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Österreich : Ministerin kippt Autobahnprojekt wegen Klimaschutz

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Leonore Gewessler (Grüne) Bild: dpa

Seit fast 20 Jahren wird ein großer Autobahntunnel nördlich von Wien geplant. Österreichs grüne Klimaschutzministerin Leonore Gewessler will das Projekt jetzt beenden. Wiens Bürgermeister protestiert.

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          Zur langfristigen Bewahrung der Umwelt hat Österreichs Klimaschutzministerin Leonore Gewessler ein Großprojekt zum Bau einer Autobahn bei Wien abgesagt. Gewessler kündigte am Mittwoch nicht nur an, dass das fast zwei Milliarden Euro teure Projekt nicht umgesetzt wird, sondern dass auch eine weitere Schnellstraße in Niederösterreich nicht gebaut wird. Die Entscheidungen sind das Ergebnis des „Klimachecks“ von staatlichen Straßenbauprojekten, den die grüne Ministerin vergangenes Jahr verordnet hatte, um wirtschaftlichen Nutzen und Auswirkungen auf die Umwelt abzuwägen.

          Der geplante rund acht Kilometer lange Tunnel, der das Wiener Naherholungsgebiet Lobau und damit einen Teil des Nationalparks Donau-Auen durchqueren sollte, ist seit Jahren heftig umstritten. Er war ein zentrales Element der geplanten Ostumfahrung der österreichischen Hauptstadt.

          „Ich will nicht, dass wir in 20 Jahren sagen: Wir haben Milliarden an Steuergeld vergraben und unsere Zukunft zubetoniert“, argumentierte Gewessler. Fast die Hälfte der geplanten 19 Autobahnkilometer nördlich von Wien hätten als Tunnel ein Naturschutzgebiet unterquert. Die Erfahrung zeige, dass neue Straßen zu mehr Verkehr führten, sagte Gewessler, die auch für Mobilität zuständig ist. Klimaschädliches CO2 gelange nicht nur durch Fahrzeuge, sondern auch durch den Bau in die Atmosphäre.

          Wiens Bürgermeister Michael Ludwig kritisierte den Schritt scharf. „Das ist ein Schlag gegen die Lebensqualität der Menschen“. Es sei nun mit mehr Staus und Abgasen zu rechnen. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, sagte der einflussreiche sozialdemokratische Politiker.

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