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Österreich : Wiener Kekse entpuppen sich als illegale Zigaretten

Zigaretten, die illegal in einer Fabrik in Kleve hergestellt wurden Bild: dpa

Schlag gegen die internationale Zigarettenmafia: Österreichische Zollbeamte haben mehr als zwei Tonnen Tabak beschlagnahmt. Beim Vertrieb waren die Kriminellen kreativ.

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          Zum zweiten Mal in kurzer Zeit hat der österreichische Zoll einen Schlag gegen die internationale Zigarettenmafia geführt. Linzer Zollbeamte beschlagnahmten 2,4 Tonnen Tabak und Maschinen. Erst im November hatte der Zoll in Wien eine illegale Betriebsstätte ausgehoben, Maschinen und 13 Tonnen Tabak aus dem Verkehr gezogen. Während die Fabrik in Wien vermutlich schon lief, hatte in Bruck an der Leitha die Corona-Pandemie die Logistik gehemmt. Die Zigarettenproduktion sei zwar gestartet worden, doch sei die Waren- und Personalbeschaffung sowie weitere Logistik durch die Pandemie „erheblich gestört worden“.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Der Zoll konnte durch die Zugriffe entgangene Tabaksteuer in Millionenhöhe vermeiden. Jedoch ist der finanzielle Aspekt nur einer in der Bekämpfung dieser organisierten Kriminalität. In Wien setzten die Täter nicht nur einen Dieselgenerator ein, um den Stromverbrauch zum Trocknen, Schneiden des Tabaks und Produzieren der Zigaretten zu kaschieren, sie hatten Störsender installiert, um das Orten von Handys und Funksignalen zu erschweren.

          Das Herzstück der Hinterhoffabrik stammte aus Tschechien. „Die Schließung von legalen Zigarettenfabriken in Osteuropa führte dazu, dass diese Zigarettenherstellungsmaschine über dunkle Kanäle in die Hände von Kriminellen gelangte“, erklärte der Zoll. Weitere Geräte stammten unter anderem aus der Türkei.

          Arbeitslos gewordene Tabak-Arbeiter und Maschinisten müssten für einen Hungerlohn arbeiten, heißt es. „Persönliche Gegenstände werden ihnen abgenommen, und sie dürfen während ihres mehrwöchigen oder -monatigen Aufenthalts die Zigarettenfabrik nicht verlassen.“ Für die Betreiber ist das Geschäft lukrativ. Binnen zehn Wochen dürften in der Wiener Zigarettenfabrik 52.000 Stangen im Schwarzmarktwert von 1,5 Millionen Euro produziert, abgepackt und verschickt worden sein.

          Eine sichergestellte Zigarettenherstellungsmaschine: In Wien-Floridsdorf ist im November 2020 eine illegale Zigarettenfabrik ausgehoben worden.
          Eine sichergestellte Zigarettenherstellungsmaschine: In Wien-Floridsdorf ist im November 2020 eine illegale Zigarettenfabrik ausgehoben worden. : Bild: dpa

          Auch die Vertriebswege sind international, wie der aktuelle Fall in Niederösterreich zeigt. Ermittlungen ergaben, dass eine ungarische Firma mit Sitz in Wien Schmuggelsendungen als Kekslieferungen getarnt nach Großbritannien geschickt hatte. Dabei wurden sieben Speditionen eingeschaltet, was der Polizei die Nachverfolgung erschwert habe.

          In Österreich war zuletzt im Jahr 2018 eine ähnliche Fertigung geschlossen worden. Auch in Deutschland und den Niederlanden werden immer wieder solche Fabriken ausgehoben. Anfang Oktober hatte die niederländische Polizei nahe Utrecht einen Betrieb mit 36 Tonnen Tabak dichtgemacht, Mitte August war dem deutschen Zoll ähnliches nahe Kleve gelungen. Dort gingen den Fahndern 6 Tonnen Tabak ins Netz.

          Dass die illegale Zigarettenherstellung samt Aufbau der Vertriebswege ein lohnendes Geschäft ist, liegt daran, dass viele Raucher die Tabaksteuer sparen wollen, die sich in Deutschland auf 14,3 Milliarden Euro im Jahr summiert. Studien zeigen, dass fast jede fünfte Zigarette, die im Jahr 2019 geraucht wurde, nicht in Deutschland versteuert wurde. Um an die Zahlen zu kommen, lässt der Deutsche Zigarettenverband jedes Quartal den deutschen Abfall durchwühlen. Doch werden viele Packungen legal aus dem Ausland mitgebracht.

          Die Berater von KPMG schätzten, dass im Jahr 2017 von den 15,2 Milliarden in Deutschland nicht versteuerten Zigaretten 4,2 Milliarden, also gut ein Viertel, Schmuggelware war. Der größte Teil kam aus Osteuropa: Polen, Tschechien, Belarus und der Ukraine. Seit Jahren versucht die Europäische Union diesem Geschäft den Garaus zu machen, weil es „der öffentlichen Gesundheit, den öffentlichen Finanzen und der Sicherheit abträglich ist“. Würden alle Schwarzzigaretten versteuert, bedeutete das jährliche Zusatzeinnahmen von 10 Milliarden Euro.

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