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Umweltschutz in Österreich : ÖVP und FPÖ verbieten Plastiktüten

Zu viel Plastikmüll: Österreichs Regierung hat nun einen drastischen Schritt unternommen. Bild: dpa

Alleine 40 Tonnen Plastik landen jährlich in der Donau. „Wir wollen dem Trend der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz.

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          In Österreich plant die konservative Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ Plastiktüten im Handel ab dem Jahr 2020 zu verbieten. Betroffen sind alle Kunststofftragetaschen, mit Ausnahme jener, die biologisch vollständig abbaubar sind. Außerdem ist ein Verbot der Beimengung von Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln geplant, teilte das Umweltministerium an diesem Sonntag mit.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Mit dem Verbot sollen bis 7000 Tonnen weggeworfene Kunststofftragetaschen jährlich vermieden werden. Es habe in den zurückliegenden Jahren große Fortschritte mit Vereinbarungen mit dem Handel gegeben. In vielen Lebensmittelketten werden schon jetzt gute Alternativen angeboten. Einweg-Plastiksäcke brauche man einfach nicht mehr, heißt es. „Das Verbot wird hier einen klaren Schlussstrich setzen", argumentierte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

          Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, Umweltbewusstsein zu schaffen. „Wir wollen dem Trend der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken.“ Im Vergleich zur Plastikverpackungsmenge aus dem Jahr 2016 müssen bis 2025 nachweislich 20 bis 25 Prozent der Kunststoffverpackungen reduziert werden, nannte die Regierung als Ziel.

          Das betrifft demnach vor allem Einwegverpackungen und entspricht einer Verringerung von rund 60.000 Tonnen Plastik. 40 Tonnen Plastik landen allein jährlich in der Donau. „Mit dieser sinnlosen Umweltverschmutzung machen wir jetzt Schluss“, sagte Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ). Greenpeace lobte die Pläne.

          Die Umweltschutzorganisation warnte jedoch davor, das Plastiksackerl – wie die Verpackungen in Österreich genannt werden – mit Tüten aus Papier oder Bio-Plastik zu ersetzen. Nur Mehrwegsäcke seien tatsächlich umweltschonend. Das Verbot müsse zu einer Kürzung der Abfallmengen führen und dürfe das Problem nicht auf andere Materialien verlagern, die eine ähnlich schlechte Ökobilanz aufweisen, wie das Plastiksäcke, fordert Greenpeace.

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