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Ölreichtum : Die Scheichs schwimmen im Geld

Die einen nennen es Krise. Die anderen sagen Boom. Ein Rolls-Royce auf der Automesse in Dubai Bild: AP

Öl und Benzin werden immer teurer. Die Golfstaaten häufen große Reichtümer an, denn es regnet Petro-Dollar wie nie. Allein Saudi-Arabien nimmt nach einer Schätzung jeden Tag eine Milliarde Dollar aus Ölexporten ein. Ein wenig kommt auch den deutschen Anlagenbauern zugute.

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          Autofahrer, wir wissen, wo dein Geld wohnen wird! Saudi-Arabien baut gerade sechs Großstädte, Qatar wenigstens eine, dazu eine Insel für die Kunst. Und Dubai strotzt längst vor steingewordenen Ambitionen: ein Sieben-Sterne-Hotel, künstliche Inseln, neue Stadtviertel. Und das ist nur die Anlage-Klasse Mörtel: Immobilien sind der sichtbare, aber kleinste Teil im Investitionsprogramm der Araber, die sich global mit Aktien, Anleihen, Flugzeugen, Maschinen und ganzen Fabriken eindecken.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Scheichs müssen Geld ausgeben. Sie können gar nicht anders. Denn es regnet Petrodollars wie nie. Saudi-Arabien allein nimmt nach einer Schätzung von Morgan Stanley jeden Tag eine Milliarde Dollar aus Ölexporten ein, die irgendwohin müssen. Die gesamten Ölreserven der Golfstaaten sind beim Rohölpreis von 130 Dollar je 159-Liter-Fass 65 Billionen Dollar wert. Das entspricht dem 25fachen des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Ein Drittel des Wertzuwachses der Reserven ist allein im vergangenen halben Jahr entstanden. Die Reichtumsskala ist nach oben offen: Wirtschaftsinstitute wie das DIW halten langfristig einen Preis von 200 Dollar je Fass für möglich.

          Die Sieger in der großen Geologie-Lotterie

          "Wir sind Zeugen eines monumentalen Transfers von Reichtum in die Ölländer", sagt Morgan- Stanley-Banker Stephen Jen. Finanziert wird die Verschiebung durch die braven Verbraucher: die Autofahrer, Stromkunden, Heizölkäufer und die Industrie. Wenn der Ölpreis dieses Jahr durchschnittlich bei 130 Dollar läge, wäre die deutsche Ölimportrechnung um 30 Milliarden Euro teurer, rechnet Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, vor.

          Für die dramatische Reichtumsvermehrung mussten die Scheichs keinen Finger krumm machen. Sie sind einfach die Sieger in der großen Geologie-Lotterie. Ölbooms gab es früher schon (der Westen nannte sie allerdings Krise): 1973 zum Beispiel und Ende der siebziger Jahre. Doch dieser Boom dauert schon seit 2002. Seitdem hat sich der Preis für Öl versechsfacht. "Viele Golfstaaten kalkulieren in ihrem Staatshaushalt mit einen Preis von 30 Dollar je Fass", sagt Armin Schmiedeberg, Partner der Unternehmensberatung Bain und Experte für die Golfregion. Saudi-Arabien braucht für einen ausgeglichenen Haushalt 50 Dollar.

          Seit 2002 verzeichnen die ölexportierenden Länder des Mittleren Ostens einen kumulierten Überschuss von einer Billion Dollar, der überwiegend in Staatsfonds gesteckt wurde, berichtet Rachel Ziemba, Analystin für Roubini Global Economic Service. Staatsfonds des Golfkooperationsrats repräsentieren inzwischen mehr als die Hälfte des Vermögensvolumens aller Staatsfonds weltweit. "Mit Ölpreisen von 90 Dollar und mehr ist der Einfluss dieser Fonds auf den globalen Finanzmarkt gar nicht hoch genug zu bewerten", sagt Ziemba. "Der Golf ist zu einer finanziellen Supermacht geworden."

          Araber kaufen Hochhäuser in der ganzen Welt

          Die Nummer eins der Staatsfonds der Region, die Abu Dhabi Investment Authority, kontrolliert jetzt schon Vermögenswerte, die einem Prozent der globalen Marktkapitalisierung entsprechen. Die beiden nächstgrößten vereinigen zusammen ebenfalls ein Prozent der globalen Börsenwerte auf sich. Die Schätzung stammt von Ende 2007 und basiert auf einem Jahresdurchschnittspreis von 71 Dollar je Barrel.

          Morgan Stanley schätzt, dass die Staatsfonds bis 2010 drei Billionen Dollar auf sich vereinigen werden, allein dieses Jahr kommen 500 Milliarden hinzu.

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