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Österreichs Strategie : Kostenfreie Corona-Selbsttests aus der Apotheke

Schlangestehen vor einer Corona-Teststation in einer Apotheke in Wien Bild: dpa

Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden in Österreich vorige Woche auf das Coronavirus getestet, künftig sollen es bis zu 3,5 Millionen in der Woche sein – in Schulen, Betrieben, Apotheken. Das Land sieht sich als Vorreiter in Europa.

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          Testen, Testen. Testen. In Österreich sind zwar die Infektionszahlen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 108 je 100.000 Einwohner fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Doch das Land versucht, sich mit einer umfassenden Teststrategie aus dem Griff des Virus zu befreien. In Betrieben und Apotheken, kommunalen Teststraßen und Arztpraxen wurden allein in der vergangenen Woche mehr als 1,5 Millionen Antigen- und PCR-Tests durchgeführt. Da sind Hunderttausende „Nasenbohrer“-Tests in den Schulen noch nicht mitgezählt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Von März an soll nun noch mehr gebohrt, gegurgelt und abgestrichen werden. Dann gibt es für jeden der knapp 9 Millionen Einwohner Selbsttests in der Apotheke – kostenfrei und bis zu 5 Stück im Monat. Die Kosten dafür übernimmt der Bund, wie die Regierung mitgeteilt hat.

          „Der wichtigste Wellenbrecher“

          „So wird es einfach möglich, auch zuhause auf Nummer sicher zu gehen“, zitiert die österreichische Presseagentur APA Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Intensives Testen sei der Schlüssel zur bestmöglichen Kontrolle des Infektionsgeschehens. „Testungen sind aktuell unser wichtigster Wellenbrecher gegen eine massive Zunahme an Infektionen aufgrund der ersten vorsichtigen Öffnungsschritte“, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

          Einziger Schönheitsfehler: Diese Tests dienen nur der eigenen Kontrolle. Ein negatives Ergebnis berechtigt nicht zum Besuch beim Friseur oder bei anderen Anbietern „körpernaher Dienstleistungen“. Dafür bleibt der negative Antigen- oder PCR-Test das Maß aller Dinge, wie es seit Beginn der vergangenen Woche mit dem vorsichtigen Öffnen der Geschäfte nach sechswöchigem Lockdown gilt. Weitere Öffnungsschritte, etwa für die Gastronomie oder Hotels, sind derzeit nicht absehbar.

          „Wir sind unter den Ländern, die am meisten testen in ganz Europa. Mit den Schul-Tests sind wir die ersten in Europa“, sagt Kurz. Alles in allem seien in der vergangenen Woche zwei Millionen Leute getestet worden. In dieser Woche wolle man die Zahl auf bis zu 3,5 Millionen hochfahren.

          Denn mit dem Ende der Winterferien wird nun an allen Schulen flächendeckend nach einem Virusbefall gesucht. Laut Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sollen jede Woche allein 2,2 Millionen Nasenbohrer-Test in den Schulen durchgeführt werden – auch wenn deren Aussagekraft geringer ist als die einer PCR-Untersuchung. Getestet werden nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer und Verwaltungspersonal.

          Derzeit bieten in ganz Österreich mehr als 500 Teststationen der Länder und Gemeinden den Corona-Test an. Mehr als 800 Apotheken, also jede Dritte, haben kostenlose Antigen-Tests im Angebot. Inzwischen nehmen auch 730 Unternehmen mit mehr als 350.000 Beschäftigten an Testaktionen in Betrieben teil. Je Test schießt die Regierung 10 Euro dazu.

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