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Kanzlerkandidat Scholz : Der Mann mit dem Geld

Der Finanzminister nutzt die Bühnen, die sich ihm bieten: Anfang Juli posierte Olaf Scholz vor dem Kapitol in ­Washington. Bild: Imago

Schon viele Finanzminister wollten Kanzler werden. Geklappt hat es erst einmal. Ganz abwegig erscheint es nicht mehr, dass Olaf Scholz es schaffen könnte.

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          Der kleine, schmale Mann aus Deutschland ist an diesem Tag nicht der einzige Europäer auf diesem Platz. An einer der Ecken des Platzes steht, wenn auch in Bronze, Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette, ein Weltpolitiker des 18. Jahrhunderts, wenn man so will. Der französische Adelige kämpfte an der Seite der amerikanischen Kolonien für die Unabhängigkeit von England, bevor er einige Jahre später die Ideen der unveräußerlichen Menschenrechte auf den alten Kontinent übertrug und für die Revolution in Frankreich focht.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Aber Olaf Scholz, obwohl durchaus geschichtsbewusst, interessiert sich an diesem Tag nicht so sehr für das Denkmal, sondern eher für das Gebäude in seinem Rücken. Am Lafayette Square in Washington steht das Weiße Haus, Sitz des US-Präsidenten, Symbol für Macht und Einfluss in der Welt. Mit Joe Biden hat sich der deutsche Sozialdemokrat an diesem Morgen nicht getroffen, auch nicht – was für den Vizekanzler protokollarisch angemessener wäre – mit dessen Stellvertreterin Kamala Harris, deren Wagenkolonne er beim Frühstück im Straßencafé hinterherschauen konnte.

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