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Österreich : Paradies für Erben

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Wien: El Dorado für Industrielle Bild: picture-alliance / dpa

Eine Reichensteuer ist unter der bürgerlichen ÖVP/BZÖ-Regierung ein Tabu. Nach der Steuerreform mit einem nunmehr attraktiven Konzernbesteuerungsrecht wird vielmehr eine weitere Senkung der Abgabenlast diskutiert.

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          In Österreich ist eine Reichensteuer unter der bürgerlichen ÖVP/BZÖ-Regierung ein Tabu.

          Nach der zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Steuerreform mit einer Tarifvereinfachung in der Einkommensteuer und einem nunmehr attraktiven Konzernbesteuerungsrecht samt einem Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent wird vielmehr eine weitere Senkung der Abgabenlast diskutiert.

          Kluge Köpfe in Österreich halten

          Wermutstropfen im Steuersystem ist aus Sicht der Betroffenen die hohe Besteuerung von Einkommen über 51.000 Euro mit einem Spitzensteuersatz von 50 Prozent. Österreich gehört damit zusammen mit den Skandinaviern zu den Ländern mit der höchsten Belastung. Der Makel fällt gegenüber seinem wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschland besonders ins Gewicht, wo der Spitzensteuersatz unter dieser Marke liegt. Auf Leistungsträger wirkt ein solcher Zugriff der öffentlichen Hand abschreckend.

          Für vier Fünftel aller Unternehmen und damit das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft, die überwiegend als Einzelunternehmen und Personengesellschaften organisiert sind, gilt der Spitzensteuersatz. Eine Herabsetzung um zumindest vier Prozentpunkte wird überlegt, um kluge Köpfe und Betriebe in Österreich zu halten. Dieser Schritt dürfte aber nicht vor 2008 kommen. Denn zunächst strebt der Finanzminister wieder einen ausgeglichenen Haushalt an, nachdem die Abgabenentlastung in diesem Jahr mit einem Defizit von 1,9 Prozent zu Buche schlagen wird.

          El Dorado für Industrielle

          Wenngleich Österreich mit seinem Spitzensteuersatz leistungsfeindlich wirkt, gilt das Land hinsichtlich Vermögensteuern (Kapitalbesteuerung, Grundsteuer, Erbschaftsteuer) als Paradies. Nur 1,3 Prozent des Steueraufkommens stammen nach Schätzungen der OECD aus dieser Abgabenkategorie, womit das Land in Europa mit an der Spitze liegt. Die Erbschaftsteuer beträgt in Abhängigkeit vom Verwandtschaftsgrad und dem Vermögenswert zwischen 2 und 60 Prozent. Davon befreit sind inländische und vergleichbare ausländische Bankeinlangen und Forderungswertpapiere, die einkommensteuerrechtlich der Abgeltungsbesteuerung unterliegen.

          Das vor dem EU-Beitritt vor zehn Jahren beschlossene Privatstiftungsrecht macht Österreich zu einem El Dorado für viele Industrielle, die ihre Mittel steuergünstig in den Privatstiftungen parken. Allgemein gilt die Privatstiftung als beliebtes Instrument zur steuerschonenden Unterbringung und Vermehrung größerer Vermögen.

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