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Volksfeste in der Krise : So hart trifft die Wiesn-Absage Brauereien und Schausteller

Oktoberfest auf der Theresienwiese in München Bild: AFP

Nach mehr als 70 Jahren fällt erstmals wieder das Oktoberfest aus. Zuletzt konnten nur Weltkriege und die Cholera das größte Volksfest der Welt stoppen. Für die betroffenen Betriebe wird die Corona-Krise immer bedrohlicher.

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          Vor wenigen Tagen noch fanden sich mehr oder minder seriöse Angebote für äußerst begehrte Plätze in einer der zahlreichen Festzelte im Internet; Preise von weit mehr als 1000 Euro wurde teilweise aufgerufen. Da zeichnete sich aber schon ab, dass das Armbrustschützenzelt, Schottenhamel, Fischer Vroni und Ochsenbraterei zwischen dem 19. September und dem 4. Oktober nicht geöffnet sein werden, geschweige denn ihre Bauten überhaupt auf der Theresienwiese im Herzen Münchens aufgebaut sein werden. Die Vorbereitungen für den Aufbau des Oktoberfestes laufen seit Monaten, in wenigen Wochen hätte er begonnen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Dienstag haben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens erster Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das größten Volksfest der Welt für dieses Jahr abgesagt. Ein Fest dieser Größe sei in Corona-Zeiten eine zu große Gefahr. Andere Großveranstaltungen wie zu Karneval hätten sich als Virendrehscheibe erwiesen.

          Für die Wiesnwirte, Brauereien und Schausteller ist die Absage des Oktoberfests im Herbst ein harter Schlag. „Die Absage trifft uns alle schwer“, sagte der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer, in einer ersten Reaktion am Dienstag. Das Oktoberfest verkörpere wie kaum ein anderes Ereignis das Münchner Leben. Er zeigte jedoch auch Verständnis für die Entscheidung, dass es keine „Wiesn light“ mit weniger Besuchern geben wird, wie sie in den Münchner Medien diskutiert worden war. Abstandsregeln wären in den Zelten kaum umsetzbar gewesen – und hätten die Stimmung gestört. Auch Besucher mit Mundschutz wären auf dem Bierfest schwer vorstellbar gewesen: „Ich stelle mir das Trinken damit etwas schwierig vor“, sagte Inselkammer. Jährlich fließen auf dem größten Volksfest der Welt rund 7 Millionen Liter Bier.

          Das Oktoberfest hätte in diesem Jahr eigentlich vom 19. September bis zum 4. Oktober stattfinden sollen. Rund sechs Millionen Besucher wurden dazu erwartet. Am Dienstagmorgen hatten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das Fest abgesagt. Um die Folgen zumindest ein klein wenig zu lindern, hat der Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, eine Verlängerung des Oktoberfests im kommenden Jahr ins Spiel gebracht. Man könnte das Oktoberfest 2021 um eine Woche verlängern, schrieb er schon vergangene Woche auf Twitter. Eine solche Verlängerung wäre eine Hilfe für Schausteller und Wirte, denen die Einnahmen aus diesem Jahr fehlen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Fest bringt den Brauereien, Festwirten, Schaustellern, aber auch Hotels und Taxifahrern nach Schätzungen der Stadt 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro.

          „Ein Bierzelt lebt von der Nähe, davon, keinen Abstand zu halten“, begründet Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Absage.

          Neben dem Oktoberfest stehen auch viele weitere Volksfeste auf der Kippe. So steht auch das zweitgrößte deutsche Volksfest, der Canstatter Wasen, vor dem Aus. Offiziell ist noch nichts entscheiden: „Die Stadtverwaltung berät noch“, sagte ein Sprecherin der Stadt Stuttgart am Dienstag. „Die Entscheidung soll Ende April, Anfang Mai gefällt werden.“

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