zahl an Krankenhauseinweisungen, sowohl auf den Intensiv- als auch auf den Normalstationen (F.A.Z. vom 18. Januar). Wie am Freitag bekannt wurde,  werden in Berlin über bestimmte Belegungsquoten jetzt  sogenannte Plankrankenhäuser, die keine Notfallkrankenhäuser sind, stärker in die Versorgung von Corona-Patienten einbezogen. Ziel sei es, zur Absicherung der Versorgung zusätzliche Kapazitäten zu schöpfen, sagte eine Sprecherin.

          Darüber hinaus müsse in dieser Phase der Corona-Pandemie genau geprüft werden, welche Fälle  ambulant, welche im Krankenhaus und welche auf der Intensivstation versorgt werden müssten, wofür ein gutes Zusammenspiel zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken nötig sei. DKG-Chef Gaß forderte  einen „Bürokratie-Lockdown“, in dem auf alle  Dokumentationsarbeiten, die  nicht medizinisch-pflegerisch notwendig seien, verzichtet werde. „Die Mitarbeiterinnen gehören ans Krankenbett, zu den Patienten, und nicht an die Schreibtische oder in Prüfungen des Medizinischen Dienstes.“ 

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