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Vor Beginn der Winterspiele : Der Kampf um die Olympia-Millionen

Gibt sich zu den Rechten der Athleten bedeckt: IOC-Präsident Thomas Bach zu Wochenbeginn in Südkorea. Bild: EPA

Das reiche IOC verbietet Athleten Werbung während der Winterspiele und zahlt auch kein Startgeld. Der Unmut wächst – gerade unter deutschen Teilnehmern. Jetzt interessieren sich sogar die Behörden dafür.

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          Das umstrittene Monopol des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gerät unter Beschuss – vor allem aus Deutschland. Nicht nur dass derzeit das Bundeskartellamt in einem Verfahren das rigide Werbeverbot für die Athleten während Olympia prüft und schon jetzt Änderungen gefordert hat; kurz vor dem Beginn der Winterspiele in Südkorea werden die Stimmen der Hauptdarsteller lauter, die vom IOC in Zukunft eine Vergütung für ihren Einsatz verlangen. „Eine direkte finanzielle Beteiligung der Sportler an den Gewinnen der Olympischen Spiele können wir uns sehr gut vorstellen und setzen uns dafür ein“, sagte Maximilian Hartung, Präsident der im vergangenen Jahr gegründeten Interessenvereinigung Athleten Deutschland, der F.A.Z. Der 28 Jahre alte Säbelfechter ist Weltmeister, zweimaliger Olympiateilnehmer und vertritt zudem im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die Interessen aller Topathleten hierzulande.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hartung spricht von zwei möglichen Szenarien: Entweder die Sportler erhielten vom IOC mehr Freiheit für werbliche Aktivitäten oder eben eine finanzielle Kompensation für die Nutzung der Persönlichkeitsrechte durch die Organisation. Der Münchner Kartellrechtler Mark Orth hält dies für eine praktikable Lösung. „Die IOC-Werbebeschränkungen, welche durch den DOSB an die Athleten weitergereicht werden, stellen den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung dar“, sagt Orth.

          Wie Hartung fordert auch der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl ein Umdenken und führte gegenüber dem Internetdienst „Spox.com“ an, dass ein Sportler in seinen Möglichkeiten komplett beschnitten sei, nur damit die Sponsoren des IOC noch mehr glänzen könnten. Der Druck auf die selbstgefällig agierenden Olympier steigt: In dieser Woche wurde bekannt, dass die Beachvolleyballprofis, die zu den Stars der Sommerspiele gehören, mit der Beach Volleyball Players Association eine internationale Gewerkschaft gegründet haben.

          Behörden machen schon Druck

          Bislang ist es Athleten laut IOC-Charta verboten, neun Tage vor Spielen, während der Veranstaltung und drei Tage danach mit den eigenen Sponsoren offen zu werben und eine Nähe zu Olympia herzustellen. Selbst Gratulationsbotschaften der Werbepartner der Sportler in sozialen Medien sind untersagt, wenn sich die Begrifflichkeit zu sehr an der Veranstaltung orientiert. Kritiker führen an, dass damit die ökonomischen Möglichkeiten für die Athleten, die sich zu großen Teilen ausschließlich über das Thema Olympia vermarkten können, ad absurdum geführt würden. Keiner der Sportler erhält für die Teilnahme an Olympischen Spielen Geld, während das IOC Milliardeneinnahmen aus dem Spektakel zieht.

          Auf Druck des Bundeskartellamtes, dessen Verfahren sich nach Beschwerde des Bundesverbands der deutschen Sportartikel-Industrie gegen IOC und DOSB richtet, mussten die Richtlinien vor Pyeongchang schon mal ein wenig gelockert werden. Aber nur deutsche Teilnehmer können hoffen. Das aufgrund des russischen Doping-Skandals in schwere Turbulenzen geratene IOC und sein Präsident Thomas Bach versuchen offenbar, die aufkeimende Debatte um Athletenrechte unter dem Deckel zu halten. Die Frage, ob geplant sei, die Werbebeschränkungen insgesamt für Athleten aus aller Welt zu verändern, wurde nicht beantwortet. Dafür wurde auf das laufende Verfahren verwiesen.

          Das IOC führt generell an, dass 90 Prozent seiner Einnahmen an den Sport und seine vielen Organisationen ausgeschüttet würden, wodurch auch die Athleten in großem Maße indirekt profitierten. In der vergangenen Vierjahresperiode zwischen 2013 und 2016 nahm das IOC rund 5,5 Milliarden Dollar ein. Was beim Sportler wirklich ankommt, ist ungewiss. Nicht wenige Mittel werden in dubiosen Kanälen korrupter Sportverbände versickern.

          Das Kartellamt testet den Markt

          Das Bundeskartellamt führt derzeit einen Markttest mit Befragung von Verbänden, Sportlern und Sponsoren durch. Behördenchef Andreas Mundt hat schon reklamiert, dass die Athleten als Leistungsträger der Olympischen Spiele von den sehr hohen Werbeeinnahmen offizieller Olympiasponsoren nicht direkt profitierten. Athletenvertreter Hartung appelliert an die Sportler, unbedingt am Markttest teilzunehmen. „Es geht für uns in der Zukunft um eine faire Verhandlungsposition auf Augenhöhe gegenüber den Sportverbänden. Auch dafür ist das Verfahren beim Kartellamt gut.“

          Hartung setzt auf eine viel größere Bewegung. Auch Athleten in anderen Ländern könnten sich davon inspirieren lassen. Auf Anfrage räumt sogar der DOSB ein, dass durch das Verfahren in Deutschland anderswo Prozesse in Gang kommen könnten, in denen sich die Nationalen Olympischen Komitees fragen müssten, was für sie und ihre Athleten das Beste sei.

          Kartellrechtler Orth sieht Parallelen zum Profifußball. Erst durch Klagen bei Gerichten und Kartellbehörden seien vor einigen Jahren die nationalen Verbände dazu bewegt worden, Abstellungs-Entschädigungen für die Nationalspieler an die Vereine zu zahlen. Zuvor hätten die Klubs die Profis verpflichtend abstellen müssen, aber nicht an den Einnahmen aus der Vermarktung der Nationalteams partizipiert. Bezüglich Olympia sagt Orth: „Leider sind die Sportverbände hier offensichtlich infolge eines Interessenkonflikts nicht die richtigen Interessenwahrer für die Athleten.“ Schließlich profitierten sowohl die nationalen wie auch die internationalen Sportverbände von der Werbeexklusivität, die sie wiederum ihren Sponsoren gegen teueres Geld zur Verfügung stellten.

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