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Großbankenfusion : Offizielle Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank

Langsam wird es ernst: Der Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Commerzbank soll von beiden ernsthaft geprüft werden. Bild: dpa

Seit Monaten wird darüber spekuliert, jetzt ist es offiziell: Deutsche Bank und Commerzbank beginnen Fusionsgespräche. Noch ist das Ergebnis offen – aber über Optionen und vor allem den Sinn einer Fusion wird schon lange heftig diskutiert.

          Die Deutsche Bank und die Commerzbank beginnen formelle Fusionsgespräche. Das teilten die beiden größten deutschen Privatbanken am Sonntag nach getrennten Sitzungen ihrer Vorstände in Frankfurt mit. Über die Aufnahme solcher Gespräche war in den vergangenen Monaten heftig spekuliert worden.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unterschiede gibt es aber offenbar in der Positionierung. Von der Deutschen Bank heißt es, der Vorstand habe „beschlossen, strategische Optionen zu prüfen“ und diese daraufhin zu bewerten, ob sie Wachstum und Profitabilität der Bank stärken. In diesem Zusammenhang bestätige man, dass Gespräche mit der Commerzbank geführt würden. Es gebe keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme. Bei der Commerzbank war von „ergebnisoffenen Gesprächen über einen eventuellen Zusammenschluss“ die Rede.

          Beide Banken geben sich zugeknöpft. Die Commerzbank beließ es schmallippig bei einem einzigen Satz. Die Deutsche Bank scheint dem Ganzen sehr distanziert gegenüber zu stehen. In einer Nachricht an die Mitarbeiter vom Sonntag betont Sewing: „Wir werden ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen, mit denen wir an unsere Fortschritte von 2018 anknüpfen können. Zum jetzigen Zeitpunkt steht keineswegs fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird. Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können.“

          Mehrere Szenarien sind denkbar

          Sollte sich die beiden Banken am Ende aber auf ein Zusammengehen verständigen, sind durchaus mehrere Szenarien denkbar. Klassische Option ist ein Aktientausch. Banken-Experte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim hält das für die „wahrscheinlichere Variante“. Das exakte Tauschverhältnis entscheidet sich anhand der jeweiligen Vermögenswerte.

          An der Börse ist die Deutsche Bank in etwa doppelt so viel wert, wie die Commerzbank. Doch bei dieser sitzt seit der Finanzkrise der Staat mit im Boot. Gut 15 Prozent gehören dem Bund, der nach einer Fusion dann vermutlich noch fünf Prozent an dem neuen Institut halten würde, falls er seine Anteile nicht verkauft.

          Angesichts der stillen Lasten in den Bankbilanzen könnte eine implizite Staatsgarantie jedoch opportun erscheinen, um die freien Aktionäre bei der Stange zu halten. Die Commerzbank hält zahlreiche Staatsanleihen von eher geringerer Qualität, die Deutsche Bank sitzt auf einem Berg komplexer Derivate.

          Es könnte daher eine Kapitalerhöhung notwendig werden, wenn nicht über eine staatlich garantierte „Bad Bank“ Risiken ausgelagert werden. „Das wäre eine Option, die man dann genau prüfen müsste", heißt es hinter vorgehaltener Hand von einem Investor.

          Es entstünde ein im nationalen Vergleich respektables Institut mit einer Bilanzsumme von zwei Billionen Euro, rund 2500 Filialen und einem Anteil am hart umkämpften heimischen Bankenmarkt von 20 Prozent. Blickt man jedoch ins Ausland, wird aus dem Koloss schnell ein Zwerg.

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